Zärtlich wie ein Traktor: die ländliche Komödie "Sie sind ein schöner Mann!"

5. Juli 2007, 17:07
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Die französische Regisseurin Isabelle Mergault erzählt von einem Bauern, der eine Frau als Wirtschaftskraft sucht

... dann aber überraschend die Liebe findet.


Wien – TV-Dating-Soaps wie Bauer sucht Frau setzen auf die produktive Kraft des Unbekannten. Entscheidend sind dabei vor allem die äußeren Faktoren. Dass ein Landwirt als quotenträchtig gilt, liegt schließlich weniger an seinen Verführungskünsten als an seiner Profession. Mit dem Mann bekommt Frau nämlich auch das Vieh (oder das Obst und Gemüse).

Die französische Regisseurin Isabelle Mergault hat aus einem solchen Szenario heraus ihr Spielfilmdebüt entworfen. Aymé (Michel Blanc) ist ein mürrischer französischer Bauer, dem durch eine defekte Stromleitung die Frau abhanden kommt. Ungelernt im Umgang mit häuslichen Routinen – in der Waschmaschine dreht sich gleich einmal die Katze mit –, fackelt er nicht lange herum und beschließt, die Lücke zu füllen und sich an eine Heiratsagentur zu richten.

"Sie sind ein schöner Mann!" ("Je vous trouve très beau") spielt also von Beginn an mit ins Komische übersteigerten Rollen- und Geschlechterstereotypen. In flottem Tempo wird eine Reise nach Rumänien arrangiert – und den nichts ahnenden Nachbarn Aymés als Deutschlandtrip verkauft. Im EU-Entwicklungsland tun Frauen ja alles, um in eine der westlicheren Glücksoasen zu kommen. Elena (Medeea Marinescu) begreift allerdings von allen Bewerberinnen am schnellsten, dass der Bauer keine Komplimente, sondern eine Hilfskraft sucht.

Charme hat dieses Zusammentreffen im weiteren Verlauf vor allem deshalb, weil beiden Darstellern einiger Raum gelassen wird, ihre Figuren mit schönen Details auszustatten. Michel Blanc, den man seit "Monsieur Hire" als einsamen Mann mit ausdrucksstarkem Gesicht kennt, gibt hier den derben, erfrischend einfältigen Landwirt, der gegen die einfallsreiche Verführungskunst Medeea Marinescus ziemlich immun scheint.

Mergault forciert die Kontraste in ihrer rustikalen Romantic Comedy – und scheut sich dabei auch nicht, das eine oder andere Vorurteil über chauvinistische Franzosen und leichtlebige Osteuropäerinnen für komische Momente zu nutzen. Die Konsequenz, diese Dynamik bis zum Ende durchzuhalten, hat sie allerdings nicht.

"Sie sind ein schöner Mann!" gerät spätestens dann auf formelhaft sentimentale Schienen, als das Paar füreinander Gefühle entwickelt. Aymé entdeckt bisher unbekannt zarte Seiten an sich, während Elena ein Beispiel der Selbstlosigkeit abgibt. Klischees werden somit eher gefestigt denn humorvoll ausgestellt – und das wirtschaftliche Loch, das die beiden zusammengeführt hat, ist vergessen. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2007)

  • Wenn dem Bauern das Herz erweicht: Michel Blanc und Medeea Marinescu in "Sie sind ein schöner Mann!".
    foto: luna film

    Wenn dem Bauern das Herz erweicht: Michel Blanc und Medeea Marinescu in "Sie sind ein schöner Mann!".

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