Gesellschaft fördert "Co-Abhängigkeit"

6. Juli 2007, 11:33
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TherapeutInnen warnen: Angehörigen von Suchtkranken drohen körperliche und seelische Schäden

Frankfurt/Main - Vielen Angehörigen von Suchtkranken drohen selbst körperliche und seelische Schäden. Wenn sich Verwandte und FreundInnen beim Helfen, Retten, Regeln und Kontrollieren des Süchtigen aufreiben, sprechen PsychologInnen von so genannter Co-Abhängigkeit.

Co-Abhängigkeit werde von der Gesellschaft gefördert, kritisiert die Therapeutin Ingrid Arenz-Greiving in der "Apotheken Umschau": "Gerade für Frauen gilt es etwa als Tugend, Verantwortung für andere zu übernehmen."

"Taifun-Syndrom"

Die massive Hilfe bewirkt nach Angaben der ExpertInnen oft nur, dass der Süchtige seine Fassade wahrt. Der Münchner Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Helmut Kolitzus, spricht vom Taifun-Syndrom: "Alle rotieren - und der Süchtige befindet sich im ruhigen Zentrum."

Ständiger Stress, Migräne, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Essstörungen und eigene Medikamentenabhängigkeit könnten die Folge für die Co-Abhängigen sein. Arenz-Greiving rät ihnen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Ziel müsse sein, dem Abhängigen die Verantwortung für sein Leben zurückzugeben - um das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen. (APA/AP)

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    "Retten", "Regeln" und "Kontrollieren" von Abhängigen wird vor allem bei Frauen als Tugend betrachtet.
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