Politik verursacht in der Estag wieder einen Kurzschluss

5. Juli 2007, 19:37
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Die Estag ist neuerlich Spielball der Parteipolitik geworden, private-Equity-Fonds, Verbund, EdF und ein deutscher Stromkonzern lauern

Graz/ Wien – Nach dem Schulterschluss im steirischen Landtag zwischen ÖVP, KPÖ und Grünen, der es SP-Landeshauptmann Franz Voves „verbietet“, Verkaufsverhandlungen mit dem französischen Energiekonzern EdF zu führen, sind energiepolitisch die Sicherungen heraußen. Niemand weiß in der Steiermark, wie es mit der Energie Steiermark AG (Estag) weitergeht, sie ist Spielball der Parteien.

Die französischen Miteigentümer EdF/GdF (Electricité de France / Gaz de France) bieten 400 Mio. Euro für 24-Prozent am Landeskonzern, um ihre Anteile an der Estag auf 49 Prozent aufstocken. ÖVP, KPÖ und Grüne wetterten gegen das "Verscherbeln von Familiensilber" und verhinderten mit Mehrheitsbeschluss den von Voves geplanten Deal.

Politisches Spiel

Die ÖVP argumentiert, der Deal wäre "ein Schaden für das Land". Voves habe nur im Sinne sich „Spielkapital“ für seine Idee einer Landesholding zu sichern, dafür hätten die Franzosen künftig das Sagen in der Estag. Voves wiederum ortet ein "rein parteipolitisches Spiel, das von der Bundes-ÖVP gesteuert wird". Das Indiz für seine Theorie: Bereits kurz nachdem er gehindert worden sei, weiter zu verhandeln, habe sich VP- Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ins Spiel gebracht und von ihm Verkaufsverhandlung mit dem Verbund eingefordert. Voves: "Aber genau diese Verhandlungen sind ja schon einmal gescheitert."

Verbund-Sprecher Gerald Schulze sagte am Donnerstag zum Standard, der Verbund habe nur dann Interesse an Estag-Anteilen, "wenn wir auch mitgestalten können". Das ist mit den zur Disposition stehenden 24-Prozent Landesanteilen sicher nicht der Fall. Ein Verbund-Einstieg macht nur dann Sinn, wenn sich EdF/GdF von ihren 25 plus einer Aktie plus weitreichenden Rechten trennen. Genau das haben die Franzosen aber nicht vor. Im Gegenteil. Sie wollen in der Estag bleiben. Voves sagte zum Standard, ihm habe die französische Seite versichert, das Engagement in der Estag vertiefen und "sicher im Unternehmen bleiben zu wollen".

Private Equity Fonds zeigen Interesse

Unterdessen wurde bekannt, dass einige Private Equity Fonds Interesse an den 24 Prozent hätten, sie sollen „weit über 400 Mio. Euro“ bieten. Auch könnte sich in dem Chaos ein völlig anderer Coup abzeichnen: Die deutsche EnBW (Energie Baden-Württemberg AG), an Niederösterreichs EVN mit rund 37 Prozent beteiligt, ist, könnte ihre EVN-Anteile an den Verbund abgeben. Im Gegenzug könnte EnBW (an der EdF knapp 50 Prozent hält), die Verbund-Anteile an der Estag-Tochter Steweag/Steg übernehmen. EdF könnte sich somit – über ihre deutsche Beteiligung EnBW – fester in der Estag verankern. Neuer EnBW-Vorstandschef wird übrigens E.ON-Manager Hans-Peter Villis, er folgt Utz Claasen.

EVN vor Expansion

EVN steht vor der Expansion nach Albanien. Die albanische Regierung habe den von EVN initiierten Bau dreier Speicherkraftwerke am Devolfluss "gutgeheißen und ihm öffentliches Interesse zuerkannt", teilte EVN mit. Laut Medienberichten kostet das Vorhaben rund eine Milliarde Euro. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2007)

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