Die Rückkehr des Speckjägers

2. Oktober 2007, 17:32
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Was in der Branche bereits alle vermuteten, ist jetzt fix: Ex-Telering-Chef Michael Krammer wird neuer Chef von One

Michael Krammer, der sich als früherer Chef von Telering als aggressiver Herausforderer der Mobilfunkkonkurrenz bewährte, wird der neue Chef von One, sobald die Übernahme durch den französischen Mobilfunker Orange abgeschlossen ist. Orange war bereits bisher zu 17,45 Prozent an One beteiligt.

Mitteilung

Der Wechsel an der Unternehmensspitze wurde am Dienstag der One-Belegschaft in einer Betriebsversammlung vom derzeitigen One-Chef Jørgen Bang-Jensen und Vertretern des neuen Eigentümers mitgeteilt. Bang-Jensen wird bis zu dem Ende September erwarteten Closing des Verkaufs One-CEO bleiben.

Keine Überraschung

Die offizielle Bekanntgabe kommt nicht überraschend: Bereits einen Tag nach Abschluss des Kaufvertrags teilte Orange-Mutter France Télécom mit, dass es einen baldigen Wechsel des Managements sowie eine Umbenennung in Orange beabsichtige, ohne jedoch dafür konkrete Namen oder Termine zu nennen. Wie berichtet, galt Krammer von Anfang an als Favorit für den Chefsessel, da er nicht nur exzellente Kenntnisse des heimischen Mobilfunkmarkts hat, sondern als Berater von France Télécom bereits während der Verkaufsverhandlungen beigezogen wurde.

Anteile

Formal ist es ein Konsortium von France Télécom bzw. deren Mobilfunktochter Orange (35 Prozent) und des Finanzinvestors Mid Europa Partners (65 Prozent), die den bisherigen Eigentümer Eon (50,1 Prozent) und den Minderheitenpartnern Telenor und TDK ihre Anteile abkaufen.

Zustimmung

Der Kauf bedarf der Zustimmung der EU-Kommission. Einsprüche oder die Einleitung einer vertiefenden Prüfung, wie bei der Übernahme von Telering durch T-Mobile, werden jedoch nicht erwartet, da die Marktsituation in Österreich durch den Eigentümerwechsel nicht unmittelbar betroffen scheint.

Chef

Krammer war nach seinem Abgang von Telering kurzzeitiger Chef des deutschen Mobilfunkers E-Plus, der im Eigentum der niederländischen KPN ist. KPN war sowohl am Kauf von Telering als auch von One interessiert, zog jedoch in beiden Fällen den kürzeren.

Geordneter Übergang

Bang-Jensen hatte schon im Vorjahr seine damaligen Eigentümer davon informiert, dass er nach zehn Jahren an der Spitze von One (die 1998 in Betrieb gingen) aus dem Unternehmen ausscheiden wolle. Das ergab somit für Orange, die als Minderheiteneigner darüber Bescheid wussten, einen geordneten Übergang zu einem Nachfolger.

Rückzug

"Nach 17 Jahren in der Telekombranche möchte ich gerne einmal was ganz anderes machen", erklärte Bang-Jensen seinen Rückzug gegenüber dem Standard. Allerdings habe er damit "keine Eile". Die "geordnete Übergabe" werde formell dem EU-Prozess entsprechen. Demnach darf ein künftiger Eigentümer bis zur Genehmigung der Übernahme keinen Einfluss auf das operative Geschäft haben. Keiner weiß dies übrigens besser als Krammer: Er kreierte vor der T-Mobile-Übernahme noch eine Reihe billiger Telering-Tarife. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2007)

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One

  • Michael Krammer
    montage: derstandard.at/putschögl

    Michael Krammer

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