Salzburgs Fantasien weichen der Realität

26. Juli 2007, 14:05
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Der Frust bei den Salzburger Olympia­werbern sitzt tief, dementsprechend gering ist die Lust auf eine neue Kandidatur

Salzburg - Der Frust, dass man wie beim Rennen um die Winterspiele 2010 vor vier Jahren auch diesmal wieder in der ersten Runde ausgeschieden ist, sitzt bei den Salzburger Olympiawerbern tief.

Seinerzeit hatte Salzburg 16 Stimmen erhalten, diesmal war die Zustimmung immerhin höher (25). Doch dieser Aufwärtstrend ist kein Maßstab. Geht es nach der Stimmungslage am Tag nach der Niederlage in Guatemala wird sich Salzburg kein viertes Mal um die Austragung von Winterspielen bewerben. Bei der Kandidatur für 2006 war man in der innerösterreichischen Vorauswahl Kärnten unterlegen, für 2010 dann Pyeongchang und dem späteren Austragungsort Vancouver. Allein der Salzburger Tourismusreferent Landeshauptfraustellvertreter Wilfried Haslauer kann sich ein weiteres Antreten grundsätzlich vorstellen.

Sportressortchef Landeshauptfraustellvertreter Othmar Raus (SP) hingegen hatte sich bald nach dem Abstimmungsdebakel bereits festgelegt: Er persönlich werde eine weitere Kandidatur nicht mehr unterstützen. Auch der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SP), nach der Niederlage schwer gezeichnet, steht einem erneuten Anlauf skeptisch gegenüber: "Vermutlich wird in Zukunft die Chance für kleine Länder, bei Olympia mitzuwirken, verschwindend gering."

Zu große Schuhe

Ähnlich auch der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees Heinz Jungwirth. Er befürchtet, dass die Ausrichtung von Spielen für kleine Länder in Hinkunft "eine Schuhnummer zu groß" wären. ÖOC-Präsident Leo Wallner meint, zweimal zu scheitern, sei kein Animo, sich ein drittes Mal zu bewerben.

Aus den Pongauer Gemeinden, die als Austragungsorte der alpinen und der nordischen Bewerbe das geringste Risiko zu tragen gehabt hätten, sind ebenfalls Stimmen zu hören, die einer neuerlichen Kandidatur keine Chance mehr einräumen. Und der einzige FPÖ-Mandatar im Salzburger Gemeinderat Andreas Schöppl will sogar per Gemeinderatsbeschluss fixieren lassen, dass sich die Landeshauptstadt in den kommenden zwei Jahrzehnten nicht mehr um Olympia bemühen dürfe.

Werbung, Rechnung

Weit weniger Katzenjammer herrscht bei der Fremdenverkehrswirtschaft. Der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft, Leo Bauernberger, sieht den Werbewert der internationalen Medienberichte weit über jenen zehn Millionen Euro, die für die Olympia-Amibitionen eingesetzt werden mussten.

Nutznießer des Salzburger Scheiterns könnte übrigens Nachbar Bayern sein. "Die Aussichten für München für 2018 sind jetzt schlagartig noch besser geworden. Das IOC achtet auf den Proporz der Kontinente", kündigt Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Bewerbung der Bayern an. Neben dem zweimal gescheiterten Pyeongchang könnte Tromsö in Norwegen ebenfalls ein Kandidat sein.

Aber auch Innsbruck bleibt ein potenzieller Austragungsort. Die Tiroler hatten ja schon 1964 und 1976 die Winterspiele zu Gast, für 2014 ist man in der Vorausscheidung an Salzburg gescheitert. Klare Angaben, ob man um die Spiele 2018 in den Ring steigen will, waren am Donnerstag aber nicht zu erhalten. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 6. Juli 2007, Thomas Neuhold)

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    Weiß-blau-rot statt Rot-weiß-rot.

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