Armee zwingt Koranschüler zur Aufgabe

5. Juli 2007, 12:53
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Hunderte SchülerInnen verlassen belagerte Moschee in Islamabad, Bewaffnete bleiben - Musharraf bietet Geldprämie und Amnestie

Islamabad - Nach Ablauf von zwei Ultimaten hat die pakistanische Armee am Mittwoch die Krise um eine von bewaffneten Extremisten gehaltene Moschee im Zentrum von Islamabad entschärfen, aber noch nicht lösen können. An die 700 jugendliche Koranschüler ergaben sich, 800 weitere SchülerInnen, so erwartete die Armee, sollten im Lauf der Nacht zu Donnerstag das Gelände verlassen. Ein harter Kern von 200 Islamisten würde sich aber weiter in der "Roten Moschee" verschanzen.

Tatsächlich aber schwankten die Angaben, die Regierungsvertreter über die Zahl der verbliebenen ExtremistInnen machten, zwischen 200 und mehreren Tausend. Der Konflikt um die Rote Moschee, die nur wenige Kilometer entfernt vom Parlament und einem Botschaftsviertel in der Hauptstadt liegt, schwelte bereits seit Monaten und brach am Dienstag dann in Schießereien zwischen Islamisten und Soldaten aus. 16 Menschen starben dabei, 150 wurden verletzt.

Die Rote Moschee oder Lal Masjid gilt den Behörden seit langem als Hochburg von Islamisten und aus Afghanistan geflüchteten Taliban-Kämpfern. An den Kursen der Koranschule in der Moschee nehmen nach deren Angaben getrennt an die 5000 junge Männer und 4000 Frauen teil. Die Mehrheit der Schüler, die sich am Mittwoch noch in der Moschee aufhielten und sich erst nach und nach ergaben, sollen Frauen gewesen sein.

Lockmittel Geld

Staatschef Pervez Musharraf hatte die Menschen in der umzingelten Moschee ultimativ aufgefordert, sich bis elf Uhr Ortszeit (acht Uhr MESZ) zu ergeben und die Frist später um 90 Minuten verlängert.

Musharraf kündigte an, dass jeder, der die Moschee verlasse, 5000 Rupien (umgerechnet 61 Euro) erhalten werde. Strom und Wasser waren schon am Vortag abgestellt worden. Der Großteil der SchülerInnen, die dann das Gelände verließen, zeigte sich allerdings unnachgiebig. "Die ganze Nacht gab es Schüsse. Ich gehe - was sonst soll ich tun?", sagte Wahid, ein 18-jähriger Koranschüler, als er den Sperrring aus Stacheldraht und Sandsäcken überwunden hatte, den die Armee um die Moschee gezogen hat. "Ich will nicht umgebracht werden. Ich habe keine Waffe, ich weiß nicht einmal, wie man sie benützt."

Der stellvertretende Innenminister Zafar Warraich drohte derweil bewaffneten Extremisten in der Moschee, sie würden sofort erschossen: "Auf eine Kugel wird mit einer Kugel geantwortet." (Reuters, AFP, red, DER STANDARD, Print, 5.7.2007)

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    Pakistanische Soldaten patroullieren nahe der Roten Moschee.

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    Koranschülerinnen der "Roten Moschee" verlassen das von der Armee umstellte Gelände in Islamabad.

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