Vorarlberg: Recherche über das Schweigen

4. Juli 2007, 17:08
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Eine Arbeitsgruppe soll im Montafoner Bergdorf Silbertal die jüngere "Vergangenheit aufarbeiten"

Bregenz - Im Montafoner Bergdorf Silbertal ist man stolz auf die Geschichte, den mittelalterlichen Bergbau, die Sagen und Mythen. Lange nichts wissen wollte man über die jüngere Vergangenheit, das Zwangsarbeiter-Lager im Dorf, deren Ausbeutung durch E-Wirtschaft und Bauern, eisern schwieg man über den SS-Mann Josef Vallaster. Der Silbertaler wurde 1943 beim Lageraufstand im Vernichtungslager Sobibor erschlagen. Nicht als Opfer der NS-Mordmaschinerie, sondern als Täter. "Oberbrenner" war Vallaster im Euthanasie-Schloss Hartheim, später im Vernichtungslager Sobibor. Die Aufgaben der Brenner: Gas einströmen lassen, entlüften, Leichen hinausschleifen, sortieren, ihnen die Goldzähne ausreißen. Vallaster steht als Kriegsopfer auf dem Silbertaler Kriegerdenkmal.

Willi Säly ist seit 23 Jahren Bürgermeister. "Kein einziges Mal in diesen 23 Jahren" sei er mit den Taten Vallasters konfrontiert worden, sagt Säly. Erst jetzt, durch einen Bericht in den Vorarlberger Nachrichten. Zuerst wurde gemauert im Dorf, nun soll eine Arbeitsgruppe "die Vergangenheit aufarbeiten", beschloss am Montag die Gemeindevertretung. "Geschichtswerkstatt" nennt Moderator Bruno Winkler das Experiment. Geklärt werden soll, warum einer zum Täter wurde und die vielen anderen über Jahrzehnte geschwiegen haben. (jub; DER STANDARD - Printausgabe, 4. Juli 2007)

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