Kaffee-und-Kuchen-Soul

Redaktion, 10. Juli 2007, 19:16
  • Die New Yorker Beastie Boys gastieren nächste Woche im Rahmen des Nuke-Festivals in St. Pölten.
    foto: emi

    Die New Yorker Beastie Boys gastieren nächste Woche im Rahmen des Nuke-Festivals in St. Pölten.

Die New Yorker HipHopper Beastie Boys gastieren Ende kommender Woche mit neuer CD beim Nuke-Festival in St. Pölten

St. Pölten - Wer nichts zu sagen hat, soll schweigen. Das gilt zwar an jedem Stammtisch als (alkoholbedingt dann meist ignorierte) Binsenweisheit, im HipHop ist es dennoch eher unüblich. Zumal es zu den Degenerationserscheinungen dieses Genres gehört, das jene, die am lautesten und wortreichsten nichts sagen, oftmals zu den größten Stars werden. Siehe die hinlänglich bekannten Raps über die großen Freuden des kleinen Mannes: dickes Auto, Frauen ohne Ende, Geld bis unters Dach ...

Also jener Themenpool, aus dem grob geschätzt zwei Drittel des zeitgenössischen HipHop seine "Inspiration" bezieht.

Die New Yorker Rap- und immer wieder auch Funk- und Punk-Band Beastie Boys, die erste und bis heute erfolgreichste weiße Formation in diesem Fach, verweigert auf ihrem eben erschienenen Album The Mix-Up (EMI) jedenfalls das gesprochene Wort: The Mix-Up ist ein Instrumentalalbum, auf dem die Protagonisten Michael Diamond, Adam Horovitz und Adam Yauch und der als eigentliches musikalisches Rückgrat fungierende Keyboarder Money Mark ihrer bekannten Liebe zu 70er-Soul und -Funk frönen.

Wobei instrumentaler Soul und Funk ein schwieriges Unterfangen sind, gilt doch die mittels Stimme vermittelte emotionale Vielfalt hier als Gradmesser und Qualitätsindikator. Ausnahmen wie die Hausband des Soul Labels Stax, Booker T. & The MGs, oder auch die Funk Brothers (Motown) bestätigen diese eherne Regel.

Herzblut und Scheitern

Darum wundert es nicht weiter, dass die Ende der kommenden Woche beim St. Pöltener Nuke-Festival als Hauptact auftretenden Beastie Boys mit The Mix-Up trotz einfließenden Herzbluts und nachvollziehbarer Zuneigung scheitern. Scheitern wie in: Langsam wird's fad.

Denn die Band, die in ihrer Vergangenheit bewiesen hat, dass sie durchaus in der Lage ist, ein, zwei gepflegte Funk-Kracher pro Album zu produzieren, verheddert sich hier in gut gemeintem, aber ohne Feuer gespieltem Kaffee-und-Kuchen-Soul, der in keiner Oma-Konditorei der Welt weiter negativ auffallen würde. Immerhin haben die New Yorker aber während ihren bisher auf der aktuellen Europa-Tournee absolvierten Shows immer auch alte Stücke gespielt, also gerappt oder ein paar explosive Punk-Wuchteln in ihr Programm eingestreut.

Für tatsächlich elektrifizierenden Soul hat das Nuke-Festival ohnehin jemand anderen am Programm: Amy Winehouse. Die Britin mit dem ihre Vorliebe für exzessives Gluckgluck gut beschreibenden Namen hat heuer das phänomenale Album Back To Black veröffentlicht, auf dem die schlecht wie ein Lastwagenfahrer tätowierte Sängerin in herrlich unwirschem Tonfall über Versuche, sie in eine Rehabilitierungsklinik zu stecken, stänkert oder "Love" lebenserfahren als "Losing Game" beschreibt. Und das in einer Art, die der hoch energetischen Vorlage für Winehouses Musik in nichts nachsteht: der unberührbaren Etta James. Winehouse, die auch als nächstes James-Bond-Girl im Gespräch war, könnte, so es ihr gelingt, ihr Album adäquat live umzusetzen, der große Abräumer, die große Überraschung beim Nuke werden.

Der Rest des Festival-Programms ist gut bis sehr gut, aber auch hinlänglich bekannt. (Karl Fluch/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2007)

Programm

Das Nuke-Festival (13.- 14. Juli) bietet u. a. folgende Live-Acts: Beastie Boys, die Big-Beat-Pioniere The Prodigy, Deutsch-Hip-Hop mit Fanta Vier, Schlager von Wir sind Helden und Silbermond, mexikanisch-amerikanische Grenzlanderzählungen von Calexico, die Österreichpremiere der britischen Soulsängerin Amy Winehouse, die HipHop-Band The Roots sowie im Subfestival "Roots & Vibes" Reggae-Künstler wie Beenie Man und viele andere mehr. (flu)

Link
Nuke-Festival (13.- 14. Juli)
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16 Postings

und zu Amy Winehouse sagt hier niemand was? würde ich aber, wenn ich dort wäre, z.B. daß im Vergleich zu A.W. die BB sich richtig pritimiv ausmachen, aber das dürfte ja allgemeiner Trend sein :-)

Was der Vollständigkeit halber unbedingt erwähnt gehört, ist dass es sich nicht um das erste Instrumentalalbum der Beasty Boys handelt. "The in Sound from Way Out" (ich glaube aus dem jahr 1996) ist eine jazzige Funkplatte von ihnen, die auch gänzlich ohne Stimmen askommt.

beasty? dafür gibts einen egg raid on loden tonight, danach wird er geagliot und geoliot. diese schöne schaffensperiode gehört nicht vergessen. obwohl fluch behauptet, sie hätten die gitarren eingepackt. was heisst, wuascht. und ja, es war das jahr 1996.

Check your head ist auch extrem gelungen finde ich; gerade was die Jazz/Funk Richtung angeht...

kein wort über Jan Delay?!


da hättets wen loben müssen, oder?

jan delay loben?? der einzige mensch, der aus der nase singt? als bis auf das, dass er nicht singen kann, tritt der da nedmal auf!

Joy Denalane ist nicht Jan Delay!

"Der Rest des Festival-Programms ist gut bis sehr gut, aber auch hinlänglich bekannt."

lesen macht schlau!

wie meinten schon BB


Traue keinem Musikkritiker und erfülle keine Erwartungen und schon gar nicht welche der Medien.

und ab die post ...

BB sind live einfach umwerfend.

g.t.

Flu hat ja schon bei der Money Mark Kritik angekündigt die Beastie Boys schlecht zu reviewen. Holla, jetzt hat ers wirklich getan.
Ich mag das album trotzdem sehr gerne.

Der Schreiber dieses Pamphlets kann sich seine Amy Weinhaus gerne mit nach Hause nehmen, die ist die einzige die ich dort unten nicht brauch. BB und Prodigy werden dafür abgehen wie Sau...

Klingt interessant. Muss ich mir mal anhören.

Aber ich hab ja auch die "Elevator" von Jaffa zuhause - also Fahrstuhlmusik, die sogar als solche deklariert ist. Deshalb muss ich mir die Omis-Konditorei-Beasty Boys-CD zwangsläufig mal reinziehen!

würd mich dafür interessieren:

das Fluch'sche Ranking der übelsten Tattoo-Verirrungen.

Kann mich außer Winehouse zumindest noch an die Herrschaften Maynard J. Keenan und Mark Lanegan erinnern, deren Skin-Optik dem Kritiker in Sachen Ohr & Auge bemerkenswert erschienen ist.

Mir gefällt "The Mix Up",

ist immer noch um Klassen besser als die Scheiben, in denen sich die BB hauptsächlich als Schreihhälse betätigt haben.
Für mich sind "Paul´s Boutique" und "Check Your Head" die besten Alben.
Übrigens: wer unter Schlafstörungen leidet, soll sich das neue Album von Money Mark kaufen. Als Solokünstler halte ich den echt nicht aus. Im Kombipack mit den BB gehts.

Money Mark arbeitet solo halt in anderen Genres, kann man nur schwer vergleichen. Es ist größtenteils Musik, die jetzt weniger geladen ist, aber dafür etwas ruhiger und weniger aufgeregt.

Wobei ich natürlich die Beastie Boys auch für die besseren Künstler halte :)

Lustiges Review.

Das Album ist so viel besser als hier beschrieben. Aber bitte.

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