"Die Kinder dürfen nie aufhören, Fragen zu stellen"

30. Juli 2007, 09:57
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Kinderuni Wien erregt heuer internationales Interesse - Über 3.200 Studierende angemeldet, noch Restplätze

"Im ersten Jahr haben wir mit 100 Studenten gerechnet, plötzlich waren da 1.000", erzählt Vize-Rektor Arthur Mettinger von der Universität Wien über die Anfangsjahre der Kinderuni. Seither werden es beständig mehr. Der Andrang bestätigt, dass es den Kindern gefällt. "Dass man mehr Auswahl als in der Schule hat", mag zum Beispiel die 10-jährige Nora besonders. Sie sitzt im Kinderuni-Beirat - wie Lukas (9), der Autoliebhaber der auf die Technikworkshops abfährt, und Kerstin (12), die die vorbereitende Pressekonferenz souverän moderiert hat.

Am Samstag beginnt die zweiwöchige KinderuniWien schon zum fünften Mal. Auf die knapp 3.500 jungen Studenten zwischen sieben und zwölf Jahren warten Lehrveranstaltungen aus den Bereichen Technik, Kunst. Medizin und Wissenschaft. Das Angebot ist beim kleinen Jubiläum größer und besser denn je, was schon der Startschuss am Samstag erahnen lässt. Österreichs Physik-Koryphäe Anton Zeilinger eröffnet mit dem Vortrag "Quanten für Kinder". In 389 Workshops, Vorträgen und Diskussionen sollen die Kinder ihre Neugierde ausleben und Freude am Lernen finden.

Am Unibetrieb orientiert

Kinderunis gibt es überall weltweit – auch andere österreichische Unis haben Angebote. Das Projekt in Wien versucht eine möglichst authentische Uni-Atmosphäre zu bieten. Mittags wird in der Mensa gegessen, am Ende lockt eine Sponsionsfeier. Dort müssen die Kinder dann geloben, dass sie nie aufhören, Fragen zu stellen. Im Ausland ist man auf das Wiener Modell aufmerksam geworden. Dieses Jahr haben sich Interessenten aus Polen, Australien und Japan angekündigt. Der Erfolg kann sich also sehen lassen.

Wo man sich bei den Großen orientiert, sind natürlich auch die Sorgen ähnlich. Jungen und Mädchen (das Verhältnis ist bei den Studierenden ausgeglichen) stürmen die Veranstaltung, so dass in der Vergangenheit sogar die Anmeldeserver in die Knie gingen. "Echte" Studierende wissen ein Lied davon zu singen. In dieser Hinsicht hat es der Nachwuchs sogar besser als die älteren Kollegen. Zugangsbeschränkungen gibt es nicht. Ein ernsteres Problem: Kinder aus bildungsfernen Schichten sind auch hier schwerer zu erreichen. Die Initiatoren arbeiten dagegen zusammen mit anderen Organisationen an. Im Spätsommer startet etwa auch eine Tour durch die Wiener Parks und auf öffentliche Plätze.

Fruchtbar für die "große Wissenschaft"

Allgemein halten sich die Unterschiede zu den Großen in Grenzen. "Fremdwörter muss man übersetzen, aber das ist bei Erstsemestrigen ja ganz ähnlich", erzählt Marion Elias. Sie lehrt für gewöhnlich an der Universität für angewandte Kunst und engagiert sich schon zum vierten Mal bei den Kleinen. Das Thema ihres Workshops demonstriert, dass es für Kinder keineswegs kindische Veranstaltungen braucht: "Junge Bilder – Genderbeispiele in bildender Kunst". Die Nachwuchskreativen erstellen im viertägigen Seminar Bildgeschichten, werden mit Geschlechterunterschieden konfrontiert und darüber aufgeklärt. Das was sie erarbeiten, wird hinterher zu einer Studie über die Genderbilder der Jungstudenten verarbeitet und fließt so auch in den echten Wissenschaftsbetrieb ein.

Der zufällig parallel stattfindende FEBS2007 Kongress für Molekularbiologen bindet die Kinderstudenten auch ein. Zwei kindergerechte Vorlesungen ("Was ist Krebs?", "Warum sind Gene verschieden?") für 600 Teilnehmer werden angeboten. Veranstalter Karl Kuchler von der Medizinuni erhofft sich positive Impulse für kommende Wissenschaftsgenerationen. "Bisher setzt Wissenschafts-Kommunikation und – Entwicklung viel zu spät ein.". Da ist er sich auch mit seiner Kollegin Birgit Hofer-Nagl einig. Die rät, einen anderen Effekt nicht zu unterschätzen. Dass Kinder etwa einen Kongress schon früh kennen lernen, sei wichtig, weil man "über sie manchmal auch noch die Eltern erreichen kann". (tsc, derStandard.at, 5.7.2007)

Noch 144 Veranstaltungen bieten Plätze, Anmeldung bis Freitag auf der offiziellen Webseite möglich.
  • Zwar noch keinen Titel, aber immerhin den ersten „Schein“ holen sich tausende Kinder auch dieses Jahr wieder.
    foto: standard/hendrich

    Zwar noch keinen Titel, aber immerhin den ersten „Schein“ holen sich tausende Kinder auch dieses Jahr wieder.

  • Im Mittelpunkt stehen die Kinder: Lukas, Kerstin, Nora helfen auch bei der Organisation mit.
    foto: derstandard.at/schaffer

    Im Mittelpunkt stehen die Kinder: Lukas, Kerstin, Nora helfen auch bei der Organisation mit.

  • Medizinuni Vize-Rektor Rudolf Mallinger freut sich über den Andrang und versichert: „Es gibt keine Zugangsbeschränkungen und Eignungstests.“
    derstandard.at/schaffer

    Medizinuni Vize-Rektor Rudolf Mallinger freut sich über den Andrang und versichert: „Es gibt keine Zugangsbeschränkungen und Eignungstests.“

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