Casinos-Austria-Experte: "Scharlatanerie"

3. Juli 2007, 19:13
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Die in der Studie von Kreutzer Fischer & Partner genannten Marktdaten seien schlicht nicht nachvollziehbar, so das Unternehmen

Wien - Die heute präsentierte Studie von Kreutzer Fischer & Partner zum österreichischen Glücksspielmarkt enthalte "überwiegend nicht nachvollziehbare bzw. falsche Marktdaten", gaben die Casinos Austria am Dienstag per Aussendung bekannt. Problematisch erscheine "vor allem die in der Studie erhobene Forderung nach einer bundesweiten Freigabe des Automatenspiels sowie nach nationaler Liberalisierung des Online-Gamings". Beide Schritte wären aus Sicht des Spielerschutzes "höchst verantwortungslos", kritisiert das Unternehmen. "Schon heute haben in jenen Bundesländern, wo das Automatenspiel liberalisiert wurde, die Fälle von Spielsucht sehr stark zugenommen."

Liberalisierung würde Staat 400 Millionen kosten

Auch aus fiskalischer Sicht sei eine Liberalisierung kontraproduktiv: "Die Behauptung der Studie, dass Liberalisierungen mehr Steuereinnahmen erbringen würden, steht im Widerspruch zu den Untersuchungen des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts IHS sowie zu einer Studie, die Univ. Prof. Dr. Gerhard Hanappi vom Institut für Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität Wien durchgeführt hat." Nach diesen Untersuchungen würde durch den verstärkten Wettbewerb in einem liberalisierten Glücksspielmarkt der Staat 400 Millionen Euro an Einnahmen verlieren.

"Die Aussage, dass in den nächsten fünf Jahren die enorme Summe von sechs Milliarden Euro an Spieleinsätzen abfließen würde, ist völlig unseriös und entbehrt jeder wirtschaftswissenschaftlichen Grundlage", wird Hanappi in der Aussendung der Casinos zitiert. "Kein ernsthafter Ökonom wagt selbst über die besser erfassbare Entwicklung des BIP eine mehr als zwei Jahre in die Zukunft gehende Prognose zu tätigen; eine von so vielen unwägbaren Ereignissen abhängende Entscheidung wie die Teilnahme an Online-Spielen für fünf Jahre vorherzusagen, ist Scharlatanerie", so der Universitätsprofessor. Auch die angeblichen Mehreinnahmen des Staates von 170 Millionen Euro pro Jahr seien "völlig aus der Luft gegriffen. Fast alle bisher von Wirtschaftswissenschaftler durchgeführten, also tatsächlich fundierten Studien, zeigen, dass Privatisierung im Glücksspielbereich zu volkswirtschaftlich nachteiligen Folgen (unter anderem einem Rückgang der Staatseinnahmen) führt".

Abschließend hält Hanappi fest, dass die Unkontrollierbarkeit des Online-Gamings eine bloße Behauptung sei. "De facto wäre hier vom Gesetzgeber einzuschreiten." Sie stünde des Weiteren auch in keinem Zusammenhang zu einer (unterstellten) Verminderung des Abflusses an Umsatz bei Zulassung mehrerer privater Anbieter.

KFP wehrt sich gegen Kritik

Die harsche Kritik der Casinos Austria wollte man dann auch bei Kreutzer Fischer & Partner nicht auf sich sitzen lassen. Die von IHS und dem Institut für Wirtschaftsmathematik an der TU Wien durchgeführte Studie habe die Auswirkungen einer internationalen Liberalisierung des kompletten Glücksspielmarktes in Österreich untersucht. "Kreutzer Fischer & Partner fordern jedoch lediglich eine Teil-Liberalisierung des Online-Marktes auf nationaler Ebene. Die Ansätze der Hanappi-Studie sind daher nicht auf unsere Ergebnisse umlegbar", so die Studienautoren in einer Stellungnahme.

Darüber hinaus seien seriöse wissenschaftliche Untersuchungen "nicht Universitätsprofessoren vorbehalten". Es sei vielmehr unseriös, "eine Studie zu kritisieren, deren vollständigen Inhalt man nicht kennt. Man könnte es auch Scharlatanerie nennen." (red)

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