Schwere Feuergefechte bei der Roten Moschee

6. Juli 2007, 18:17
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Soldaten sprengten Löcher in Wand - CNN: Besetzer schossen Studenten in den Rücken, als diese fliehen wollten

Islamabad - Die belagerte Rote Moschee in der pakistanischen Stadt Islamabad ist am Freitag von zwei heftigen Explosionen erschüttert worden. Zugleich waren Schüsse zu hören.

Aus dem Gebäude stieg demnach Rauch auf. Gepanzerte Truppentransporter und Soldaten rückten in Richtung der Moschee vor. CNN berichtet unter Berufung auf pakistanische Sicherheitskreise, die Besetzer hätten das Feuer auf Studenten eröffnet, die aus dem Gebäude fliehen wollten. Dabei seien zwei Menschen getötet worden.

Ein Militärsprecher sagte dem Nachrichtensender Aaj, Soldaten hätten die Detonationen herbeigeführt. Ziel der kontrollierten Sprengungen sei gewesen, eine Öffnung in das Gebäude der Koranschule zu sprengen . Damit sollte jungen Frauen sollte die Flucht vor den Extremisten ermöglicht werden, von denen sie in der Moschee festgehalten werden.

Am Freitagabend kam es nach kurzer Ruhe wieder zu schweren Feuergefechten zwischen Sicherheitskräften und den Koranschülern in der Roten Moschee.

Keine bedingungslose Kapitulation

Die in der Moschee verschanzten Koranschüler haben die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation am Freitag erneut zurückgewiesen. "Wir werden das Märtyrertum akzeptieren, wir werden nicht aufgeben", sagte der stellvertretende Leiter der Koranschulen, Abdul Rashid Ghazi, dem Sender Geo TV per Telefon aus dem umstellten Komplex in der pakistanischen Hauptstadt. Die pakistanischen Streitkräfte setzten die Belagerung des sunnitischen Gotteshauses den dritten Tag in Folge fort.

Ghazi wies gegenüber dem Sender GEO Vorwürfe der Regierung zurück, er habe mehrere junge Koranschülerinnen als Geiseln genommen. Der Bruder des führenden Geistlichen Maulana Abdul Aziz hat sich dem Informationsministerium zufolge mit 20 Frauen in einem Keller der Moschee verschanzt.

Koranschüler verlangen freies Geleit

Aziz war am Mittwoch als Frau verkleidet aus der Moschee geflüchtet und festgenommen worden. Am Donnerstagabend hatte Ghazi erklärt, er und seine Anhänger würden ihre Waffen unter der Bedingung niederlegen, dass sie nicht festgenommen würden. Die Regierung lehnte das Angebot ab und forderte erneut eine bedingungslose Kapitulation.

Am Freitag kam es daraufhin erneut zu schweren Kämpfen bei der Roten Moschee. Sicherheitskräfte beschossen den Koranschulen-Komplex mit Maschinengewehren und Mörsern, um den Druck auf die Fanatiker zu erhöhen. Nach Angaben der Moschee-Leitung kamen bei dem Mörserbeschuss mindestens 30 Koranschülerinnen ums Leben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Koranschüler schossen von den Dächern des Komplexes auf die Sicherheitskräfte.

Verhandlungen laufen

Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Ejaz ul-Haq, erklärte am Freitag, Extremisten hätten die Kontrolle über die Rote Moschee übernommen. Sie würden Ghazi lediglich als Kontaktmann für die Medien nutzen. Es gebe weiterhin Verhandlungen, und Geistliche versuchten, Ghazi zum Aufgeben zu bewegen.

Die Behörden haben bisher 19 Todesopfer bei den Kämpfen bestätigt. Augenzeugen und unabhängige Beobachter sprechen dagegen von Dutzenden Toten.

Selbstmordanschlag

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi im Nordwesten Pakistans sind am Freitag vier Soldaten mit in den Tod gerissen worden. Nach Polizei- und Behördenangaben rammte der Attentäter den Konvoi auf der Straße zwischen Dir und dem Bergdorf Swat. Der Ort gilt als Hochburg der verbotenen Extremistengruppe Tehrik Nifaz-e-Shariat-e-Mohammadi, die Verbindungen zu den geistlichen Führern der Roten Moschee haben soll.

Ein radikal-islamischer Radiosender der Region hatte zuvor aus Protest gegen die Kämpfe um die Moschee zum Heiligen Krieg gegen Mitarbeiter der Regierung aufgerufen. In derselben Region waren bereits am Mittwoch ein Polizist und vier Zivilisten bei einem Anschlag umgekommen. (APA/AP/dpa)

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    Die pakistanische Armee hat die Moschee umstellt.

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    Soldaten errichten Freitag früh Barrikaden rund um die Rote Moschee.

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    Dieses Bilder des Geistlichen Maulana Abdul Aziz, der in Frauenkleidern zu fliehen versuchte, wurde im pakistanischen Fernsehen gezeigt.

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