Österreicher sind Europas Top-Zocker

20. September 2007, 17:10
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Studie: Monopol kostet Steuermillionen - Summe der Spieleinsätze stieg in den vergangenen Jahren steil an

Wien - Jeder heimische Haushalt setzt im Durchschnitt pro Jahr 3122 Euro für Glücksspiele oder Sportwetten ein, nur Engländer und Finnen verzocken mehr. Zu diesem Ergebnis kam die Marktforschungsfirma Kreutzer, Fischer & Partner in einem "Branchenradar", das am Dienstag präsentiert wurde. "Wir waren von der Höhe des Betrages selbst überrascht", sagte Andreas Kreutzer. Die Zahlen basierten jedoch auf den Angaben der Casinos Austria, des Buchmacherverbandes sowie den Angaben der Online-Wetten und -spielanbieter. Auch die ausländischen Plattformen, deren Angebot von heimischen Zockern illegal genutzt wird, seien befragt worden, so die Studienautoren. Die heftig umstrittenen wie boomenden Poker-Kasinos wurden hingegen nicht berücksichtigt.

Automatenspiel legte stark zu

Die Summe der Spieleinsätze der Österreicher sei in den vergangenen Jahren steil angestiegen, so Kreutzer. "Der Treiber ist eindeutig die Online-Wette." Auch das Automatenspiel - in Österreich in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Kärnten und Steiermark als "kleines Glücksspiel" (um limitierte Einsätze und Gewinne) zugelassen - habe stark zugelegt.

Es sei deswegen "unverständlich", so Kreutzer, dass der Staat sich Steuereinnahmen entgehen lasse, weil zugelassen werde, dass illegale Angebote genutzt werden. In den Ländern ohne "Kleines Glücksspiel" wüssten die Behörden "von 5500 Automaten in Hinterzimmern von Gasthäusern". Pro Jahr entgingen den Ländern dadurch (fiktive) 60 Mio. Euro an Automatenangaben, dem Bund 44 Mio. Euro an Mehrwertsteuer. Alle Automaten sollten elektronisch an eine Clearing-Stelle, um die Steuereinnahmen zu kontrollieren. Gegen einen Abfluss von geschätzten 1,4 Mrd. Euro an Online-Gaming-Einsätzen ins Ausland schlägt Kreutzer vor, man möge drei zusätzliche Lizenzen für Internet-Kasinospiel vergeben, die unter gleichen Bedingungen wie die Casinos-Plattform Win2Day anbieten könnten - unter Überwachung einer Regulierungsbehörde nach dem Muster von E-Control (Strommarkt) oder RTR (Rundfunk, Telekom).

Casinos schäumen

Die Casinos Austria und die Lotterien, Lizenznehmer im Glücksspielmonopol (Sportwetten sind liberalisiert), reagierten scharf: Eine Freigabe des Automatenspiels sowie eine nationale Liberalisierung des Online-Gamings "wären aus Sicht des Spielerschutzes verantwortungslos". Im Finanzministerium heißt es, es sei nicht geplant, das Monopol zu kippen. Hintergrund: 2005 wollte der damalige Minister Karl-Heinz Grasser kurzzeitig das Monopol kippen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7.2007)

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