Deutscher in Südafghanistan entführt

5. Juli 2007, 12:32
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Jung: Mitarbeiter einer Firma - Auswärtiges Amt bemüht sich um Freilassung - Keine Details veröffentlicht

Berlin - Wieder Bangen um einen im Ausland entführten Deutschen: Im Süden Afghanistans ist vor einer Woche ein Mitarbeiter einer Firma verschleppt worden. Dies teilten das Auswärtige Amt und Verteidigungsminister Franz-Josef Jung am Mittwoch in Berlin mit. Hinter der Entführung sollen nach Medienberichten aber nicht die radikalislamischen Taliban stecken, sondern Kriminelle.

Krisenstab gebildet

Offiziell äußerte sich das Auswärtige Amt auf Anfrage dazu nicht. Ministeriumssprecher Martin Jäger sagte nur, der Mann werde seit Donnerstag vergangener Woche vermisst. "Wir haben nach den uns vorliegenden Hinweisen von einer Entführung auszugehen." Bereits am Samstag sei ein Krisenstab gebildet worden. Die Botschaft in Kabul sei eingeschaltet. "Wir bemühen uns sehr intensiv um die Lösung dieses Falles", sagte der Sprecher. Alle notwendigen Maßnahmen würden ergriffen. Einzelheiten könne er nicht mitteilen, auch nicht, ob Kontakt zu den Entführern bestehe.

Er sagte nur, dass der Entführte nicht im Auftrag der deutschen Regierung oder einer deutschen Hilfsorganisation in Afghanistan war. Er sei auch kein Journalist. Zum Ort der Entführung sagte Jäger lediglich, er liege nicht im Gebiet des Regionalkommandos Nord der Bundeswehr.

Keine Veränderung der Sicherheitslage

Verteidigungsminister Jung sagte später, der Entführte sei Mitarbeiter eines Unternehmens. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts arbeite aktiv daran, "zu einer guten Lösung zu kommen", sagte der CDU-Politiker dem ZDF. Die Sicherheitslage für die Bundeswehr verändere sich durch die Entführung nicht. "Wir haben dort unseren Schwerpunkt im Norden Afghanistans und tun alles, dass im Hinblick auf unsere Soldaten optimaler Schutz gewährleistet ist", sagte der Minister.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Entführte ein Bauunternehmer sein, der seit Jahren in Afghanistan aktiv sei. Zum Zeitpunkt der Entführung habe er in der Provinz Urusgan an einem Straßenbauprojekt der staatlichen amerikanischen Entwicklungshilfeorganisation US-Aid gearbeitet.

Entführer aus kriminellem Milieu

"Spiegel"-Online meldete, der Mann sei im Südwesten Afghanistans unterwegs gewesen und dort verschleppt worden. Der Deutsche habe nur eine bestimmte Straße nehmen können, und dort sei ihm aufgelauert worden. Die Entführer würden klar dem kriminellen Milieu zugerechnet. Es werde allerdings befürchtet, dass sie ihr Opfer an die Taliban weiter "verkaufen" könnten.

Der Gouverneur der südwestlichen Provinz Nimros, Ghulam Dagastir Asad, bestätigte, ein deutscher Mann und sein afghanischer Übersetzer seien seit einigen Tagen verschwunden. Details konnte er aber nicht nennen. Ein Taliban-Sprecher hatte der Nachrichtenagentur AP in den vergangenen Tagen mehrfach versichert, die Taliban im Süden und Südwesten des Landes hätten keinen Deutschen entführt. (APA/AP)

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