Salzburg sieht zu, Sotschi spielt

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  • Ein Bild des Jammers: Gusenbauer, Schaden, Burgstaller.
    foto: apa/techt

    Ein Bild des Jammers: Gusenbauer, Schaden, Burgstaller.

Salzburg blieb schon im ersten Wahlgang auf der Strecke, es war das dritte Scheitern, ein vierter Anlauf gilt als unwahrscheinlich

Guatemala-Stadt - Die XXII. Olympischen Winterspiele werden 2014 in Sotschi stattfinden. Die Delegierten stimmten bei der Generalversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwochabend in Guatemala-Stadt in der Stichwahl mehrheitlich für den russischen Kandidaten, der sich zum ersten Mal beworben hatte. Die als Favorit gehandelte Bewerbung des südkoreanischen Pyeongchang musste sich geschlagen geben. Salzburg war schon im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Acht Milliarden werden investiert

Sotschi galt in den vergangenen Wochen bei den Buchmachern zwar als Außenseiter, wurde aber wiederholt auch als Geheimfavorit genannt. Russlands Präsident Wladimir Putin, der an der abschließenden Präsentation in Guatemala mitwirkte, will die Schwarzmeer-Stadt zu einem ganzjährigen Sportzentrum entwickeln. Staat und Privatwirtschaft pumpen daher fast 8,8 Milliarden Euro in die Infrastruktur der Region. Für die Winterspiele müssen nun noch alle Sportstätten errichtet werden.

Entscheidung kurz nach ein Uhr

Der Gewinner wurde von IOC-Präsident Jacques Rogge in der Nacht auf Donnerstag kurz nach ein Uhr früh bekannt gegeben. Salzburg konnte im ersten Wahlgang nur 25 Stimmen auf sich vereinigen. In der Stichwahl setzte sich Sotschi mit 51:47 gegen Pyeongchang durch. Im ersten Wahlgang hatten die Südkoreaner noch mit 36:34 Stimmen knapp die Nase vorne gehabt.

97 von 106 im Gran Salon des Hotels Camino Real anwesenden IOC-Mitgliedern waren im ersten Wahlgang stimmberechtigt, Mitglieder aus den Bewerberländern mussten untätig bleiben.

Drittes Scheitern

Die Salzburger sind zum dritten Mal leer ausgegangen. In einer innerösterreichischen Qualifikation hatte man im Rennen um die Spiele 2006 gegen Kärnten den kürzeren gezogen, bei der Wahl für 2010 gegen Vancouver und Pyeongchan) nichts zu melden. Die Spitzen der Delegation – Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Bürgermeister Heinz Schaden und ÖOC-Chef Leo Wallner – konnten ihre Enttäuschung kaum verhehlen.

"Keine Bewerbung, sondern eine Auktion"

Schon vor der Vergabe hatte Gusenbauer von einer "fundamentalen Entscheidung" gesprochen. IOC-Mitglieder hätten ihm gesagt, sie hätten den Eindruck, "dass dies keine Bewerbung, sondern eine Auktion sei". Im Gegensatz zu beiden Kontrahenten hätte Salzburg die meisten Wettkampfstätten nicht neu bauen müssen. Gusenbauer: "Die Welt benötigt nicht noch mehr olympische Ruinen."

Der Mangel der "sehr engen Kalkulation"

Über eine neuerliche Bewerbung um Winterspiele wollte in den ersten Stellungnahmen niemand etwas sagen, tendenziell konnte man aber heraushören, dass dies wohl kein Thema mehr sein dürfte. ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth etwa meinte: "Man muss das erst analysieren. Aber es stellt sich die Frage, ob das dann nicht eine Schuhnummer zu groß ist."

Salzburg hatte Mühe gehabt, überhaupt seinen Spar-Etat mit Investitionen von 2,1 Milliarden US-Dollar aufzustellen. Südkorea gab mehr als sieben Milliarden an, Sotschi fast neun Milliarden. Der IOC-Prüfbericht bemängelte bei Salzburg die "sehr enge Kalkulation". In der Süddeutschen Zeitung wurde Salzburg als "letzter Mohikaner einer anderen Zeit" bezeichnet, vergebliche Unterstützung kam am Ende noch vom mächtigen US-TV-Sender NBC. Die Fernsehverträge für 2014 und 2016 wurden noch nicht fixiert, und im Falle eines Votums für Sotschi oder Pyeongchang drohte NBC mit einem Abzug von 500 Millionen Dollar vom geplanten Preis. Wovon sich die hohen Olympier am Ende auch nicht beeindrucken ließen.

Noch am Tag der Vergabe hatte der Norweger Gerhard Heiberg seine Korruptionsvorwürfe revidiert. Er sei falsch zitiert worden, erklärte das Mitglied des IOC-Exekutivkomitees nach der Eröffnungsfeier der 119. Vollversammlung. "Ich habe nicht von Korruption gesprochen, sondern nur gesagt, dass zu viel Geld im Spiel ist und ausgegeben wird." Heiberg war vom norwegischen Rundfunk NRK mit den Worten zitiert worden, es habe seitens der Bewerberstädte Salzburg, Sotschi und Pyeongchang Bestechung und Korruption, Geschenke und Einladungen gegeben.

Putins Faux-Pas

Tatsächlich hatte die IOC-Ethik-Kommission selbst Russlands Präsidenten Wladimir Putin ermahnt. Der Kreml-Chef hatte Funktionäre in eine Villa bestellen wollen, freilich sind Gespräche mit IOC-Mitgliedern nur im IOC-Hotel erlaubt. Sotschi erhoffte sich von Putin ähnliche Unterstützung, wie sie der britische Ex-Premier Tony Blair bei der Vergabe der Sommerspiele 2012 an London gebracht haben soll. (APA, sid, fri, DER STANDARD Printausgabe 5. Juli 2007)

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