Zeitfenster mit Ausblick

5. Juli 2007, 17:00
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Aus Österreich zeigten in dieser Männermode-Saison nur Petar Petrov und Ute Ploier auf den Laufstegen von Paris

Es geht um den richtigen Slot. Dieser entscheidet über das Wohl der Designer, darüber wie viele Besucher und vor allem welche ihre Modeschauen verfolgen werden. Slot, auf deutsch Zeitfenster, ist eines der Zauberworte während jeder Modewoche. Dries van Noten war mit seinem in diesem Jahr nicht zufrieden. Er zog es vor, mit seiner Schau nach Mailand zu übersiedeln.

Petar Petrov erging es besser: Der in Wien lebende Designer aus Bulgarien zeigte Freitag, 18 Uhr. Eine ideale Zeit. Wobei: Eine Stunde vor ihm war Louis Vuitton angesetzt. Dafür musste man an den Stadtrand von Paris, in ein Tenniszentrum. Danach war der Einstand des neuen Ungaro-Designers Franck Boclet. Da lockte die Abkürzung von Vuitton direkt zu Ungaro - auch wenn die Petrov-Schau gleich nebenan war.

Musée Galliera im noblen 16. Arrondissement. Im schönen Patio ist eine einzige lange Stuhlreihe aufgebaut, wer keinen Platz kriegt, drückt sich an eine der Säulen. Das sind gar nicht so wenige. Petrov hat sich in Paris in den vergangenen Saisonen einen Namen gemacht, seine Kombinationen aus grober Straßenmode und gewitzten Details sind in den wichtigen Magazinen zu sehen.

Zirkel und Geodreieck

Gegensätze auch diesmal wieder: Nylon und Lack treffen auf Jeansstoffe und weiches Jersey. Als ob er mit Zirkel und Geodreieck arbeitete, hat Petrov seine Kollektion nach geometrischen Prinzipien aufgebaut. Zweifärbige Hosen, Blousons mit Einsätzen, Muskelshorts mit zwei Zippern vorne. Manche Shirts haben Aufdrucke mit Atompilzen drauf. Die Farbpalette ist überschaubar, strahlendes Weiß neben Grau, hellem Jeansblau, Hautfarben und Schwarz. Die Perforierungen an den Knie- und Armpartien betonen den starken körperlichen Zug der Kollektion. Trotz ihres zarten Alters sind hier harte Jungs zugange.

Mädels sind auch wieder einige dabei: Sie tragen diesmal Taschen. Petrov arbeitet sich an Damenmode und Accessoires heran, in der nächsten Saison soll es eine eigene Frauenlinie geben. Hier hat einer den Mut und die Kraft zu wachsen.

Ute Ploier, die zweite Designerin aus Österreich auf dem Laufsteg (Wendy & Jim pausieren), ist eine Stunde nach Ungaro dran. Der Tross muss in das 3. Arrondissement, in den Espace Commines. Es ist die elfte Show an diesem Tag. Da der Kalender um einen Tag gekürzt wurde, ist das Programm noch gedrängter. Und die Besucher noch erschöpfter.

Ploier zeigt eine kurze, kompakte Show: Klare Linien auch hier. Basics wie Jeans, einfache T-Shirts, gerade geschnittene Jacken dominieren. Dazu einige Bermudas, Kapuzenjacken aus Nylon, Lederblousons. Das Muster eines Netzgitters zieht sich motivisch durch die in Weiß, Anthrazit, blassem Blau und Schwarz gehaltene Kollektion. Die Jungs sind so jung wie bei kaum einer Show in Paris, übertrieben jung. Eine Auseinandersetzung mit Zeit wäre ihre Kollektion, meint Ploier nach der Show. Das klingt vage, man hätte sich einen beherzteren Zugriff gewünscht.

Auf Ploier folgt an diesem Tag nur noch eine Schau. Kenzo um neun. Zwölf Slots an einem Tag. Viel mehr ist schlichtweg nicht möglich. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/06/07/2007)

  • Aus der Kollektion von Ute Ploier
    foto: ute ploier

    Aus der Kollektion von Ute Ploier

  • Entwurf von Petar Petrov
    foto: petar petrov

    Entwurf von Petar Petrov

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