Kopf des Tages: Der Offizier und Gentleman als Mobilfunker

30. Juli 2007, 14:44
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Ex-Telering-Chef Michael Krammer kehrt als neuer CEO von One wieder zurück

Michael Krammer ist in Person das exakte Gegenteil der populären Werbefigur, die er geschaffen hat: nicht allzu groß, durchtrainiert, und mit einem 360-Grad-Blick auf seine Umwelt, die keinem Speck auch nur die geringste Chance zu einem überraschenden Überfall geben würde. Michael Krammer ist der Speckjäger, und als solcher hat er den heimischen Mobilfunkmarkt in seiner Ära als Telering-Chef kräftig aufgemischt.

Kämpfer

Äußerlich würde man der überaus zivilen und freundlichen Erscheinung Krammers nicht ansehen, dass er tatsächlich professioneller Kämpfer ist: Der 47-Jährige ist Absolvent des Studiengangs Militärische Führung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt und war 1983 bis 1990 Offizier beim Bundesheer.

Strategie

Die dort erlernten Strategien haben sich offenbar in der heimischen Mobilfunk-Preisschlacht im meistumkämpften Markt Europas gut anwenden lassen. Unter seiner Führung mauserte sich die marode Telering zum aggressiven Diskonter mit guten Gewinnen. Als er schließlich das Feld räumte, weil der US-Eigentümer verkaufte, ertrotzte er dem Feind T-Mobile den überaus stolzen Preis von 1,3 Milliarden Euro, nicht zuletzt zum eigenen Vorteil: Krammer verwandelte damit seinen Mini-Anteil an Telering, vermutlich knapp zwei Prozent, in Gold.

Prozess

Der Akquisitionsprozess bescherte ihm auch seinen anschließenden Job als Kurzzeit-Chef der deutschen E-Plus. Diese steht im Besitz von KPN, die zwar beim Telering-Kauf zu kurz kamen, aber deren größtes Asset, Krammer, übernahmen. Die neue Beziehung währte nur kurz, die Darstellungen über das Ende gehen auseinander: In deutschen Medien wurde ein Streit zwischen dem KPN-Boss und Krammer kolportiert, Krammer selbst sprach stets von persönlichen Gründen, die den gebürtigen Wiener nach Österreich zurückbrachten, wo der Vater zweier Kinder und Bergsteiger sein Heim nie aufgegeben hatte. Jedenfalls reichte das gute Halbjahr in Düsseldorf, um auch E-Plus mit dem Spirit des Preiskampfs zu infizieren - ein lohnendes Ziel im Mobilfunk-Hochpreisland Deutschland.

Chef

Jetzt übernimmt Krammer den Posten als Chef von One, die unter dem neuen Eigentümer France Télécom zu Orange umgemodelt werden soll. Seine Handynummer, immer noch eine 0650-Vorwahl aus der Telering-Zeit, hat er still und leise schon vor einiger Zeit zu One portiert, aus Gründen des besseren Empfangs daheim, sagt er.

Während des Verkaufsprozesses der letzten Monate war Krammer regelmäßig nach Paris gejettet, um France Télécom zu beraten - noch eine Strategie, die erfolgreich aufging, noch dazu in Bieterwettkampf mit dem früheren Arbeitgeber KPN. Man muss den Feind eben kennen, um ihn besiegen zu können. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2007)

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