Die Trainer sind sich ziemlich einig

20. Juli 2007, 14:36
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Red Bull Salzburg wird natürlich ganz vorne erwartet, dahinter Austria und Rapid - die große Trainer-Umfrage vor dem Saisonbeginn

Wien - Überraschung: Red Bull Salzburg wird den Titel erfolgreich verteidigen. Davon gehen jedenfalls die zehn Trainer der T-Mobile Bundesliga aus, die 36 Runden der Meisterschaft werden natürlich trotzdem gespielt. Es wird eine ziemliche Hudelei werden, am 26. April ist Schluss, damit sich das Nationalteam ausführlich auf die EURO vorbereiten kann.

"Es wird bei Weitem nicht so klar wie in der vergangenen Saison ablaufen. Ich habe auch Austria, Rapid sowie ein Überraschungsteam auf der Rechnung", meinte Giovanni Trapattoni, dem sie in Salzburg Lothar Matthäus genommen haben, was freilich kein Nachteil sein muss. Trapattoni lehnt die Favoritenrolle keinesfalls ab, er würde sich mit weniger als 19 Zählern Vorsprung begnügen. Weitere Ansichten: Peter Pacult, Rapid: "Salzburg ist der absolute Favorit." Franco Foda, Sturm: "Salzburg hat nochmals aufgerüstet und wird sicher Meister." Manfred Bender, Altach: "Salzburg." Helmut Kraft, Ried: "Über 36 Runden gesehen wird es auch diesmal ein Solo für Salzburg."

Als größte Herausforderer werden die Austria und Rapid gehandelt (auch von sich selbst), Karl Daxbacher vom Aufsteiger LASK glaubt felsenfest, "dass die Wiener ein wenig aufgeholt haben". Absteigen will logischerweise kein Team, eines muss aber. Als Ziele werden, grob zusammengefasst, "Plätze möglichst weit vorne" angegeben.

Skandale, Konkurse, Zwangsausgleiche und andere Pleiten (GAK, Sturm) sollten diesmal tunlichst vermieden werden. "Es bringt nichts, sich vorzustellen, mit Salzburg finanziell mithalten zu können", sagt Innsbruck-Trainer Lars Söndergaard. "Ich trete für mehr Realitätssinn ein." Mattersburgs Franz Lederer hofft auf ein "allgemeines Umdenken". Noch einmal Kraft: "Die Vereine müssen so geführt werden, dass die Gehälter bezahlt und die Verträge eingehalten werden können. Und es muss auf den eigenen Nachwuchs gesetzt werden." Walter Schachner, der sich um Austria Kärnten (Nachfolger von Pasching) kümmert, fällt da überhaupt nicht aus der Reihe: "Denn so etwas wie beim GAK oder bei Sturm Graz darf nie mehr passieren."

Keiner der zehn Coaches geht davon aus, dass Österreich Europameister werden wird, generell mischt man sich aber nicht in die Belange des Teamchefs Josef Hickersberger ein. Austrias Georg Zellhofer: "Es ist noch zu früh, um Prognosen anzugeben. Es steht mir nicht zu, Änderungen zu fordern. Es liegt sehr viel Eigenverantwortung bei den Spielern."

Ins Ausland

Schachner bezeichnet sich als "durchaus optimistischen Patrioten" und rät, "auf Paul Scharner und Emanuel Pogatetz" nicht zu verzichten. Trapattoni kennt sich, was das österreichische Team betrifft, "zu wenig aus. Aber mit einer vernünftigen Auslosung und der Emotion im Rücken ist das Erreichen des Viertelfinales realistisch." Und dann sagte ausgerechnet der Italiener (kein Übersetzungsfehler): "Man muss die jungen Österreicher forcieren. Und sie müssen den Sprung ins Ausland wagen." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 6. Juli 2007, APA, red)

Die Fragen im Wortlaut:

1) Wer ist Ihr Titelfavorit in der bevorstehenden T-Mobile-Bundesliga?

2) Wie lauten die Saisonziele?

3) Was sind die Folgen und Lehren nach dem Liga-Chaos der vergangenen Saison?

4) Was trauen Sie dem ÖFB-Nationalteam nach jetzigem Stand bei der EURO 2008 zu?

5) Was sollte sich im ÖFB-Nationalteam noch ändern, um in die Erfolgsspur zu gelangen?

6) Wer ist Ihr derzeitiger Titelfavorit bei der EURO 2008?

GIOVANNI TRAPATTONI (Salzburg):

1) Sicher Salzburg. Aber es wird bei weitem nicht so klar wie in der vergangenen Saison ablaufen. Ich habe auch Austria, Rapid sowie eine Überraschungsmannschaft auf der Rechnung.

2) Der Meistertitel sowie das Erreichen der Gruppenphase in der Champions League bzw. im UEFA Cup.

3) Dazu möchte ich keine Stellungnahme abgeben. Die Gründe dafür entziehen sich meiner Kenntnis.

4) Mit einer vernünftigen Auslosung und der Emotion im Rücken ist das Erreichen des Viertelfinales realistisch.

5) Es müssen die jungen Spieler forciert werden. Und die jungen Spieler müssen den Sprung ins Ausland wagen.

6) Deutschland, England und Italien.

HELMUT KRAFT (Ried):

1) Es gibt nur einen Titelfavoriten: Salzburg. Über 36 Runden gesehen wird es wieder ein Solo. Austria und Rapid werden sich besser als vergangene Saison präsentieren, aber an Salzburg kommen sie nicht heran.

2) Wir wollen neuerlich in die Europacup-Ränge vorstoßen, unser Ziel sind die Top 4. Es wird schwer, aber auch vergangene Saison hatte uns niemand auf der Rechnung.

3) Die Lehre muss sein, dass die Vereine richtig wirtschaften. Die Funktionäre müssen die Vereine so führen, dass die Gehälter bezahlt und die Verträge eingehalten werden können. Und es muss mehr auf den eigenen Nachwuchs gesetzt werden.

4) Ein Weiterkommen ins Viertelfinale wäre eine tolle, positive Überraschung. Realtistisch ist es derzeit zwar nicht, aber man hat schon oft gesehen, wie sich eine Mannschaft im Turnierverlauf steigern kann.

5) Unsere Offensive ist derzeit nicht sehr durchschlagskräftig. Deshalb wird es wichtig sein, dass Leute wie Linz oder Kuljic viel Spielpraxis sammeln. Etwa Leitgeb, der uns im offensiven Mittelfeld sehr weiterhelfen kann.

6) Abgesehen von Österreich bin ich seit mehr als 30 Jahren glühender Italien-Fan. Ich wünsche ihnen auch den EM-Titel.

FRANZ LEDERER (SV Mattersburg):

1) Salzburg ist als regierender Meister und mit den getätigten Neuverpflichtungen der absolute Topfavorit. Ich glaube aber nicht, dass es einen ähnlichen Sololauf wie im Vorjahr geben wird. Die beiden Wiener Großclubs werden sich nicht wieder so einen Durchhänger leisten, der LASK und Kärnten sind die neuen Unbekannten.

2) Wir wissen, dass es schwierig wird, die sensationell vergangene Saison zu toppen. Unser Ziel ist ein Platz zwischen 3 und 5.

3) Die Bundesliga hat klipp und klar festgelegt, was bei ähnlichen Vorfällen wie in der vergangenen Saison passiert. Wer sich jetzt nicht an die Regeln hält, dem kann man eh nicht mehr helfen. Jeder kann einmal Fehler machen, aber sie sollten sich nicht wiederholen.

4) Die nächste Runde zu erreichen wäre schon eine Sensation. Trotz Heimvorteil ist Österreich ein großer Außenseiter.

5) Das Wichtigste ist, dass alle positiv denken und nicht nach jedem Spiel von allen Seiten alles angezweifelt wird. Die Grundstimmung muss positiver werden und die Spieler müssen sich im Klaren sein, dass es für sie eine Chance fürs Leben ist.

6) Das kann man jetzt noch nicht sagen, da ja noch nicht einmal feststeht, ob sich überhaupt alle großen Nationen qualifizieren. Der internationale Fußball ist so eng geworden, Polen ist etwa in der Qualifikation im Durchmarsch, auch die Russen haben ein starkes Team, da ist es schwierig sich auf ein Team festzulegen. Deutschland ist aber sicher ein Mitfavorit.

PETER PACULT (SK Rapid Wien):

1) Red Bull Salzburg ist der große Favorit. Es wird von ihnen selbst und den anderen Vereinen abhängen, ob sie einen ähnlichen Durchmarsch wie in der vergangenen Saison schaffen. Ried hatte im Vorjahr etwa nach sechs Runden drei Punkte und ist dann noch Vizemeister geworden, weil sich die Vereine gegenseitig die Punkte weggenommen haben. Ich glaube, dass mehrere Mannschaften, wie Ried, Mattersburg, Rapid und Austria vorne mitspielen können.

2) Das Ziel bei Rapid hat sich seit 50 Jahren nicht geändert. Wir müssen aufgrund der Tradition vorne mitspielen und wollen einen internationalen Startplatz erreichen.

3) Ich hoffe, dass der Verband die Konsequenzen in Form von strengeren Auflagen gezogen hat.

4) Die EM ist eigentlich noch zu weit weg, es ist fast noch ein Jahr Zeit. Man muss schauen, wie sich unsere Spieler bis zum Turnier weiterentwickeln. Es wird viel vom ersten Spieltag abhängen. Wenn sie dort erfolgreich sind, kommt die Eigenmotivation dazu. Außerdem wird natürlich auch die Auslosung eine entscheidende Rolle spielen.

5) Wenn man den österreichischen Teamkader anschaut, sieht man noch keinen Spieler, der an seinem Leistungszenit angelangt ist. Es wird auch wichtig sein, dass die Spieler im Frühjahr eine gute Form haben und sich auch bei ihren Vereinen beweisen.

6) Es kann auch in der Qualifikation noch viel passieren, man weiß heute noch nicht, wer in einem Jahr überhaupt dabei ist. Deutschland ist aber in ihrer Qualifikationsgruppe fast schon durch und gehört sicher zum Favoritenkreis. Die sind eine echte Turniermannschaft.

WALTER SCHACHNER (SK Austria Kärnten):

1) Der Titel wird auch diesmal an Salzburg gehen. Vielleicht können sich die Wiener Klubs als Verfolger präsentieren, zu Fall werden die die Salzburger aber nicht bringen.

2) Wir haben in jeder Hinsicht bei null angefangen und wollen uns bis Winter stabilisieren. Und dann im Frühjahr spielen wir im neuen Stadion und dann geht's für uns erst so richtig los. Unser Ziel in einer Platzierung zu definieren, ist schwer, aber wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

3) Wir wollen ein Vorbild für die anderen Klubs sein. Wir geben nicht mehr aus als wir haben. Wir haben keinen großen Gönner, keinen reichen Mann im Klub und wollen ehrlichen, fleißigen Fußball zeigen. So etwas wie beim GAK oder bei Sturm darf nicht mehr passieren.

4) Ich kenne die Spieler und bin Optimist und Patriot. Ich glaube, dass wie ein sehr gutes Team haben. Wir haben so viele Legionäre wie schon lange nicht mehr. Sechs bis sieben, und mit den Engländern sogar acht bis neun. Mit ein bisschen Glück traue ich dem Team sehr viel zu.

5) Ich bin der Meinung, dass man auf zwei Spieler wie Pogatetz und Scharner nicht verzichten darf. Es ist natürlich nicht meine Angelegenheit, aber es sollte alles versucht werden. Denn hier geht es um Österreich.

6) Es ist ein bisschen früh, um zu tippen. Aber die üblichen Verdächtigen wie Deutschland, Frankreich, England oder Italien. Ich glaube nicht, dass es noch einmal ein Team wie Griechenland schaffen wird.

GEORG ZELLHOFER (FK Austria Wien):

1) Die Liga ist ausgeglichen, mit dem LASK und Kärnten sind zwei Topmannschaften dazugestoßen. Für Salzburg wird es um einiges schwieriger werden als im Vorjahr. Ich glaube nicht, dass sie den Alleingang vor Vorjahr wiederholen können.

2) Wir wollen uns im vorderen Drittel behaupten.

3) In den letzten 20 Jahren habe ich so etwas nicht erlebt. Es wird sich weisen, ob die Klubs ihre Lehren daraus gezogen haben. Aber ich hoffe, dass nun Ruhe einkehrt.

4) Man muss viele Faktoren miteinbeziehen. Ein Jahr vor dem EM ist es noch zu früh, um Prognosen abzugeben.

5) Es steht mir als Klubtrainer nicht zu, Änderungen zu fordern. Ich sehe, dass z.B. bei den Trainingsplänen viel Eigenverantwortung bei den Spielern liegt - es wird wichtig sein, dass die Teamspieler diese nutzen, bei ihren Klubs spielen, sich Stammplätze erkämpfen. Das gilt auch für jene, die bei der Austria unter Vertrag stehen.

6) Es ist noch zu früh. Man kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen treffen, wo sich noch nicht einmal eine Mannschaft qualifiziert hat.

FRANCO FODA (SK Sturm Graz):

1) Salzburg hat nochmals aufgerüstet und wird sicher Meister werden. Rapid und Austria haben sich aber auch verstärkt und werden mehr Paroli bieten als in der vergangenen Saison.

2) Aufgrund der Tatsache, dass wir elf Spieler abgegeben haben, wird es für uns nicht einfach. Unser Kader ist sehr klein. Wir wollen probieren, guten Fußball zu spielen. Wir hoffen auch, dass sich die jungen Spieler weiterentwickeln und zu Persönlichkeiten reifen. Auf einen Tabellenplatz wollen wir uns nicht festlegen, wir werden am Ende schauen, was herauskommt.

3) Das Ligachaos hat zur Folge, dass die Vereine besser wirtschaften. Es wurden Maßnahmen ergriffen und es gibt jetzt klare Regeln, an die sich jeder halten muss. Auch bei Sturm Graz mussten deshalb viele Spieler abgegeben werden.

4) Das österreichische Team kann sicher einiges bewirken. Vor allem mit den Zuschauern im Rücken ist es sicher möglich, die Vorrunde zu überstehen.

5) Es ist wichtig, die besten Spieler, egal welchen Alters, in den Kader einzuberufen. Und die Mannschaft muss sich in den Testpartien bis zur EM gut einspielen.

6) Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien oder England sollten sich, wenn sie sich auch qualifizieren und alles normal abläuft, den Titel untereinander ausmachen.

MANFRED BENDER (SCR Altach):

1) Salzburg. Sollte es bei ihnen bis zur Winterpause noch nicht wie gewünscht laufen, werden sie dann sicher nochmals nachbessern. Die zwei Wiener Vereine haben die größten Außenseiterchancen.

2) Wir wollen so viele Mannschaften hinter uns lassen wie möglich.

3) Es hat sich noch nicht viel getan. Es müssen jetzt erst einmal die Statuten geändert werden.

4) Ich würde es Österreich wünschen, dass sie weit kommen, aber ich glaube nicht daran.

5) Es wird Zeit, dass sich das gesamte Land hinter die Nationalmannschaft stellt, wie es etwa auch in Deutschland bei der WM 2006 der Fall war. Es muss eine positive Stimmung erzeugt werden, von den Fans genauso wie von den Medien.

6) Deutschland gehört sicher zu den Favoriten. Mit den "Klassikern" wie Italien oder den Niederlanden muss man natürlich auch rechnen.

LARS SÖNDERGAARD (Wacker Innsbruck):

1) Salzburg ist auch diesmal haushoher Titelfavorit.

2) Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und im Mittelfeld mitspielen. Man muss aber seine Ziele immer wieder neu definieren.

3) Ich weiß nicht, ob alle etwas dazu gelernt haben. Ich weiß aber, dass Wacker aus dem Tirol-Crash vor einigen Jahren sehr viel gelernt hat. Hier wurde eine Neuanfang mit viel Herz und Leidenschaft gemacht. Es bringt nichts, sich vorzustellen, mit Salzburg finanziell mithalten zu können.

4) Um die gesteckten Ziele zu erreichen, braucht Österreich viel Euphorie.

5) Man muss versuchen, in Österreich eine wahre Euphorie aufzubringen. Damit ganz Österreich die Mannschaft total unterstützt.

6) Das ist jetzt unmöglich zu sagen, das wird sich erst im Laufe des Turniers zeigen. Aber ich schätze Frankreich und Deutschland sehr stark ein. Italien wird nicht noch einen Titel holen.

KARL DAXBACHER (LASK Linz):

1) Natürlich Salzburg. Ich glaube aber nicht, dass sie mit so einem großen Vorsprung wie im Vorjahr Meister werden, die Wiener Clubs Rapid und Austria haben sicher aufgeholt.

2) In erster Linie natürlich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ein Mittelfeldplatz an der 5. oder 6. Position wäre schön, wir wollen nicht unter Druck geraten.

3) Der LASK hat sicher seine Lehren gezogen, für andere Clubs kann ich nicht sprechen. Es wäre wünschenswert, dass man aus den Fehlern gelernt hat, weil es die Glaubwürdigkeit der Liga verbessern würde.

4) Man kann das Beispiel Deutschland strapazieren, das auch ein Jahr vor der WM nicht die besten Leistungen geboten hat - wenn auch auf höherem Niveau. Der eingeschlagene Weg ist der richtige, man muss einfach testen und versuchen, die beste Mannschaft zusammenzustellen. Es wird auch darauf ankommen, ob sich die Legionäre Stammplätze erkämpfen. Josef Hickersberger macht es richtig.

5) Ich sehe viele Anstrengungen, es wird alles versucht. Die Auswahl an Spielern ist nicht groß, es stehen vielleicht 50 zur Auswahl, daraus 20 herauszusuchen, ist nicht einfach.

6) Mit Italien ist immer zu rechnen, bei Frankreich wird man sehen, wie sich der Generationswechsel auswirkt. Auch Deutschland steht als Turniermannschaft natürlich im Favoritenkreis.

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    Nicht nur Giovanni Trappatoni sieht Salzburg vorne.

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