Start im Banne des Dopingproblems

10. Juli 2007, 15:48
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Einzelzeitfahren am Samstag in London - Kasache Winokurow Topfavorit - Valverde, Leipheimer, Moreau als Herausforderer

London - Von einem Neustart, wie man ihn nach früheren Skandalen stets erhofft hatte, wagt diesmal niemand zu sprechen. Zu tief steckt der Radsport im Doping-Sumpf. Vor dem Start zur 94. Tour de France am Samstag in London hoffen alle Beteiligten nur, dass sich die "Pedalritter" durch neue Dopingfälle nicht endgültig selbst ins Aus befördern. Von gemeinsamer Krisenbewältigung ist bei den Teams dennoch nichts zu spüren, die deutschen und französischen Rennställe sehen sich in ihrem Bemühen von den italienischen und spanischen Kollegen im Stich gelassen.

Zwei Superstars sind bei der 94. Auflage wegen des Themas Nummer eins nicht dabei: Ivan Basso, der Tour-Zweite von 2005, hat Anfang Mai die Zusammenarbeit mit dem mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gestanden und wurde für zwei Jahre gesperrt, Super-Sprinter Alessandro Petacchi (beide ITA) droht eine Sperre wegen Grenzwert-Überschreitung bei einem Asthmamittel. Von einer Stunde null, einem neuen Beginn, sind die Fahrer weit entfernt - die bisherigen Geständnisse erfolgten nur von (Ex-)Profis bzw. Ärzten, die mit dem Rücken zur Wand standen.

12 bis 15 Millionen Menschen an den Straßen

In Frankreich hat die Tour dennoch nichts von ihrer Faszination eingebüßt, auf den 3.570 Kilometern (mit sechs Bergetappen, davon drei Bergankünften) werden 12 bis 15 Millionen Menschen an den Straßen stehen. Vier Fahrer gelten als Top-Favoriten: Der Kasache Alexander Winokurow (Astana), der Spanier Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne), der US-Amerikaner Levi Leipheimer (Discovery Channel) sowie Christophe Moreau (AG2R), der die Hoffnungen auf den ersten Sieg eines Franzosen seit Bernard Hinault 1985 trägt.

Die Startnummer eins wird wegen der drohenden Doping-Verurteilung von Vorjahrssieger Floyd Landis (USA) nicht vergeben - erste Nummer ist die 11, die vom Vorjahrs-Zweiten Oscar Pereiro oder von Valverde getragen wird - und auch zwei Anwärter auf der Gelbe Trikot sind nicht frei von Verdächtigungen, denen Radprofis mehr als alle anderen (Ausdauer-)Sportler ausgeliefert sind. Winokurow (33) wegen seiner Zusammenarbeit mit dem umstrittenen italienischen Arzt Michele Ferrari und Valverde (27) wegen angeblicher Verwicklung in den spanischen Dopingskandal um Fuentes.

"Der Toursieg ist unser erklärtes Ziel"

Die Astana-Mannschaft um Winokurow gilt nach den jüngsten Leistungen als stärkste Equipe im Feld. "Der Toursieg ist unser erklärtes Ziel", erklärte Teamchef Mario Kummer. Sollte Kapitän Winokurow (Gesamtdritter 2003) schwächeln, stehen der Vorjahrs-Dritte Andreas Klöden (GER) und Alexander Kaschetschkin bereit. Hinter dem Favoriten-Quartett lauern Außenseiter aus anderen Teams - vor allem Denis Mentschow (RUS/Rabobank/Vorjahrs-6.), Carlos Sastre (ESP/Vorjahrs-4.) und Fränk Schleck (LUX/beide CSC) sowie Cadel Evans (AUS/Predictor-Lotto/Vorjahrs-5.),

Der erstmals als alleiniger Tour-Direktor amtierende Christian Prudhomme setzte durch, dass die Tour de France in der ersten Rennwoche attraktiver und nicht mehr ausschließlich mit Flachetappen eröffnet wird. Schon auf der 5. Etappe ist kaum ein Meter flach, bereits im Verlauf des 7. Abschnitts erreicht das Peloton die Alpen, und tags darauf steht in Tignes die erste Bergankunft auf dem Programm.(APA)

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    Levi Leipheimer bei der letzten Untersuchung.

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