210 Bootsflüchtlinge im Juni vor Sizilien ertrunken

14. Juli 2007, 19:08
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Unzureichende Zusammenarbeit zwischen den Mittelmeerstaaten - Italien und Libyen haben kein Interesse

Paris/Wien - Allein vor der Südküste Siziliens sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR im Juni 210 Bootsflüchtlinge ertrunken oder verschwunden.

In der Nacht zum Mittwoch wurden vor den kanarischen Inseln zwei tote Flüchtlinge geborgen, die bei der Überfahrt von Afrika gestorben waren, wie die spanischen Behörden mitteilten. Ihr Schiff mit 34 weiteren Afrikanern an Bord sei südlich von Teneriffa aufgehalten worden. Die Herkunft der Flüchtlinge war zunächst unklar.

Diskussion vor Rettung

Auch vor der türkischen und der griechischen Küste seien im Juni Bootsflüchtlinge ertrunken, teilte der Leiter der italienischen Sektion des UNHCR, Paolo Artini bei einer Anhörung vor dem Europaparlament mit. Er beklagte die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen für Rettungsmaßnahmen und eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen den Mittelmeerstaaten. Wenn Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden müssten, sei jede lange Diskussion über Zuständigkeiten ethisch nicht zu verantworten, kritisierte Artini.

Streit zwischen Italien, Malta und Libyen

Zwischen Italien, Malta und Libyen gab es in jüngster Zeit wiederholt Streit über die Zuständigkeiten bei Rettung und Aufnahme der Bootsflüchtlinge. Ende Mai waren mindestens 18 Afrikaner nach Streitigkeiten zwischen Malta und Libyen über die Zuständigkeit im Meer ertrunken. 700 Bootsflüchtlinge kamen seit Januar auf Malta an, vier mal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Kanarischen Inseln erreichten seit Anfang des Jahres mehr als 4500 Bootsflüchtlinge.

Der maltesische Innenminister Tonio Borg hatte jüngst die Situation im Mittelmeer als "völlig chaotisch" bezeichnet. Jedes Jahr kommen nach vorsichtigen Schätzungen 600 Flüchtlinge vor den Toren Europas ums Leben. Würde die EU-Grenzschutzagentur "Frontex" und vor allem die eigens eingeleitete Mittelmeeraktion "Nautilus" von den EU-Mitgliedsstaaten besser unterstützt, so Borg, könnte "der Verlust von Leben zu See verringert" werden.

Bei der Anhörung im Ausschuss für Bürgerrechte des EU-Parlaments am Dienstag weigerte sich der Vertreter Libyens, Stellung zu nehmen. Italien entsandte gar keinen Vertreter. Der Ausschuss-Vorsitzende Jean-Marie Cavada meinte laut der maltesischen "Times" (Mittwoch-Ausgabe), Italien habe offenbar "seine Probleme mit illegaler Migration bereits gelöst". (APA)

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    Diskussionen über die Länder-Verantwortlichkeit statt schlichter Rettung kostet immer wieder das Leben vieler Flüchlinge

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