Der Kosovo als Realitätstest für Belgrad

11. Juli 2007, 20:34
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Plassnik fordert "Klarheit" von Jeremic - Serbischer Amtskollege: Suchen weiter nach friedlicher Kompromiss-Lösung - Österreich unterstützt EU-Weg Serbiens

Wien - Außenministerin Ursula Plassnik (V) erwartet eine "zügige Lösung" der Status-Frage in der seit 1999 von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo". "Wir brauchen Klarheit", erklärte Plassnik nach einem Gespräch mit ihrem serbischen Amtskollegen Vuk Jeremic am Mittwoch in Wien. Jeremic betonte, dass Belgrad weiter nach einer Kompromiss-Lösung suchen wolle, eine Unabhängigkeit des Kosovo aber nicht in Frage komme.

Realitätstest

Die Kosovo-Frage sei nicht nur "eine Bewährungsprobe für die europäische Außenpolitik und internationale Politik, sondern auch ein Realitätstest für Pristina und Belgrad", sagte Plassnik. Die EU kenne den Wunsch Pristinas nach Unabhängigkeit.

"Die EU agiert in großer Geschlossenheit und Einheit. Ich spüre diese Einheit", sagte Plassnik. Natürlich gebe es aber auch "Nuancen im Ringen um die beste Lösung". Entscheidend sei, dass sich alle voll einbringen würden. Erneut erklärte die Außenministerin, dass die EU den Vorschlag des UNO-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari unterstütze. Dieser Vorschlag sieht eine überwachte Unabhängigkeit des Kosovo vor.

Serbien weiterhin "flexibel"

Jeremic betonte, dass die neue Regierung in Belgrad weiter nach einer friedlichen und einer solchen Kompromiss-Lösung suchen wolle, die den gesamten Balkan an die EU annähern würde. Serbien sei bereit und flexibel, weiter zu verhandeln. Einen Teil des Landes in die Unabhängigkeit zu entlassen, komme aber nicht in Frage. Ebenso werde eine Teilung der Provinz abgelehnt, weil dies auch ein von der internationalen Gemeinschaft aufgestelltes Prinzip sei, sagte Jeremic.

Österreich setzt "Ermutigungsstrategie" fort

Beide Minister zeigten sich über die bilateralen Beziehungen sehr zufrieden. Österreich sei ein "enger Freund Serbiens", meinte Plassnik. Die wirtschaftliche Dynamik sei sehr gut und positiv. Und Österreich werde den europäischen Weg Serbiens weiter unterstützen. "Wir werden die Ermutigungsstrategie weiterführen." Beim europäischen Weg Serbiens werde es auch schwierige Momente geben, aber die "Marschrichtung ist klar und unsere Unterstützung ist sicher", betonte Plassnik.

Auch Jeremic sprach von sehr guten und dynamischen multidimensionalen Beziehungen zwischen Österreich und Serbien. Mit Plassnik gebe es die "völlige Übereinstimmung über die Zukunft des Balkans in der EU". Die EU-Annäherung Serbiens sei die "absolute Priorität" der neuen serbischen Regierung. Wichtig sei auch eine Liberalisierung des Visa-Systems, betonten Plassnik und Jeremic. (APA)

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    Serbiens Außenminister Vuk Jeremic zu Gast bei der österreichischen Amtskollegin Ursula Plassnik.

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