Abkehr vom höfischen Glanz

8. Juli 2007, 09:00
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Elisabeth von Thüringen, eine "Aussteigerin" des Mittelalters: Porträt zum 800. Geburtstag einer auch für die heutige Zeit eindrucksvollen Frau

Marburg/Eisenach/Wien - Sie war radikal, mutig und provozierte ihre Landsleute. Heute ist sie eine der faszinierendsten Frauen der europäischen Geschichte - und eine Heilige. Vor 800 Jahren - am 7. Juli 1207 - wurde Elisabeth von Thüringen als ungarische Königstochter geboren. Sie wuchs auf der Wartburg auf, verließ dann aber das höfische Leben und widmete sich im mittelalterlichen Marburg ganz der Pflege von Kranken und Armen. Im Alter von nur 24 Jahren starb Elisabeth von Thüringen im November 1231, bereits vier Jahre später wurde sie heiliggesprochen.

Schritt ins ewige Leben

Eigentlich ist Elisabeths genaues Geburtsdatum gar nicht bekannt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sie zwischen Juli und November 1207 zur Welt gekommen sein muss - ein Rückschluss aus einer Korrespondenz zwischen dem Papst und ihren Eltern anlässlich zur Geburt Elisabeths älterem Bruder sowie Predigten aus der Zeit. Elisabeths Todestag, der 17. November 1231, dagegen sei sehr gut belegt.

Als Kind verheiratet

Elisabeth wurde als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und Gertrud von Andechs-Meranien geboren. Mit vier Jahren wurde sie auf die Wartburg nach Thüringen gebracht, wo sie mit ihrem zukünftigen Ehemann gemeinsam aufwuchs. 1221 wurden die damals 14-jährige Elisabeth und der Landgrafensohn Ludwig IV. vermählt, nachdem dessen älterer Bruder Hermann, der eigentlich als Gemahl für Elisabeth vorgesehen war, gestorben war. Elisabeth und Ludwig IV. hatten drei Kinder.

"Unschickliches" Verhalten

Die Königstochter kam früh mit den Ideen des Heiligen Franz von Assisi in Kontakt, der in der Nachfolge Jesu streng in Armut lebte. Als Thüringen von Missernten heimgesucht wurde, brachte Elisabeth Lebensmittel aus der Wartburg zu Hilfsbedürftigen und pflegte Kranke. Ihr für die Gattin eines Landgrafen unschickliches Verhalten missfiel ihren Verwandten. Als Ludwig IV. bei einem Kreuzzug 1227 starb, wurde Elisabeth von der Wartburg vertrieben. Sie entsagte allem weltlichen Wohlstand und zog nach Marburg, wo sie sich ganz der Pflege von Armen und Kranken in einem von ihr gegründeten Hospital widmete. Sie starb nach Jahren aufopfernder Pflege. 1588 wurde ein Teil ihrer Gebeine - darunter der Schädel der Heiligen - in das Klarissenkloster nach Wien transferiert. 1782, nach der Auflösung des Klarissenklöster in Österreich durch Kaiser Joseph II., wurden das Haupt Elisabeths und einige weitere Reliquien dem Krankenpflegeorden der Elisabethinen übergeben. Diese Reliquien werden seitdem im Kloster des Ordens in Wien-Landstraße aufbewahrt und verehrt.

Rede vom Wunder

Nach Elisabeths Tod entstand ein regelrechter Kult um sie. Bekannt ist vor allem die Erzählung vom Rosen-Wunder: Als Elisabeth wieder einmal verbotenerweise Brot zu Armen und Kranken schmuggeln wollte, wurde sie am Fuß der Wartburg kontrolliert. Doch das Brot in ihrem Korb verwandelte sich in Rosen, Elisabeth konnte nicht bestraft werden.

Bedingungslose Hinwendung

Nach Einschätzung der Marburger Mittelalter-Historikerin Ursula Braasch-Schwersmann ist Elisabeth eine auch für die heutige Zeit eindrucksvolle Frau gewesen. "Sie war radikal, selbstbewusst und dennoch in sich zerrissen. Sie war in ihrer Abkehr vom höfischen Glanz und ihrer bedingungslosen Hinwendung zu den untersten Bevölkerungsgruppen das, was wir heute eine Aussteigerin nennen", sagte Braasch-Schwersmann, die beim Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg tätig ist. "Ihr mutiges Verhalten hat vielen Menschen Respekt abgenötigt, ihre Frömmigkeit und ihr Verständnis von christlicher Lebensführung machen auch heute noch ihre Faszination aus." (APA)

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    Radikal, selbstbewusst und dennoch in sich zerrissen: Elisabeth von Thüringen
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