Das "Kons" entdämonisiert die Genies

5. Juli 2007, 18:34
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"Künstlerisches Basisstudium": Privatuniversität setzt Hochbegabten- Förderung im eigenen Haus fort

Wien - "Talente, die sich nicht entfalten können, werden zu Dämonen", betont Ranko Markoviæ, künstlerischer Leiter der Privatuniversität Konservatorium Wien. Deshalb will er nach dem Ende des Pilotprojektes "Junge Akademie" die Förderung hochbegabter junger Musiker im eigenen Haus fortsetzen, erläutert Markoviæ im Standard-Gespräch.

Die "Junge Akademie", ein Kooperationsprojekt mehrerer Musikausbildungsinstitutionen, lief zwei Jahre und bot hochbegabten Jugendlichen eine gezielte Förderung, aber auch eine soziale Ansprache unter "ihresgleichen". "Das war ein hervorragender Versuch, einmal festzustellen und einzuordnen, was wir für ein Hochbegabtenpotenzial in der Stadt haben", bilanziert nun der Konservatoriumschef. "Das wichtigste Ziel wurde erreicht: etwas daraus zu lernen."

Jetzt habe man sich aber "städtischerseits entschlossen, die Akademie und die eigenen Erfahrungen zusammenzuführen und das ,Künstlerische Basisstudium Wien' zu gründen." Die Mittel für die Hochbegabtenförderung würden daher "nicht abgezogen. Im Gegenteil: Wir stellen nun auch zusätzlich unsere Infrastruktur zur Verfügung."

Wichtig ist Markoviæ dabei, "die Hochbegabten zu entdämonisieren - es ist ja nicht unbedingt so, dass man sie therapieren müsste". Obwohl gleichzeitig klar sei, dass sie "Verständnis brauchen, vor allem untereinander. Das größte Problem dieser Kinder und Jugendlichen ist, dass sie eine Minderheit sind - daher ist es das Allerwichtigste, dass man diese Hochbegabten zusammenbringt, damit sie sich gegenseitig stärken."

Start ist im Oktober mit einer Audition, zu der 14- bis 17-Jährige eingeladen werden - allerdings nur Musikschüler und Teilnehmer der Vorbereitungsklassen im Konservatorium. "Das ist natürlich eine gewisse Exklusivität", räumt Markoviæ ein. Dass es künftig zwei parallele Strukturen geben wird - da gleichzeitig die Musikuniversität eine Hochbegabtenförderung etablieren will -, sei "eine politische Entscheidung. Zwei Strukturen haben aber einen Vorteil: Man kann wählen, was einem mehr entspricht."

Mitte Oktober beginnt die eigentliche Arbeit; angeboten werden vier Stunden pro Woche, "mehr ist nicht zumutbar, da die Jugendlichen ja auch die Schule und Instrumental-einzelunterricht besuchen."

Der wichtigste Schwerpunkt beim "Basisstudium" wird die Kammermusik sein, dazu kommen "die Ausbildung der Hörvorstellung", die rhythmische Entwicklung und die Körperarbeit. Letzteres werde allerdings weniger "haltungstherapeutisch" verstanden, sondern solle eher in Zusammenarbeit mit der Tanzabteilung des Hauses entwickelt werden. Besonders wichtig sei auch, "dass die Jugendlichen oft auftreten können, vielleicht einmal pro Monat, aber in einer möglichst unbelasteten Form".

Das Förderungsprogramm der Privatuniversität ist dem der "Jungen Akademie" also recht ähnlich - und dass deren Geist innerhalb des "Kons" fortgesetzt werden soll, belegt vor allem ein Indiz: Das Basisstudium Wien soll Lior Kretzer leiten - und der war auch einer der beiden Verantwortlichen der "Jungen Akademie". (Roman David-Freihsl/DER STANDARD Printausgabe, 5. Juli 2007)

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    Das Problem von Talenten: Sie sind eine Minderheit.

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