Sanierungsfall: Wirbel um Klagenfurter Fernheizwerk

8. Juli 2007, 20:36
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Nach Klimarichtlinie muss das 50 Jahre alte Heizwerk bis Oktober 2007 totalsaniert oder stillgelegt werden

Ein neuer Heizkessel für das Klagenfurter Fernheizwerk wurde nie installiert. Die Grünen rufen nach dem Staatsanwalt, die Stadtwerke wollen ein neues Gas-Dampf-Kraftwerk bauen - Von Elisabeth Steiner

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Klagenfurt – Erneuter Wirbel um das 50 Jahre alte Klagenfurter Fernheizwerk. Es muss laut Klimarichtlinie bis Oktober 2007 totalsaniert oder stillgelegt werden. Ersteres fordern Grüne und Bürgerinitiativen. Die Klagenfurter Stadtwerke AG, an der auch der Verbund mit 49 Prozent beteiligt ist, will aber ein neues hochmodernes Gas-Dampf-Kraftwerk (GDK) am Stadtrand bauen. Dieses stößt nicht zuletzt wegen seiner gewaltigen Dimensionen auf heftigen Widerstand von betroffenen Anrainern und Grünen.

Gesundheitsgefährdung

Nun plauderte ein von der Stadt Klagenfurt gefeuerter ehemaliger Stadtwerke-Vorstand aus, dass für das alte Fernheizwerk schon vor 2005 ein nagelneuer 5 Millionen Euro teurer Heizkessel angefertigt worden war, der jetzt in einem Verbund-Kraftwerk in Voitsberg verstauben soll, wobei zusätzlich teure Lagergebühr anfalle. Die Grünen haben zudem eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt wegen Gesundheitsgefährdung der Klagenfurter Bevölkerung durch das überalterte Fernheizwerk. In den Monaten Dezember bis März würde die ohnehin stark feinstaubbelastete Klagenfurter Bevölkerung "mit rund 300 Tonnen Schwefeldioxid, 160 Tonnen Stickstoffdioxid, sowie rund 6 Tonnen Staub extrem belastet", heißt es darin. Auflagen

"Die Behörde ist verpflichtet, bei einer nachträglichen Gesundheitsgefährdung zusätzliche Auflagen vorzuschreiben", empört sich Grün-Sprecher Rolf Holub: "Man gefährdet vorsätzlich Menschen". Angezeigt wurden der Bürgermeister Harald Scheucher (VP), Magistratsdirektor Peter Jost, sowie die beiden Stadtwerke-Vorstände Michael Junghans und Romed Karre. Auch SPÖ-Gesundheitsstadträtin Maria-Luise Mathiaschitz bestätigt in einem Schreiben, das dem Standard. vorliegt, die Gefährlichkeit des alten Fernheizkraftwerks: "Immerhin produziert dieses Werk 1 Prozent des gesamtösterreichischen Schwefelausstoßes". Sie habe schon seit 2003 bei Amtsantritt die Sanierung gefordert.

Sanierungskonzept

"Das Sanierungskonzept meines Vorgängers war nicht professionell", entgegnet Stadtwerke-Chef Junghans im Gespräch mit dem Standard "Ein neuer Heizkessel reicht bei weitem nicht. Für die Sanierung des Fernwärmewerks wären Investitionen von 28 bis 35 Millionen Euro nötig". Doch diese hätten die Stadtwerke wieder hereinspielen müssen: "Entweder wir fahren damit in den Konkurs oder wir geben die Kosten an die Fernwärme-Kunden weiter".

Zehnjahresfrist

Das aber hätte Preissprünge bei der Fernwärme von 50 bis 70 Prozent bedeutet, womit man Kunden verloren und den wesentlich emissionsreicheren Hausbrand enorm angefacht hätte. Also setzt man auf das neue GDK, dessen Abwärme das bisherige Fernwärmenetz erheblich erweitern würde. Die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft nimmt Junghans gelassen: " Ein Verfahren bei der Gewerbebehörde ist im Laufen. Wir warten auf den Bescheid, dass wir das Fernheizkraftwerk weiter betreiben können".

Denn es würden alle derzeit geltenden Gesetze eingehalten. Außerdem räume das Emissionsschutzgesetz eine Zehnjahresfrist für auslaufende Kraftwerke ein. Bis dann könne auch das neue GDK ans Netz gehen. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD Printausgabe 5.7.2007)

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