Retten wir uns selbst

13. Juli 2007, 13:47
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Popstars gegen den Klimawandel: Am Samstag geht ein 24-Stunden-Konzert-Spektakel über die Bühnen von 109 Ländern

"Live Earth" ist der größte Musikevent aller Zeiten und will auf die globale Bedrohung der Klimaerwärmung hinweisen und sie bekämpfen.


Ein Rekord wird am Samstag sicher, ein zweiter sehr wahrscheinlich gebrochen. Wenn im Rahmen des voraussichtlich auf allen sieben Kontinenten ausgetragenen Konzert-Events Live Earth die Formation Nunatak, die Hausband der britischen Antarktis-Station Rothera, vor den restlichen 17 Mitgliedern der Station aufspielt, wird es das kleinste Konzert sein, dem bis zu zwei Milliarden Menschen weltweit via Fernsehen beiwohnen können.

Und sollten es die prognostizierten zwei Milliarden Zuseher werden, fällt auch der Rekord der größten je ausgetragenen Musikveranstaltung den Veranstaltern Al Gore und Kevin Wall zu.

Um diese Massen zu erreichen, bietet Live Earth eine Reihe von internationalen Stars, lokalen Größen sowie eine nicht zu geringe Anzahl von engagierten Trittbrettfahrern auf. Denn wenn die Geschichte solch riesiger Events wie Live Aid (1985) oder Live 8 (2005) etwas gezeigt hat, dann dass vor allem die daran beteiligten Künstler die erzeugte Aufmerksamkeit für sich zu nutzen wussten. Und nicht alle haben die Größe - oder können es sich leisten - die in der Folge lukrierten Gewinne ebenfalls für die gute Sache zu spenden, wie das etwa Pink Floyd nach Live 8 taten.

Insgesamt sollen in 109 Ländern Großkonzerte stattfinden, eines der beiden in Japan ausgetragenen wird bedeutungsschwanger in Kioto ausgetragen - der Stadt, in der 1997 von vielen Nationen das Klimaschutzprotokoll unterfertigt wurde.

Argwöhnisch beäugt werden die Sponsoren der Veranstaltung. Neben dem Hauptsponsor Microsoft treten bei Live Earth auch Pepsi, Ebay, Philips und DaimlerChrysler als Unterstützer in Erscheinung.

Unbequeme Wahrheit

Initiiert wurde Live Earth vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und dem Musikproduzenten Kevin Wall, die damit auf die Klimaerwärmung und die von Wall ins Leben gerufene Klimaschutz-Plattform "Save Our Selves" (SOS) aufmerksam machen will. Gore gelang es bereits mit seinem Auftritt in der mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentation "Eine Unbequeme Wahrheit" für das Thema zu mobilisieren.

SOS ist gleichzeitig die Dachorganisation der Veranstaltung und wird mit den Erlösen der Konzertreihe eine Stiftung für den Klimaschutz einrichten. Neben diesem praktischen Nutzen geht es SOS vor allem um die Bewusstseinbildung. Es soll vermittelt werden, dass diese globale Bedrohung jeden Einzelnen betrifft und damit jeden Einzelnen in die Pflicht nimmt, sich in seinem täglichen Tun quasi energie- bedarfsorientiert zu hinter-fragen.

Nahes Fernziel von SOS ist es, die Menschen dazu zu bringen, den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent zu senken.

Der Konzertreigen soll das Thema aber nicht nur vermitteln, sondern auch mit einer gewissen Sexiness besetzen - siehe dazu engagierte Hollywood-Stars wie George Clooney oder Julia Roberts, die zurzeit mit ihren Hybridautos ebenso viele Schlagzeilen machen wie mit ihren Filmen.

Konsequent ist Live Earth auch mit sich selbst. Nachdem die Organisation des Spektakels natürlich ihrerseits ordentlich CO2 erzeugt, verwendet man einen Teil des Erlöses darauf, in der südlichen Hemisphäre Bäume zu pflanzen, um so in den am meisten betroffenen Ländern einen Ausgleich für die verursachten Emissionen zu schaffen. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2007)

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    Von Metallica über Kanye West bis Yusuf Islam: Rund um den Globus mobilisieren am Samstag Popstars gegen den Klimawandel

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