Mädchenspiele, virtuell

7. Juli 2007, 13:28
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US-Studie über Gaming-Verhalten von Jugendlichen beiderlei Geschlechts: Mädchen spielen seltener und sind Gewalt-Spielen nicht abgeneigt

Boston - Dass Mädchen und junge Frauen auch Gefallen an als Gewalt-Spiele eingestuften Computergames finden, zeigt eine aktuelle Studie des Center for Mental Health and Media in Massachusetts: Befragt wurden mehr als 1.200 zwölf- bis 14-Jährige beiderlei Geschlechts in den USA. Bei den Jungs kam Grand Theft Auto (GTA), das mit einer Vielzahl von Gewaltdarstellungen durchzogen ist, mit Abstand am besten an. Bei den Mädchen lag das Spiel bereits auf Platz zwei. Auf Platz Eins rangierte "The Sims".

Doch eher selten

Dass das Detail-Ergebnis Aufschluss darüber geben könnte, dass Mädchen nun vermehrt zu Gewalt-Spielen neigten, sieht Verena Vlajo, Profi-Gamerin und PR- Koordinatorin bei Computerspiel-Publisher Jowood anders: "Meiner Erfahrung nach spielen viele Mädchen Counter-Strike. Aber das tun sie eher, um vor den Burschen als cool zu gelten, denn aus wirklichem Interesse." Vlajo hat selbst schon einige Gaming-Turniere gewonnen und sieht sich bei solchen Events meist als einzige weibliche Teilnehmerin. "Die meisten Mädchen spielen lieber Adventure- oder Rollenspiele. Und natürlich Party-Games wie zum Beispiel Singstar. Mädels, die explizit auf Gewaltspiele stehen, begegnen mir selten", hält Vlajo der US-Studie entgegen.

Mädchen spielen weniger

Generell nutzen nahezu alle Jugendlichen Computerspiele, nur sechs Prozent der Befragten hatten innerhalb des vergangenen halben Jahres überhaupt kein Game gespielt. Die Mehrheit hat regelmäßig Kontakt mit gewalthaltigen Computerspielen. Zwei Drittel der Jungen und ein Viertel der Mädchen haben in den vergangenen sechs Monaten ein Game genutzt, das erst ab 17 Jahren freigegeben ist. Hauptsächliche Motivation dafür ist der Abbau von Stress und Ärger. Ein Drittel der Jungen sowie eines von zehn Mädchen spielt regelmäßig, jeden Tag.

Soweit ganz in Ordnung

Laut Studie neigen Jugendliche, die Gewalt-Spiele nutzen, auch dazu, sich an gemeinschaftlichen Computerspielen mit fremden Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Internet zu beteiligen. Weniger bei Mädchen als bei Jungen drehen sich Offline-Freundschaften häufig in erster Linie um das Thema Videogames. Für die WissenschaftlerInnen sind die Ergebnisse der Untersuchung kein zwingender Anlass zur Sorge. Wenn gewalthaltige Spiele bei Jugendlichen derart beliebt sind, sollte dies vielmehr dazu anregen, Jugendschutz und Verbote neu zu überdenken, meinen die Expertinnen und Experten. "Gewalt-Spiele sind so verbreitet und die Jugendkriminalität ist gesunken. Das bedeutet wohl, dass die meisten Kinder, die diese Games gelegentlich spielen, eigentlich ganz in Ordnung sind", meint Cheryl K. Olson, Mitautorin der Studie.

Mit den Ergebnissen wollen die WissenschaftlerInnen dazu beitragen, ein neues Bewusstsein für Computerspiele mit Gewaltdarstellungen zu schaffen. Es sei nicht genug, die Games einfach nur zu verdammen. Vielmehr müsse hinterfragt werden, welche Inhalte für welche Kinder in welchen Situationen eine schädliche Wirkung haben können. Die Eltern werden dazu aufgefordert, ihre Verantwortung als kontrollierende Instanz stärker wahrzunehmen. So sollten Computer und Konsolen nicht in den Kinderzimmern unbeaufsichtigt platziert und immer darauf geachtet werden, welche Spiele Freundinnen, Freunde und ältere Geschwister mitbringen. (pte/red)

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    screenshot gta/rockstar.com
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