Projekt "Kinder und Jugendliche gegen häusliche Gewalt" gestartet

5. Juli 2007, 18:09
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Enttabuisierung des Themas in Schulen und Jugendorganisationen - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser beteiligt

Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalt in Ehe- und Partnerbeziehungen und ist zu über 90 Prozent Gewalt von Männern gegen Frauen. In Familien sind Kinder von häuslicher Gewalt immer mitbetroffen. Das Miterleben der Misshandlung der Mutter setzt Kinder einem enormen Stress aus und kann traumatisierend wirken. Außerdem geht Gewalt gegen die Mutter sehr häufig mit Kindesmisshandlung einher.


Tübingen/Wien/Budapest - Am Donnerstag wurde der Startschuss für das jüngste Daphne-Projekt gegeben: "Kinder und Jugendliche gegen häusliche Gewalt" will in Kooperation mit Schulen und Jugendorganisationen zur Enttabuisierung des Themas beitragen. Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und sechzehn Jahren sollen gestärkt werden, damit sie sich selbst als (potenzielle) Opfer häuslicher Gewalt Hilfe suchen können. Das Projekt spricht Kinder und Jugendliche aber auch in ihrer Rolle als gleichaltrige Vertrauenspersonen für Betroffene an und wertet ihre Ideen und Vorschläge für unterstützende Maßnahmen, in die sie auch selbst eingebunden sind aus. Im Projekt kooperiert der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser mit Partnerorganisationen aus Deutschland und Ungarn.

"Kinder wenden sich mit diesen zutiefst verunsichernden und traumatisierenden Erlebnissen selten von sich aus nach Außen. Wenn sie es tun, dann sind Geschwister oder gleichaltrige FreundInnen häufig ihre ersten AnsprechpartnerInnen", betont Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser. "Mit dem Projekt wollen wir Kinder und Jugendliche stärken, indem wir sie für das Thema sensibilisieren, sie über bestehende Hilfsangebote informieren und an der Entwicklung von Unterstützungsangeboten für Betroffene beteiligen.

Unterstützungspotenziale

Innovativ am Daphne-Projekt ist, dass im Zusammenhang von häuslicher Gewalt Kinder nicht nur als Opfer und ZeugInnen, sondern auch als Vertrauenspersonen für Gleichaltrige in den Blick genommen werden. Bislang gibt es in Europa im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt noch keine Erhebung über die Rolle und die Unterstützungspotenziale von sog. "peers".

Das Projekt, initiiert und koordiniert vom paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Baden-Württemberg, wird an drei Standorten in Europa umgesetzt. Die Partnerorganisationen "Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser" in Wien, "Tima e.V" und "PfunzKerle e.V" in Tübingen und "Nane" in Budapest und Umgebung werden Präventionsworkshops mit Schulklassen und Jugendgruppen gegen häusliche Gewalt durchführen. Für LehrerInnen und MitarbeiterInnen von NGOs in Deutschland, Österreich und Ungarn werden Arbeitsmaterialien zur schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit zum Thema häusliche Gewalt entwickelt.

In allen drei Ländern werden außerdem Fachtagungen zum Thema "Kinder und häusliche Gewalt" für die Fachöffentlichkeit angeboten werden. Diese Fachtage sollen auch politische EntscheidungsträgerInnen auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene ansprechen.

Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre. (red)

Links

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser

Daphne unterstützt Aktionen von NGOs ebenso wie von Behörden in ganz Europa mit dem Ziel Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen in Europa zu bekämpfen, Opfer zu unterstützen und die Hilflosigkeit und Verletzbarkeit gegenüber Gewalt zu verringern, Erfahrung von Personen und Organisationen zusammen zu führen und neue Wege in der Forschung und bei den Aktionen zugunsten der verletzbarsten BürgerInnen Europas zu beschreiten.
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