Stoiber-Solo sorgt für Irritationen

26. Juli 2007, 14:05
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Im Falle eines Scheiterns der Salzburger würde München mit einer Bewerbung für 2018 einspringen

Guatemala-Stadt - Ein olympischer Alleingang von Edmund Stoiber hat wenige Stunden vor Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 in Guatemala-Stadt für Aufregung gesorgt. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Guatemala-Stadt bestätigte, hat sich der scheidende bayerische Ministerpräsident in einem Schreiben an IOC-Präsident Jacques Rogge für eine Bewerbung Münchens um Winterspiele 2018 eingesetzt. Dies widerspricht aber der olympischen Regelung, wonach nur der Sport selbst für Bewerbungsangelegenheiten zuständig ist.

Die 119. IOC-Vollversammlung entschied in der Nacht zum Donnerstag in Guatemala-Stadt, ob die Winterspiele in Pyeongchang (Südkorea), Sotschi (Russland) oder Salzburg (Österreich) ausgetragen werden. Bei einer Niederlage von Salzburg in diesem olympischen Dreikampf laufen die Pläne des deutschen olympischen Sports auf eine Münchner Kandidatur für die Winterspiele 2018 hinaus. In Kenntnis dieser Konstellation ist der werbende Brief von Stoiber an Rogge zu sehen, dessen Eingang IOC-Mediendirektorin Giselle Davies am Dienstag in Guatemala-Stadt bestätigte.

Zu den Überraschten des bereits Anfang des Jahres in der IOC-Zentrale in Lausanne eingegangenen Schreibens zählte Thomas Bach, der von Stoiber umgangene Vizepräsident des IOC und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Ich habe Herrn Stoiber daraufhin einen Brief geschrieben und gesagt, dass dies nicht der richtige Weg ist und eine Bewerbung nur über den DOSB zusammen mit einer Stadt laufen kann", sagte Bach der dpa.

Auch DOSB-Präsidiumsmitglied Walther Tröger zeigte sich über Stoibers Vorgehensweise höchst erstaunt. "Wir halten das für den falschen Zug. Auf der nächsten DOSB-Präsidiumssitzung werden wir uns über eine deutsche Bewerbung unterhalten", sagte der 78 Jahre alte Tröger, der wie Bach bei der Vergabe der Winterspiele 2014 nicht mit abstimmen durfte. Negative Folgen durch Stoibers Vorpreschen befürchten beide nicht.

Ein Sprecher der Bayerischen Staatskanzlei verteidigte den Stoiber-Brief. Der Ministerpräsident habe im Jänner auf Bitten eines Landrates und des CSU-Landesgruppenchefs Peter Ramsauer einen Brief an das IOC geschrieben. Darin habe er sich für Salzburg und das Berchtesgadener Land als Olympia-Austragungsort stark gemacht. Zugleich habe er darauf hingewiesen, dass er auch München für eine spätere Olympia-Bewerbung ins Auge fasse. Hintergrund sei, dass die Wintersportorte in Bayern sowohl von einer Bewerbung Salzburgs als auch Münchens profitieren würden.

Der im September als Ministerpräsident zurücktretende CSU-Politiker sieht offenbar in einer erfolgreichen Bewerbung Münchens, das 1972 bereits die Sommerspiele ausgetragen hat, eine Art Vermächtnis. Stoiber befindet sich dabei in einer großen Koalition mit Christian Uhde (SPD). Münchens Bürgermeister hatte beim deutschen NOK vergeblich versucht, seine Stadt bereits für die Winterspiele 2014 ins olympische Rennen zu schicken.

Das DOSB-Präsidium will bei seiner nächsten Sitzung am 24. Juli sein weiteres Vorgehen festlegen. Eine Bewerbung für die Sommerspiele 2016 kommt nicht in Frage, nachdem sich vor einigen Wochen eine DOSB- Versammlung aus international tätigen deutschen Spitzenfunktionären gegen eine solche Kandidatur ausgesprochen hatte.

Somit geht es um die Alternativen Winterspiele München 2018, Sommerspiele 2020 Berlin oder Hamburg oder eine Doppelbewerbung für Winter- und Sommerspiele. Dafür setzt sich Tröger ein: "Wir sollten uns parallel für Winter- und Sommerspiele bewerben. Jede Bewerbung bringt positive Entwicklungen mit sich, allein schon für die Infrastruktur." (APA/dpa)

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