Mit der Seilbahn zur Schule: Grünes Licht für die Bildungs-Talfahrt

12. Juli 2007, 12:09
33 Postings

Der sechsjährige Paul kommt nun rechtzeitig ins Tal, die Eltern müssen aber 4800 Euro jährlich zahlen

Was wurde aus Paul, der mit der Seilbahn zur Schule fahren muss, die Gondel sich aber nicht rechtzeitig in Bewegung setzten wollte? DER STANDARD fragte am Feuerkogel nach.

***

Linz - Zu seiner ersten Zeugnisverteilung wird Paul heute, Freitag, nicht zu spät kommen. Dafür hat die Familie des Sechsjährigen seit dessen Geburt gekämpft. Die Neubachers betreiben den Berggasthof "Edelweiß" auf dem Feuerkogel im oberösterreichischen Ebensee. Der einzig mögliche Schulweg von Taferlklassler Paul führt daher an der Feuerkogel-Seilbahn nicht vorbei. Doch dieses tägliche herumgondeln sorgte in den vergangenen Jahren für ein zorniges Alpenglühen am Ebenseer Hausberg.

Am 17. Jänner 2004 nahm sich der Standard erstmals der Schulweg-Diskussion an. Die beiden Kinder von "Edelweiß"-Chef Alexander Neubacher waren zu dieser Zeit zwar noch nicht schulpflichtig, dennoch wollte man den zeitgerechten Weg ins Tal gesichert wissen. Problem war damals, dass sich die erste Gondel der Feuerkogel-Seilbahn erst um 8.30 in Bewegung setzte. Die erste Schulstunde hätten die Kinder vom Feuerkogel so nie erlebt. Fixe Fehlstunden, die Vater Neubacher so nicht hinnehmen wollte. Man lebe fast ganzjährig auf dem Berg und sei weder bereit, "die Kinder zu einer Pflegefamilie ins Tal zu geben, noch sie in ein Internat zu stecken, nur weil die Seilbahngenossenschaft nicht eine Stunde früher fahren will", so der Hüttenwirt 2004 im STANDARD-Gespräch.

Die Traunsee Touristik GmbH als Betreiber der landeseigenen Seilbahn sah aufgrund der dadurch anfallenden Mehrkosten keine Möglichkeit für einen außerplanmäßigen Schülertransport. "Wir können die anfallenden Zusatzkosten von jährlich rund 18.000 Euro unmöglich alleine tragen", rechtfertigte sich Geschäftsführer Gerd Becwar damals. Eine Gondelfahrt mehr heiße ja nicht nur "einen Schalter umlegen", sondern bedeute zusätzliches Personal, zusätzliche Wartungsfahrten und vieles mehr.

Kindgerechte Seilbahn

Doch was lange währt, wird irgendwann einmal gut - auch am Berg. Drei Jahre später hat Paul jetzt sein erstes Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. Dank einer eigenen Schüler-Gondel ganz ohne morgendliche Fehlstunden. Erzielt wurde die Einigung im Schulwegstreit am 10. Jänner 2007.

Mit einer Sondergenehmigung des Verkehrsministeriums fährt die Seilbahn jetzt "kindgerecht", ist Alexander Neubacher erleichtert. "Kindgerecht" heißt, dass die Revisionsfahrt auf 7.15 Uhr vorverlegt wurde und Paul samt Schultasche punkt 7.30 Uhr die Gondel besteigen kann. Mit dabei sind bei der Schulfahrt ein Seilbahnbediensteter und der jüngste Neubacher-Spross Vincent. Im Tal nimmt dann jeden Morgen der Opa seine beiden Enkel in Empfang und bringt sie in Schule und Kindergarten.

Die veranschlagten 18.000 Euro an jährlichen Zusatzkosten haben sich letztlich bei 6000 Euro eingependelt. "20 Prozent schießt die Traunsee Touristik GmbH zu, 4800 Euro zahlen wir aus unserer eigenen Tasche", bilanziert Neubacher. Im eben zu Ende gegangenen Schuljahr fallen die "Transportkosten" mit 2880 Euro aber noch deutlich niedriger aus, da die Neubachers erst mit Jänner auf den Berg gezogen sind. Zusätzlich wartet man derzeit auf einen angekündigten 50-Prozent-Zuschuss aus dem Hilfs-Fonds des Landes. Nicht inkludiert in den jährlichen Seilbahnpreis ist übrigens Pauls Fahrkarte. "Das ist der Hammer und einfach nur mehr lächerlich. Für die Fahrkarte müssen wir pro Kind noch einmal 100 Euro im Jahr hinblättern", ärgert sich Hütten-Wirt Alexander Neubacher. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Juli 2007)

Lesen Sie am Samstag: Das neue oberösterreichische Hundehaltegesetz in der Praxis.
Share if you care.