Mittelalter-Schwerpunkt im Belvedere

5. Juli 2007, 14:26
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Polnische Meisterwerke aus dem Nationalmuseum in Warschau zu Gast - Eigene Sammlung vollständig zu sehen

Wien - Im Zeichen des Mittelalters steht derzeit das Belvedere: Polnische Meisterwerke aus dem Nationalmuseum in Warschau sind bis zum 16. September in der Orangerie zu sehen. Und jene Werke der Belvedere-eigenen Mittelaltersammlung, die nicht im Oberen Belvedere ausgestellt sind, haben Einzug in eine "Schatzkammer" gefunden, die in den Prunkstallungen täglich zwei Stunden lang den Blick auf selten gesehene Kunstwerke ermöglicht. "Wir wollen möglichst viel vom Mittelalter zeigen", sagte Direktorin Agnes Husslein am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Aus dem Nationalmuseum Warschau sind "die besten Werke zu uns gekommen", sagte Kuratorin Veronika Pirker-Aurenhammer. Im dortigen Museum ist eine der wertvollsten Mittelalter-Sammlungen gelagert, die dennoch kaum bekannt ist. Die in der Orangerie ausgestellten 27 Werke aus dem 12. bis zum 16. Jahrhundert sind in der vom Art Centre Basel und dem Warschauer Nationalmuseum ausgerichteten Schau erstmals außerhalb Polens zu sehen und machen nun nach der Schweiz und Portugal bis 16. September Station in Wien.

Die Schau gibt einen "repräsentativen Überblick über die Kunst Polens" aus der Zeit der Gotik, sagte die Kuratorin. In der Orangerie macht sich dabei Kirchenstimmung breit: Zu sehen gibt es etwa das Crucifixus Dolorosus aus Breslau, eine Figur der heiligen Katharina von Alexandrien oder einen äußerst seltenen Altar, das Diptychon der Familie Winterfeld aus der Danziger Marienkirche. Die Werke des geschichtlich gebeutelten Polens zeigen Einflüsse der benachbarten Regionen, die auch immer wieder Teile des Landes besetzten. Die stille Schau brauche Ruhe und Kontemplation zur Betrachtung, betonte Pirker-Aurenhammer.

Ruhe ist auch in jene Stallungen eingekehrt, in der Prinz Eugen früher seine Lieblingspferde untergebracht hat und die bisher vom Belvedere für Veranstaltungen genutzt wurden. Dort zeigt das Belvedere nun jene rund 150 Objekte aus der 220 Stücke umfassenden eigenen Mittelalter-Sammlung, die sonst nicht zu sehen sind. Diese Neuaufstellung im "Schatzhaus Mittelalter" sei jedoch keine Ausstellung, betonte Husslein, und die Werke werden in jenem Zustand gezeigt, in dem sie eben sind - und das ist manchmal "nicht eben der beste". Man hoffe, durch die Präsentation auch Paten für einzelne Werke zu finden, die sich für die Restaurierung finanziell engagieren.

Ziel des Schaudepots sei, "alle Werke zugänglich zu machen", betonte Husslein. Aus konservatorischen Gründen darf nur eine beschränkte Anzahl Besucher gleichzeitig, und das nur von 10 bis 12 Uhr täglich (oder nach Voranmeldung), in die Stallungen. Der Eindruck ist jedenfalls spannend: So hängen gleich im ersten Raum - wie früher durchaus üblich - 60 Bilder an einer Wand, deren Betrachtung eine ganze Weile in Anspruch nimmt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dichte Hängung, dichte Wirkung

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