Revolution im Winzigkleinen

3. Juli 2007, 19:04
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Materialoberflächen erhalten dank Nanotechnologien neue Eigenschaften – in der Medizin will man so die Frühdiagnose von Krankheiten verbessern

Zum Start einer neuen Ausschreibung diskutierten Forscher über Möglichkeiten und Ziele der Nanotechnologien.


"Nano ganz groß", "Forschung im Kleinen mit großer Wirkung" – so ähnlich lauten meist die Schlagzeilen, wenn über Nanowissenschaft (ein Nano ist ein Milliardstelmeter) berichtet wird. Die Nanotechnologie, so der Tenor, wird eine, wenn nicht die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts.

Bereits heute liegt das Weltmarktvolumen von Produkten, in denen nanotechnologische Herstellungsverfahren eine Rolle spielen, in einer Größenordnung von rund 100 Milliarden Dollar, bis 2015 wird ein Anstieg auf ein bis zwei Billionen Dollar prognostiziert. Die staatlichen Forschungsförderungen haben längst reagiert: Etwa sechs Milliarden Dollar dürfte 2006 weltweit in Nano investiert worden sein. Auch die österreichische Regierung setzt auf gezielte Förderung: 35 Millionen Euro flossen von 2004 bis 2006 in die vom Infrastrukturministerium (BMVIT) eingesetzte Nanoinitiative.

Sieben große Verbundprojekte, jeweils durch Zusammenarbeit mehrerer Institutionen – universitärer oder außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und Industriepartner – gekennzeichnet, wurden gefördert. Darunter zum Beispiel das Projekt Phonas, an dem u.a. die Austrian Research Centers und die TU Wien beteiligt sind, das an der Entwicklung transparenter, selbstreinigender und -sterilisierender Beschichtungen auf Basis photokatalytischer Nanopartikel forscht.

Bei Nano-Health forscht man u.a. an Nanopartikeln, die Wirkstoffe von Medikamenten gezielt im Körper transportieren oder eine Frühdiagnose möglich machen sollen. Eine wichtige Rolle spielt bei diesem Projekt auch die Untersuchung der möglichen Toxizität der verwendeten Nanopartikel.

Anwendungsorientiert

Eines der wichtigsten Ziele für die neue Ausschreibung (Wissen) der Nanoinitiative war es, "anwendungsorientierter zu werden", wie Margit Haas vom Programmmanager Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen der Tagung "When size matters!" am vergangenen Montag im Wiener Haus der Forschung betonte. Aufgrund der komplexen Administration hatte die erste Ausschreibung viel Kritik geerntet. Thematisch gibt es wieder keine Vorgaben. Hauptziel der Nanoinitiative sei es, "die österreichischen Nano-Akteure zu vernetzen und eine kritische Masse zu schaffen", sagte Rupert Weinzierl vom BMVIT.

Ueli Aebi, Professor für Strukturbiologie am Biozentrum der Universität Basel, warnte in seinem Vortrag allerdings davor, den Schwerpunkt nur auf Großprojekte zu legen. Vernetzung sei wichtig. "Die wirklich großen Innovationen kommen aber meist von Einzelprojekten", sagte Aebi. Ein weiterer Ratschlag des Schweizer Nano-Experten, der auch als Unternehmer eine langjährige Erfahrung hat: möglichst früh den Kontakt mit der Industrie suchen. Die Investitionssummen könnten dann noch geringer ausfallen, für die Firma minimiere sich das Risiko, für die Forschung seien Geld wie Kontakt notwendig. Ein Teil des Geldes für die Nanoforschung sollte auch in die Untersuchung der Risiken der neuen Technologie und die Kommunikation nach außen investiert werden, empfahl Aebi. Jetzt sei es noch früh genug, um eine breite Ablehnung der Bevölkerung, wie dies bei der Gentechnik passiert ist, zu verhindern. Das hat die Nanoinitiative aber ohnehin geplant.

Der Punkt "Netzwerke und Vertrauensbildung" bildet eine eigene Programmlinie. Es sei besonders wichtig, die "Sorgen vor dem Unbekanntem" zu nehmen, wie es FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth formulierte. (Sabina Auckenthaler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7. 2007)

WISSEN

Die neue Ausschreibung der österreichischen Nanoinitiative, für die zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen, ist Teil eines größeren Förderprogrammpakets, das das Infrastrukturministerium (BMVIT) vergangene Woche geschnürt hat. Insgesamt 52,7 Mio. Euro fließen in die neuen Calls von sechs Forschungsprogrammen. Themenschwerpunkte sind neben Nano auch Verkehr, Luftfahrt, Energie, Informationstechnologie und Weltraum. Rechnet man die vom BMVIT eingeplanten Mittel für eine weitere Ausschreibungsrunde im Herbst dazu, ergeben sich für 2007 insgesamt 80 Mio. Euro, die über die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt werden.

Links

www.bmvit.gv.at

www.ffg.at

www.nanoinitiative.at
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    Eine Computersimulation von Nano Carbontubes: Das sind winzige Röhrchen auf Basis von Kohlenstoff, die von Wissenschaft und Wirtschaft als die Zukunft in der Chip-Herstellung bezeichnet werden.

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