Kroatische Architektur im Wiener Ringturm

5. Juli 2007, 13:41
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Ausstellung "Avantgarde & Kontinuität" mit Beispielen von Moderne bis zeitgenössischer Denkmal-Architektur

Wien - Unter dem Titel "Avantgarde & Kontinuität" präsentiert die Wiener Städtische Versicherung ab morgen, Freitag, ausgewählte Beispiele kroatischer Architektur im Wiener Ringturm. Die Fotos, Pläne und Modelle spannen einen Bogen vom Beginn der Moderne in den 30er Jahren bis hin zu Arbeiten aus der Gegenwart. Zu sehen ist die von fünf Kuratoren zusammengestellte Schau bis 14. September.

Der Untertitel der Ausstellung, "Kroatien-Zagreb-Adria", verweist dabei auf das kulturelle Spannungsfeld zwischen dem mitteleuropäisch geprägten Nordkroatien und dem dalmatinischen Küstenland, aus dem eine insgesamt mediterran anmutende Architektur entsteht. Im Blickfeld der Ausstellung stehen besonders jene drei Zeitabschnitte, die als wichtigste Phasen für die Heranbildung architektonischer Eigenständigkeit in Kroatien gelten: die Zwischenkriegszeit, die 50er und 60er Jahre sowie die jüngste Schaffensperiode nach der Jahrtausendwende.

Referenzpunkte

Vera Grimmer, eine der Kuratorinnen, nannte diese bewusste Gliederung "einen wesentlichen Aspekt" in der Ausstellungskonzeption. "Schließlich passiert Architektur nicht losgelöst von geopolitischen, ökonomischen und historischen Zusammenhängen eines Landes", so Grimmer in einem Pressegespräch am Donnerstag.

Als zweite Konzeptgrundlage versuche man - dem Titel gemäß - sowohl "neueste Tendenzen" der jeweiligen Abschnitte herauszuarbeiten als auch auf Referenzpunkte hinzuweisen, die sich bis heute auf die Grundlagen der Moderne beziehen. Kurator Adolph Stiller betonte zudem, dass man keineswegs eine "übliche Landesschau" zusammenstellen, sondern das Interesse auf "architektonische Qualität" legen wolle.

Aus der Schaffensperiode rund um die 30er Jahre konzentriert sich die Schau vor allem auf Arbeiten aus Zagreb, das damals als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes galt. Zu sehen ist etwa ein 20 Häuser umfassendes Stadtvillenviertel (1930-1940), an deren Planung auch Mladen Kauzlaric, Stjepan Gombos und Slavko Löwy, alle Protagonisten der Zagreber Moderne, mitwirkten. Stiller erwähnte in diesem Zusammenhang die "engen Beziehungen zu Wien", wo einige Vertreter der Moderne studierten.

Während aus der Zeit der 50er bis 60er Jahre vorwiegend öffentliche Gebäude wie Schulen, Politgebäude und Krankenhäuser oder strukturalistisch geprägte Hotelkomplexe an der Adriaküste vertreten sind, verlagert sich der Fokus bei zeitgenössischer Architektur auf Gedenkstätten für die Opfer der Balkankriege. Eine der herausragendsten Arbeiten ist hierbei das Memorialmuseum Jasenovac (2006/07), in dem die Architektin Helena Paver Njiric laut Pressetext "die Individualisierung des Opfers" darzustellen versucht, indem sie ein Lichtfeld von tausenden Namen über den Ausstellungsstücken und Besuchern schweben lässt. (APA)

  • Halle 40 der Zagreber Messe (Ivo Vitić, 1958)
    foto: wiener städtische / © damir fabijanić

    Halle 40 der Zagreber Messe (Ivo Vitić, 1958)

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