"Planungssicherheit gleich Null"

13. Juli 2007, 09:54
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Heinz Hochhauser, Nachwuchs-Chef bei Red Bull Salzburg, kritisiert die Vernachlässigung des Scoutings in Österreich und Ex-Kicker als Trainer - ein Interview

Edmonton - Heinz Hochhauser, Nachwuchschef bei Red Bull Salzburg, weilt derzeit bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Geameinsam mit den Scouts Didi Emich, Heiko Laessig und Manfred Linzmaier wird nach möglichen Verstärkungen Ausschau gehalten. Im Interview mit der APA sprach der Oberösterreicher über die Aussichten auf eine Verpflichtung, das (nicht-existente) heimische Scouting-System und die mangelnde Einstellung einiger Trainer-Kollegen zu ihrem Beruf.

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Die besten Kicker der U20-WM stehen schon in den Notizblöcken von Großklubs. Ist es für Salzburg dennoch möglich, einen kommenden Superstar zu verpflichten?

Hochhauser: "Das könnte schon sein. Aber man muss sich einen interessanten Spieler ja auch öfter ansehen als nur in einem Spiel, man muss ihn in seinem privaten Umfeld kennen lernen. Das ist in anderen Ländern selbstverständlich, bei uns aber nicht, deswegen haben wir auch diese hohe Drop-Out-Rate. Doch für mich ist der Hauptgrund, warum ich da bin, ein anderer: Ich will sehen, was unseren Nachwuchs von den Besten der Welt unterscheidet, darum scouten wir das ganze Turnier und werden es danach analysieren."

Wenn es aber klappt mit einem Neuzugang, wären Sie nicht traurig...

Hochhauser: "Es ist mein Ziel, doch ob das bei einer U20-WM möglich ist weiß ich nicht. Wir werden auch die U17-WM beobachten, dort ist es leichter. Denn je früher du sie bekommst, desto besser ist es. Sie brauchen ja ein, zwei Jahre. Sie kommen aus Ländern, in denen es sehr warm ist, also brauchen sie viel Wärme, auch menschliche, und wir wollen ihnen das geben. Darum müssen wir sie früher holen, damit sie Zeit haben, sich in der Red-Zac-Mannschaft zu entwickeln."

Halten Sie das derzeitige Scouting-Personal in Salzburg für ausreichend?

Hochhauser: "Momentan sind wir für österreichische Verhältnisse sensationell aufgestellt, aber das ist keine Kunst, weil es sonst in diesem Land kein Scouting-System gibt. Ich kenne keinen einzigen hauptberuflichen Scout außer in Salzburg."

Ist das ein Mitgrund für die Krise des heimischen Fußballs?

Hochhauser: "Man muss das Thema ganzheitlich sehen. Die Planungssicherheit im österreichischen Profibereich ist gleich Null. Es gibt kaum Sportdirektoren, die länger als ein Jahr im Amt sind, von zehn Trainern verlieren mindestens fünf im Lauf der Saison ihren Job. Normalerweise muss man ab Mitte der Saison die nächste planen. In Österreich fangen wir zu Saisonbeginn an. Dann ist man den Spielervermittlern ausgeliefert, dann kommen jeden Tag 30 A4-Zetteln, da steht drauf, dieser und jener Spieler ist schnell, kopfballstark und so weiter. Man hat ihn nie gesehen, er kommt, macht zwei Probetrainings und dann ist er verpflichtet, obwohl man nicht einmal medizinische Tests gemacht hat, ihn nicht charakterlich beurteilen kann und ihn noch nie in einem Spiel gesehen hat - das ist unsere Bundesliga."

Was ist also zu tun?

Hochhauser: "Man könnte das sofort verhindern, wenn man nur einen Scout hat, aber schon im Winter weiß, auf welcher Position man einen Spieler will. Dadurch wird die Drop-Out-Quote niedriger sein. Um das so gesparte Geld, kann ich mir drei, vier Scouts leisten, und es würde dem Fußball in Österreich helfen. Denn ich bin auch der Meinung, dass wir viele Ausländer haben, die wir nicht brauchen."

Ist da auch Selbstkritik dabei?

Hochhauser: "Österreichische Spitzenklasse ist jeder von unseren Ausländern. Salzburg hat innerhalb kürzester Zeit eine Mannschaft verpflichten müssen, die sofort um den Titel spielt. Wo soll ich die in Österreich hernehmen? Das wird jetzt anders. Immerhin ist mit Leitgeb das größte österreichische Talent verpflichtet worden.

Ihre Trainerkarriere führte über den Nachwuchsbereich zu den Profis und wieder zurück. Wäre diesr Weg auch für andere angehende Coaches sinnvoll?

Hochhauser: "Wenn heute eine Trainer verpflichtet wird, wird aufgezählt, wie oft er in der Bundesliga und im Team gespielt hat. Ich frage dann immer, wird er als Spieler oder als Trainer verpflichtet? Das Problem ist, dass man vielen verdienten Fußballern Vorschusslorbeeren gibt, die sie nicht verdienen. Ich würde mir wünschen, dass weniger gute ehemalige Spieler glauben, sie sind auch gute Trainer. Sie sind überhaupt keine Trainer, sie müssen erst einmal beginnen und arbeiten. Wenn ich Fußball gespielt habe, heißt das noch lange nicht, dass ich Fußball vermitteln kann."

Die Leute werden überschätzt?

Hochhauser: "Wenn ich oft in einem Hotel wohne, bedeutet das nicht, dass ich ein Hotel führen kann. Das Trainergeschäft muss ich mir erarbeiten, und das begreifen viele nicht. Fast alle Top-Trainer waren nie besonders gut im Fußball. Das waren die, die früh begonnen haben zu arbeiten, denn Trainer zu sein ist Arbeit, und nicht Talent. Es gibt kein Trainer-Talent. Es gibt ein Talent, mit Leuten umzugehen, aber das muss man sich auch erwerben. Man muss sich den Fußball an der Basis erarbeiten, und das machen viele nicht. Sie haben es nie gebraucht, weil sie so talentiert waren, dass sie einfach drüber gestanden sind, und das ist unser Problem."

Zur Person
Heinz Hochhauser (60) trainierte Ried, Pasching, den FC Kärnten und Austria Wien. Er war ÖFB-Nachwuchskoordinator und Betreuer des U18-Teams und leitet seit einem Jahr die Nachwuchsabteilung bei Red Bull Salzburg.
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