Problemszenario Auto

19. Juli 2007, 20:55
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Steigende Mobilität droht an sich selbst zu ersticken

Vor etwas mehr als 100 Jahren sah die Welt noch ein bissl anders aus. Die Transport-Infrastruktur war geprägt von Dampfmaschinen und Elektrizität. Die ersten Autos, die den Namen verdienten, hatten E-Antrieb.

Die Fahrer wurden Autler genannt, waren nicht unbedingt willkommen. Denn der Lärm der Automobile und ihre potenzielle Gefährlichkeit waren von Anfang an Probleme. Die Menschen waren an den Verkehr einfach noch nicht gewöhnt, bei Unfällen waren die Folgen meist schrecklich und die medizinischen Möglichkeiten zur "Reparatur" begrenzt. Autotaugliche Straßen mussten erst gebaut, Verkehrsregeln erfunden werden. Und schließlich brauchte man auch sehr bald einen Führerschein.

Zwei Ursachen

Warum sich das Auto trotz heftigster Zweifel dann doch rasch durchsetzen konnte, lag an zwei Punkten.

Erstens: Robert Bosch erfand die Zündkerze, die es erst ermöglichte, den Ottomotor in großem Stil einzusetzen und damit Benzin zu verbrennen, mit seinem hohen Energieinhalt pro Liter.

Zweitens: Das Auto versprach genau das, hinter dem der Mensch wie verrückt her ist, seit es ihn gibt: Freiheit und Unabhängigkeit. Während es in der Eisenbahn immer knapp zuging, Pferde schnell ermüdeten und Fahrpläne ein enges Raster für die Reisenden bedeuteten, lockte das Auto mit totaler Individualität.

Keine Konzepte

Konzepte zur Automobilisierung der Welt gab es indes keine: Das Auto setzte sich völlig eigendynamisch immer mehr in Szene, die Antriebskraft dafür war anscheinend ein nicht enden wollendes Problem-Lösung-neues-Problem-Szenario. Denn das Auto hat das Talent, genau jenes Problem, das es im ersten Moment souverän löst, in späterer Folge umso massiver wiederkehren zu lassen. Zuerst erhöht also das Auto die Mobilität, um in der Folge an sich selbst zu ersticken. (rs, AUTOMOBIL, 6.7.2007)

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Rudolf Skarics

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