Einbrecher plaudern aus der Schule

11. Juli 2007, 10:27
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Zahlenmäßig liegen heimische Einbrecher vorn - Ausländische Banden sind besser organisiert und gehen ein höheres Risiko ein

Im ersten Halbjahr 2007 wurden in Österreich 50.000 Einbruchsdiebstähle begangen. Für eine Studie plaudern Täter aus der Schule.

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Wien – Zeitungskassen, Telefonhütteln, Autos, Wohnungen, Häuser, Geschäfte – Einbrecher können aus einem vielfältigen Angebot wählen. Pro Stunde wird in Österreich elfmal gegen den Strafgesetzparagrafen 129 "Diebstahl durch Einbruch oder mit Waffen" verstoßen. Einzeltäter riskieren bis zu fünf Jahre Haft, auf gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahl stehen zehn Jahre Höchststrafe. Doch nur in zwei von zehn Fällen werden die Täter geschnappt. 30 davon haben für eine am Donnerstag präsentierte Analyse des Bundeskriminalamtes aus der Schule geplaudert.

Da Einbrecher nicht gern mit der Polizei reden, übernahmen Mitarbeiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) die Rolle der Interviewer. Aus der Nationenwertung in der Sparte Wohnungs- und Geschäftseinbrüche geht hervor, dass Österreicher mehrheitlich von Landsleuten heimgesucht werden. Dafür sind die berüchtigten Banden aus Osteuropa wesentlich besser organisiert und meist je nach Auftragslage auf eine bestimmte Beute spezialisiert; von iPods über Kunstwerke bis zu Altmetall.

Viele heimische Panzerknacker erwiesen sich als echte "Spontansoziologen", meint KfV-Chef Othmar Thann. Ein Idealobjekt aus diebischer Sicht: "Älteres Baujahr, weil dann die Miete billiger ist und die Bewohner mehr Geld für Luxusgüter haben." Manche Einbrecher glauben, dass bei jüngeren Singles am meisten zu holen ist, weil die am stärksten dem Konsumzwang unterlägen.

Extrawurst oder Lachs

Andere Diebe bevorzugen ältere Semester, weil die schon länger Wertvolles angehäuft haben könnten. Schon ein durchs Fenster erspähter Kronleuchter kann ein Hinweis auf lohnende Beute sein. Manchmal fällt die Entscheidung nach einem Blick in den Müll. Bei Extrawurstresten lohnt es sich wahrscheinlich nicht, aber Lachsabfälle weisen darauf hin, dass die Bewohner nicht arm sind.

Zu den im Gefängnis befragten Professionisten zählte auch "Batman", der es bevorzugte, sich in mehrstöckigen Häusern zu Fenstern abzuseilen. Im Rucksack stets eine schon zugeschnittene Klebefolie (Fenster sind genormt), die er dann über die Scheibe pickte und anschließend das Glas ohne klirrende Scherben eindrückte.

"Hobbyeinbrecher" vergewissern sich meist, dass keine störenden Bewohner im Haus sind. Nicht selten vergreifen sie sich auch an den Vorräten im Kühlschrank oder genehmigen sich ein Gläschen aus der Hausbar. Drogenabhängige Einbrecher hingegen, die Wertgegenstände zu Geld machen, um ihre Sucht zu finanzieren, und auch ausländische Banden sind eher auf schnelle, riskante Besuche aus. Die Mehrheit der Bevölkerung macht es ihnen mit alten Schlössern oder offenen Fenstern nicht schwer. Selbst wenn aus der Nachbarwohnung verdächtige Geräusche kommen, rühren viele Österreicher kein Ohrwaschel. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Juli 2007)

  • Täglich 274 Einbruchsdiebstähle. In Wien sind besonders die Gürtelbezirke betroffen.
    foto: standard/heribert corn

    Täglich 274 Einbruchsdiebstähle. In Wien sind besonders die Gürtelbezirke betroffen.

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