Scheidung auf lesbisch und schwul

3. Juli 2007, 20:01
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Formlose Trennung nach halbem Jahr

Wien - Ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften staatlich bald anerkannt werden oder nicht, hängt derzeit am O.K. des kleineren Regierungspartners ÖVP. In jenen Parteien und Interessengruppen jedoch, die sich für die Homosexuellen-Ehe einsetzen oder zumindest nichts dagegen haben, wird auch über die Auflösungsmodalitäten solcher Verbindungen diskutiert: "Im Rahmen der von uns geforderten 'Eingetragenen Partnerschaften' wollen wir ein eigenes Trennungsrecht", erläutert etwa Kurt Krickler, Generalsekretär der Homosexuellen Initiative (Hosi) Wien.

Für die älteste Homosexuellenorganisation Österreichs komme die Öffnung der Ehe, wie sie heute ist, gerade wegen der geltenden Scheidungsregelungen samt Schuldprinzip nicht in Frage, erläutert Krickler: "Dass eine Scheidung, wie etwa im Fall des verstorbenen Ex-Bundespräsidenten Thomas Klestil, sechs Jahre lang blockiert werden kann, wollen wir den Lesben und Schwulen nicht antun".

Statt dessen solle die Trennung gleichgeschlechtlicher Eingetragener Partner und Partnerinnen bei beidseitigem Willen "am Standesamt nach einer Bedenkzeit von ein oder zwei Monaten formlos" geschehen. Herrsche Uneinigkeit, so habe ein Gericht sechs Monate nach dem Scheidungsantrag eines Partners bzw. einer Partnerin zu entscheiden, ohne Abwägung von Schuld, sondern nur nach dem Grad der Zerrüttung.

Eigenständig bleiben

Unterhalt sei dann "je nach Bedürftigkeit" zu regeln - wobei Krickler für den Fall, dass ein solches Modell in Österreich tatsächlich einmal Platz greift, eine "Informationsoffensive" ankündigt, "dass jeder Partner Job und Eigenständigkeit behalten soll".

Ganz ohne Unterhalt kommt das Grünen-Modell für den Zivilpakt ZIP aus, der Homo- wie Heterosexuellen offenstehen soll: Wem Versorgung nach einer allfälligen Trennung wichtig sei, solle die Ehe als Form des Zusammenlebens wählen, erläutert Gleichstellungssprecherin Ulrike Lunacek. Die Ehe soll laut Grünen auch Lesben und Schwulen offenstehen. (bri, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. Juli 2007)

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