Stimmen: "Geld und Macht..."

26. Juli 2007, 14:05
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Leo Wallner (IOC-Mitglied und ÖOC-Präsident): "Wir sind sehr enttäuscht. Es war eine einzigartige Präsentation. Ich bin stolz auf mein Team. Es war eine Richtungsentscheidung. Das IOC will lieber etwas Neues."

Heinz Jungwirth (ÖOC-Generalsekretär): "Ich bin sehr enttäuscht. Nicht nur, weil wir uns sehr bemüht haben. Offensichtlich waren wieder Leute im Spiel, die vom Wintersport keine Ahnung haben. Man sollte sich überlegen, was man möchte. Wenn man weiß, was alles hinter der Bühne läuft, sind wir stolz, dass wir das nicht brauchen. Da scheiden wir lieber in Ruhe aus. Das war sicherlich eine Bewerbung des Geldes."

Gernot Leitner (Geschäftsführer der Salzburg-Bewerbung): "Man kann es nur nüchtern sehen. Wir wussten, dass es eine Entscheidung wird zwischen olympischen Werten sowie der Atmosphäre und den großen Entwicklungs-Märkten. Wir sind zwischen zwei Großmächten zerquetscht worden. Das ist wie befürchtet eine Richtungsentscheidung. Das war ein relativ klares Signal für zukünftige Bewerbungskonzepte. Es wird nur noch in die andere Richtung gehen, wo es bei Olympia als große Plattform geht und die Spiele nicht mehr in sichere, gewachsene Umgebungen kommen.

Die Vergabe der Spiele entscheidet sich in den letzten sechs Wochen, da haben wir so gut wie keine Fehler gemacht. Die Bewerbung war gut positioniert und präsentiert. Das jetzt ist sehr ernüchternd."

Felix Gottwald (Salzburger Olympia-Botschafter): "Eine Riesen-Enttäuschung. Salzburg hatte ein Kartenhaus mit Werten aufgebaut, die zählen sollten. Das ist in einer Sekunde zusammengefallen. Die Präsentation war eine tolle Werbung, das ist das einzig Positive. Spiele wie Lillehammer 1994 sind nun in weite Ferne gerückt. Wir werden uns künftig nun wohl Retortenspielen hingeben müssen."

Georg Hackl (Dreifacher Rodel-Olympiasieger und Salzburger Olympia-Botschafter): "Es war ein Tag der Weichenstellung. Da blutet mir als Athlet das Herz."

Trixi Schuba (Eiskunstlauf-Olympiasiegerin): "Ich weiß nicht, was der Grund für das erneute, frühe Ausscheiden war. Die Doping-Affäre dürfte aber keine Rolle gespielt haben. Positiv ist, dass wir wieder international präsent gewesen sind. Österreich ist in aller Munde. Die Werbung für Österreich war grandios. Ich hoffe, es wird irgendwann beim IOC wieder einmal ein Umdenken stattfinden. Derzeit ist es so, dass Geld die Welt regiert. Vielleicht kommt das IOC irgendwann wieder auf die Grundidee der Spiele zurück."

Alfred Gusenbauer: (Bundeskanzler) "Es war eine tolle Werbung für Österreich. Es stellt sich aber die Frage, ob alle IOC-Mitglieder mit gutem Gewissen entschieden haben. Wenn nur mehr große Länder für solche Bewerbe in Frage kommen, wird der olympischen Bewegung sehr viel genommen. Diese Entwicklung ist für die olympische Bewegung riskant. Salzburg war die beste Bewerbung.

Es war eine strategische Entscheidung. Im Unterschied zu Olympischen Spielen, bei denen es Gold, Silber und Bronze gibt, gibt es hier nur Gold. Wir haben uns gut präsentiert und sind in Schönheit gestorben."

Gabi Burgstaller (SalzburgerLandeshauptfrau): "Ich bin sehr enttäuscht. Es war im Team eine so gute Stimmung und nach der Präsentation gab es echte Hoffnung. Es stellt sich nun die Frage: Haben wir das verdient? Unsere Hoffnung war die zweite Runde. Ich kann es mir nicht erklären, denn es gab von den IOC-Mitgliedern viele Komplimente und die Zusage, sie werden uns unterstützen. Die Diskussion über Geld und Macht im IOC kam zu spät. Die Enttäuschung ist sehr groß. Über die Zukunft muss man zunächst aber nachdenken."

Heinz Schaden (Salzburger Bürgermeister): "Wir haben unser Bestes gegeben. Österreich und Salzburg haben gegeben, was sie haben. Aber es waren andere Parameter entscheidend. Das muss man zur Kenntnis nehmen. Wir werden in unserem Kreis nachdenken, wie das zu Stande gekommen ist. Aber es ist ein deutliches Signal. Die Kriterien des IOC sind andere als die, die wir haben, wie Expertise, Leidenschaft und Wiege des Wintersports. Vermutlich wird die Chance für kleine Länder, bei Olympia mitzuwirken, verschwindend gering."

Reinhold Lopatka: (Sport-Staatssekretär) "Letztendlich hat nicht das sportliche Angebot, sondern wieder einmal das finanzielle Interesse den Ausschlag gegeben. Die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) haben sich entschieden, nicht dem Wintersport und der olympischen Idee, sondern Geld und Macht den Vorrang zu geben."

Franz Klammer ("Chairman International" der Salzburger Bewerbung): "Das IOC hat sich entschieden, neue Märkte zu erschließen - Russland mit einem Skigebiet, das Zukunft hat, aber wo noch nichts dort ist. Alles, was Tradition und Werte hat, hatte keine Bedeutung. Wir haben die Beste Bewerbung abgegeben, aber die Entscheidung ist in eine andere Richtung gegangen. Gratulation an Sotschi - die haben viel Arbeit vor sich."

Österreichs Skilegende Toni Sailer: "Ich sehe es als kleine Katastrophe. Geld regiert die Welt. Korea, das vor vier Jahren nur knapp im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verpasst hat, ist zu klein, nicht mächtig genug. Ich bin überzeugt, dass Sotschi gute Spiele macht, aber von der Wahl her ist es eine Katastrophe. Wenn ich wenige Tage vor der Vergabe lese, dass Gazprom IOC-Sponsor wird, dann gibt mir das zu denken."

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