Wie ein Uhrwerk funktionieren

3. Juli 2007, 19:47
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Ein Kongress über "Molekulare Maschinen" in Wien dreht sich um Fragen wie der nach der Entstehung von Krebs

Molekulare Maschinen, sagt Karl Kuchler, seien wie Uhrwerke. Funktioniere ein Rädchen nicht, bleiben auch die anderen stehen. Ein Vergleich, den der Molekularbiologe von den Max F. Perutz Laboratories in Wien für die Kinder-Uni parat hat, der aber im Vorfeld des Biochemie-Kongresses FEBS2007 zum Thema "Molekulare Maschinen" (7. bis 12.7. im Messezentrum Wien) recht nützlich erscheint. Die Vorstellung darüber, was "Molekulare Maschinen" bedeutet, ist noch nicht sehr konkret – zumal es mehrere Definitionen gibt.

Für Kuchler, den Vorsitzenden des FEBS2007-Organisationskomitees, geht der Begriff auf den Trend zurück, lebende Zellen und ihre Bestandteile nicht einzeln, sondern im Verbund mit anderen zu betrachten. "Nur in diesen Komplexen können Proteine zum Beispiele ihre Funktionen ausüben." Molekulare Maschinen übernehmen wichtige Funktionen wie Wandlung von Energie, Übersetzung der genetischen Information in funktionelle Bausteine, Fortbewegung, Zellteilung, intrazellulären Transport und Muskelkontraktion. Die Systembiologie, ein noch junger interdisziplinärer Zweig der Biowissenschaften, liefert die "Werkzeuge" für diese Forschung. Dank Computersimulationen quantitativer biologischer Daten könne man Vorgänge in den Zellen nachbilden und auch vorhersagen. Bricht ein Protein aus dem "Uhrwerk" aus, dann können sich auch aufgrund diverser Umwelteinflüsse Fehlfunktionen entwickeln: genetische Defekte und letztlich auch Krebs.

Zielgerichtet neue Medikamente entwickeln

Diese Betrachtungsweise sei Voraussetzung für ein besseres Verständnis von Krankheiten und damit auch für die Entwicklung von Medikamenten. Zum Beispiel für die Leber, laut Kuchler eines der komplexesten Organe des Menschen. Was den Fettstoffwechsel in der Leber unterstützt, muss sich noch nicht positiv auf das Organ als zentrale Entgiftungsstelle des Körpers auswirken. Mit dem Bewusstsein von komplexen Vorgängen könne man zielgerichtet neue Medikamente entwickeln, da Abbau, Ausscheidung oder negative Nebenwirkungen von Medikamenten im Hirn besser analysiert werden können.

FEBS2007 bietet an sechs Tagen ein Programm mit Workshops und Podiumsdiskussionen, um sich von verschiedenen Seiten dem Thema anzunähern: Altern des Gehirns, Visionen der europäischen Krebsforschung und "Wie setze ich wissenschaftliche Erkenntnisse der Biochemie in Produkte (z.B. Medikamente) um?" Am Rande der Veranstaltung finden in Kooperation mit dem Standard und Ö1 zwei öffentliche Podiumsdiskussionen statt: Am 9. Juli um 19.00 Uhr geht es im Naturhistorischen Museum um neue und wiederaufflammende Krankheiten – eine globale Bedrohung? Am 11. Juli wird Standard-Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer im Museum Moderner Kunst (Mumok) um 19 Uhr die Diskussion "Stammzellforschung & Gesellschaft" leiten.

Unter den Vortragenden des Kongresses sind zahlreiche am Vienna Biocenter tätige Molekularbiologen wie Jürgen Knoblich (IMBA), Barry Dickson (Leiter des Instituts für Molekulare Pathologie IMP), Graham Warren, wissenschaftlicher Direktor der Max F. Perutz Laboratories, ein Jointventure der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien. Angelika Amon, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätige österreichische Molekularbiologin, beantwortet im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Kinderuniversität die Frage: "Was ist Krebs? Wie aus normalen Körperzellen böse Krebszellen werden." (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7. 2007)

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    FEBS2007 bietet an sechs Tagen ein Programm mit Workshops und Podiumsdiskussionen, um sich von verschiedenen Seiten dem Thema anzunähern.

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