EU-Außenminister beraten über "Mittelmeer-Union"

9. Juli 2007, 11:39
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Treffen in Slowenien - Zusammenschluss von Türkei, Maghreb- und Nahost-Staaten angedacht

Portoroz - Der französische Plan für die Gründung einer "Mittelmeer-Union", in der sich die Türkei und Anrainerstaaten aus Nordafrika und dem Nahen Osten organisieren sollten, war eines der Themen des zweitägigen informellen Treffens von Außenminister der Mittelmeeranrainerstaaten der EU, das am Donnerstagsabend in der slowenischen Küstenstadt Portoroz begonnen hat. Der französische Außenminister Bernard Kouchner gab sich wortkarg über den Plan und meinte, dass man daran weiter arbeiten und praktische Ideen erarbeiten müsse.

Wiege der Demokratie

Auf die Frage, ob die "Mittelmeer-Union" als eine Alternative zu der EU-Mitgliedschaft der Türkei zu verstehen sei, erwiderte Kouchner lediglich, dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy weiterhin gegen den Beitritt der Türkei sei, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Der Idee würde sich auf den Mittelmeerraum beziehen, der "die Wiege der Demokratie" sei, erklärte Kouchner. Während die Nordseite des Mittelmeers eng verbunden sei, sei die Situation im Süden komplizierter, fügte er hinzu.

Zahlreiche Staaten des nordafrikanischen Maghreb und des Nahen Ostens weisen wegen ihrer Kolonialvergangenheit enge Verbindungen mit Frankreich auf, Algerien war sogar bis 1965 ein französisches Departement. Während die EU seit 2005 mit der Türkei über einen Beitritt verhandelt, sind Beitrittsansuchen Marokkos von Brüssel bereits mehrmals mit der Begründung abgelehnt worden, dass die frühere französische und spanische Kolonie kein europäisches Land sei. Auch Tunesien und Israel sollen bereits Interesse an einer EU-Mitgliedschaft gezeigt haben.

Der Gastgeber, slowenische Außenminister Dimitrij Rupel, sieht die Idee einer Mittelmeer-Union eher darin, "die Länder mit ähnlichen Problemen und Ideen in einem gemeinsamen Auftritt zusammen zu bringen." Dass es nicht um eine Alternative für die türkische Mitgliedschaft handle, betonte auch der portugiesische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Luis Amado. Für die Beziehungen im Mittelmeer müsse mehr getan werden als bisher, sagte er und fügte hinzu, dass dies einen "strategischen Kontext" habe. (APA)

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