Ein Afrika in kleinen Schritten

    7. Juli 2007, 16:36
    1 Posting

    Afrikanische Union bleibt unverbindlich - Integration des Kontinents in kleinen Schritten

    Accra – Er kam mit einer Karawane durch die Wüste. Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi reiste zwei Wochen per Jeep durch Mali, Sierra Leone und die Elfenbeinküste bis nach Accra in Ghana, wo die Staats- und Regierungschefs der 53 afrikanischen Länder in den vergangenen Tagen über die weitere Integration der afrikanischen Länder in die Afrikanische Union (AU) diskutierten. Auf dem Weg dorthin hielt er Reden an die Bevölkerung und verteilte T-Shirts mit seinem Konterfei. Gaddafi würde gern Präsident der AU werden und setzte sich in Accra deshalb für eine Bundesregierung und eine afrikanische Armee mit zwei Millionen Mann ein. "Afrika wird sich einen oder sterben", ließ er wissen.

    Unterstützt wurde er vom senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade. Und auch Diktator Robert Mugabe aus Simbabwe kann sich mit Panafrika anfreunden, wohl auch, weil er international wegen seiner Menschenrechtsvergehen geächtet ist. Man solle nicht mehr auf die Welt außerhalb Afrikas zählen, meinte Mugabe. Sogar die Idee einer panafrikanischen Verfassung wurde besprochen – ohne Resultat allerdings. Denn die meisten afrikanischen Staaten sind zunächst eher an regionalen wirtschaftlichen Zusammenschlüssen wie der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas interessiert als an einem Megastaat.

    Und so einigte man sich in der Nacht auf Mittwoch darauf, die Integration des Kontinents in kleinen Schritten voranzutreiben. In den kommenden sechs Monaten – bis zum AU-Gipfel im Jänner – soll nun im Detail ausgearbeitet werden, unter welchen Bedingungen und wann die „Vereinigten Staaten von Afrika“ realisierbar sind. Der ghanaische Staatspräsident John Kufuor meinte am Ende: „Wir alle teilen die Vision von einer vereinten und dynamischen kontinentalen Union.“

    Den Krisenherden Somalia, Sudan und Simbabwe widmeten sich die Politiker nicht, obwohl in Somalia und im Sudan AU-Soldaten stationiert sind, deren Aufstockung dringend gefordert wird. Die AU trat 2002 die Nachfolge der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) an. Sitz der Organisation ist Addis Abeba. Die Idee eines geeinten Afrikas kam am Ende der Kolonialzeit auf, verlor aber durch den Kalten Krieg an Bedeutung. (awö, DER STANDARD, Print, 5.7.2007)

    Share if you care.