Kopf des Tages: Mohammed Asha, Karriere-Arzt unter Terrorverdacht

11. Juli 2007, 16:19
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Neurologe aus Jordanien gilt als Terrordrahtzieher

Ein "Mann ohne Geschichte" macht nun von sich reden. Jamil Asha, der Vater jenes jungen jordanischen Arztes, der nun als Drahtzieher der jüngsten Terroranschläge in Großbritannien gilt, ist fassungslos wie Jahre vor ihm schon der Vater von Mohammed Atta, der Anführer der Entführer von 9/11. "Mein Sohn ist unfähig zu solchen Akten", schwört Jamil Asha in seiner Wohnung in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Mohammed Jamil Abdelkader Asha selbst kann nicht Stellung nehmen - zumindest nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Der 26-Jährige wurde am vergangenen Wochenende, am Samstagabend, am Steuer seines Wagens von der Polizei gestoppt und festgenommen. Seither rollt Scotland Yard die Hintergründe der vereitelten Bombenanschläge von London und des Terrorangriffs auf den Flughafen von Glasgow auf, verhaftet mutmaßliche Mittäter und sprengt verdächtige Fahrzeuge.

Doktor Asha aber, so sieht es nun aus, sitzt in der Mitte dieser Verschwörung. Von seinem Handy aus versuchte er eines der beiden mit Benzinbomben bestückten Autos in London zu zünden, so weiß es zumindest die britische Presse. Es wäre ein amateurhafter Akt und bestätigte nur die Auffassung des Vaters, der nun die Welt nicht mehr begreift.

Trifft der Verdacht der britischen Ermittler zu, dann muss es irgendwo einen Riss im Leben des Mohammed Jamil Abdelkader Asha gegeben haben, der vor kaum mehr als zwei Jahren, im März 2005, nach Großbritannien aufbrach, um seine Karriere als Mediziner fortzusetzen.

Asha hatte die Universität in Amman mit so hervorragenden Noten abgeschlossen, dass ihm ein Jahr zur Spezialisierung als Neurologe an der Universität in Birmingham angeboten worden war. Er ging zusammen mit seiner Frau Marwa, die er seit Kindheitstagen kannte und in Amman während der Studienzeit geheiratet hatte. Marwa Asha und ihr gemeinsamer kleiner Sohn Anas waren mit im Auto, als sie von der Polizei aufgehalten wurden. Auch Ashas Frau haben die Ermittler im Verdacht. Die Labortechnikerin ist ebenfalls in Haft.

Asha, der zuletzt als Neurologe in zwei Universitätsspitälern in Mittelengland arbeitete, stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie mit wenig Geld, aber viel Antrieb zur höheren Bildung: Zwei von Ashas sieben Geschwistern sind Ärzte, ein Bruder ist Ingenieur. Lange hatte der Vater in Saudi-Arabien als Arabischlehrer gearbeitet, die Familie war mit ihm und kehrte erst 1991 nach Jordanien zurück.

Sein Sohn habe keine Zeit gehabt, um in Moscheen zu gehen, sagt Ashas Vater heute. Und der ältere Bruder Ahmad erzählt, Mohammed sei nicht einmal in das Studentenkomitee seiner Uni in Amman aufgenommen worden, weil er politisch desinteressiert war. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe, 4.7.2007)

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