Sloweniens Journalistenverband gegen Bestellung von STA-Chefredakteur

16. Juli 2007, 12:22
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Borut Mesko bestellt trotz negativer Meinung der Belegschaft - Besorgnis über Angriffe auf redaktionelle Unabhängigkeit

Der slowenische Journalistenverband hat gegen die Bestellung eines neuen Chefredakteurs für die staatliche Nachrichtenagentur STA protestiert. Die geschäftsführende Direktorin Alenka Paulin stelle sich mit ihrer Entscheidung, die von einer großen Mehrheit der Belegschaft abgelehnt worden war, gegen die Grundsätze der redaktionellen Unabhängigkeit, heißt es in einer am Freitag in Laibach veröffentlichten Erklärung.

Die anlässlich der Bestellung der früheren Pressesprecherin von Premier Janez Jansa zur STA-Direktorin geäußerte Besorgnis über das Schicksal der Redaktionsautonomie habe sich bestätigt, betont der Journalistenverband. Er rief den Vorstand der Nachrichtenagentur und die Regierung als ihren Eigentümer auf, auf die Bestellung von Borut Mesko zum Chefredakteur zu verzichten und einen anderen Kandidaten zu nominieren, der die Unterstützung der Belegschaft bekomme. "Die Befolgung der Prinzipien der Redaktionsautonomie ist die einzige Versicherung für die Öffentlichkeit, dass sie objektiv und ganzheitlich über die Ereignisse benachrichtigt wird," hieß es.

Misstrauen ausgesprochen

Dem neuen Chefredakteur, der am kommenden Montag den Posten übernehmen soll, sprach die STA-Belegschaft ebenso wie der vorgeschlagenen stellvertretenden Chefredakteurin Nadja Podobnik mit 44 zu vier Stimmen das Misstrauen aus. Das Votum ist allerdings nicht verbindlich. Mesko werden eine "fehlende konkrete Vision, Programm und Zeitplan" für die künftige Arbeit der STA vorgeworfen. Während die bisherige STA-Chefredakteurin Podobnik ihre Kandidatur für den Stellvertreterposten wegen des negativen Votums zurücklegte, wurde Mesko zum neuen Chefredakteur bestellt.

Die Direktorin, die von der Regierung vor einem Monat auf das Posten bestellt worden war, habe keinen Grund, der Einschätzung der Belegschaft nicht zu vertrauen, findet der Journalistenverband. "Direktorin Paulin hat keinerlei Erfahrungen mit der Arbeit bei STA und auch nicht mit ihrem jetzigen Posten. Weil sich das Journalistenkollektiv der STA bisher zumeist bewährt und seine Glaubwürdigkeit bestätigt hat, finden wir, dass die Direktorin keine professionellen Gründe hat, der Belegschaft diese Glaubwürdigkeit abzusprechen, wenn es um die Beurteilung des Kandidaten für den Chefredakteur geht," schrieb der Verband in seinem "scharfen Protest".

Besorgnis über Angriffe auf redaktionelle Unabhängigkeit

Der STA-Vorstand habe zwar das Recht, einen Chefredakteur gegen die mehrheitliche Meinung der Belegschaft zu ernennen, doch bringe dies nichts Gutes, weder für die Journalisten noch für das Unternehmen, heißt es in dem Schreiben. "Weil die STA im vollständigen Besitz des slowenischen Staates steht und bei 60 Prozent ihrer Einkommen von dem Staatsbudget abhängig ist, ist es besonders bedenklich, dass die Direktorin die Prinzipien der redaktionellen Unabhängigkeit nicht achtet." (APA)

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