Zahnarztpraxis für Obdachlose in Wien geplant

15. Juli 2007, 18:17
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Praxis mit Kassenvertrag könnte in der Stumpergasse im sechsten Bezirk eröffnet werden

Wien - Im Herbst soll eine eigene Zahnarztpraxis für die etwa 5.500 Obdachlosen Wiens eröffnen, hat der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Franz Bittner angekündigt.

Zur allgemeinmedizinischen Versorgung von Menschen ohne feste Bleibe existiert seit März 2006 der "Neunerhausarzt". Das Projekt hat sich bewährt und soll nun ausgeweitet werden.

"Das wichtigste ist, die Barriere zu Gesundheitsleistungen, die sie in besonderem Ausmaß benötigen, abzubauen", erklärte Bittner. Bei Zahnhygiene und -medizin sei dies deshalb so wichtig, weil ein gepflegtes Aussehen die Chancen zum Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt erhöhe.

Praxis mit Kassenvertrag

Geplant ist eine Praxis mit Kassenvertrag. Einen Standort in der Stumpergasse im Bezirk Mariahilf hat man bereits im Auge. In der Vergangenheit hatte sich eine rührige Dentistin um Obdachlose in Wien gekümmert. Diese ist allerdings inzwischen verstorben. Die neue Praxis soll diese Lücke füllen.

Neunerarzt

Der "Neunerhausarzt" des gleichnamigen Obdachlosenvereins hat seit dem Vorjahr bereits 661 Personen betreut. Die Kasse trägt 50 Prozent der Gesamtkosten, die in den ersten eineinhalb Jahren rund 400.000 Euro betragen haben. Für 30 Prozent kommt die Stadt Wien auf, 20 Prozent trägt das "Neunerhaus" selbst. Aus finanziellen Gründen stünde für Obdachlose dem Gang zum Arzt eigentlich nichts im Wege: Rund 70 Prozent von ihnen verfügen über eine E-Card, der Rest könnte sich beim Gesundheitsamt einen Krankenschein besorgen, erklärte Gesundheitsstadträtin Wehsely. (APA)

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