Wetscher: "Wir haben uns gewappnet"

3. Juli 2007, 19:24
2 Postings

Das Zillertaler Möbelhaus bietet den großen Ketten seit vielen Jahrzehnten Paroli

Wien - Lutz, Leiner, Kika und Ikea haben das Möbelgeschäft in ganz Österreich fest im Griff. In ganz Österreich? Nein, in einer 3000-Seelen-Gemeinde in Tirol bietet ein Familienbetrieb den Marktriesen seit vielen Jahrzehnten die Stirn.

Martin Wetscher betreibt in Fügen im Vorderen Zillertal in vierter Generation ein groß angelegtes Einrichtungshaus auf rund 8000 Quadratmetern. Ein Lagerverkauf, die eigene Tischlerei und ein Möbel-Mitnahmemarkt in Innsbruck sind weitere Standbeine. Sie setzen mit 130 Mitarbeitern 25 Millionen Euro um.

Maßarbeit

Fügen liege recht abgeschieden. "Wir haben daher immer etwas Besonderes bieten müssen, um Kunden aus Bayern und Innsbruck anzuziehen", sagt Wetscher. Seine Familie holte exklusive Möbelmarken und ergänzte sie, noch vor dem Einstieg von Diskontern wie Mömax, um zwei günstige Vertriebslinien. Die Tischlerei sorge für Maßarbeit und richtet Hotels, Altersheime und Gefängnisse ein. Wetscher: "Wir haben uns von Anfang an gegen die Expansion der Großflächenanbieter gewappnet."

Das Möbelgeschäft sei heuer dennoch so hart wie noch nie. Der Absatz sei trotz guter Konjunktur flau, die Handelsdichte in Tirol eine der höchsten Europas. "Es kann ja schon bald jeder Tiroler im eigenen Möbelhaus wohnen", sagt Wetscher. Zudem ziehen Konkurrenten aus Bayern und Italien Kaufkraft ab. Gewinne zu erzielen sei jedes Jahr aufs Neue ein Kampf.

Ein Fünftel der Kunden stammt aus Bayern

Wetscher will sich davon jedoch nicht beirren lassen. Er kauft direkt bei kleinen Produzenten ein, die man bei den großen Ketten oft vergeblich suche. Ein Fünftel der Kunden reise dafür aus Bayern an. Für die Beschaffung günstiger Ware sorgt der Einkaufsverband Alliance.

Wetscher selbst ist gelernter Tischler und Betriebswirt und im Möbelhaus aufgewachsen, sagt er. Im Gegenzug sieht dort heute seine 95-jährige Großmutter noch nach dem Rechten. Ein Verkauf an Konzerne wie Lutz kommt für den Tiroler nicht infrage. Abgesehen davon sei die Gefahr, ein Übernahmeangebot zu erhalten, aufgrund des abgelegenen Standorts ja doch recht gering. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7.2007)

Share if you care.