Spielzeug-Entchen auf Weltreise geben Hinweise auf Meeresströmungen

11. Juli 2007, 17:47
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Treibgut aus einem vor 15 Jahren versunkenen Schiff hilft US-Ozeanographen bei Intensivierung ihrer Untersuchungen

Seattle/London - Vor 15 Jahren ist im Nordwest-Pazifik ein chinesisches Containerschiff in Seenot geraten und hat einen Container mit Kinderspielzeug für Badewannen verloren. Die insgesamt 28.800 Plastikentchen, Biber und Frösche sind seither als Treibgut auf den Weltmeeren unterwegs. Ein US-Forscherteam hat den Vorfall zum Anlass genommen, Untersuchungen über die Meeresströmungen der Welt zu intensivieren. Trotz der großen Skepsis der Wissenschaft haben sich die Vorhersagen bisher bestätigt, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Modell kontinuierlich bestätigt

Der US-Ozeanograph Curtis Ebbesmeyer hat nach einem Anwendungsgebiet des Ozeanströmungs-Computermodells OSCURS (Ocean Surface CURrent Simulator), das gemeinsam mit dem NOAA-Forscher Jim Ingraham entwickelt wurde, gesucht. Seit dem Zeitpunkt des Unfalles, am 10. Jänner 1992, sind tausende der Entchen an den verschiedenen pazifischen Küsten angeschwemmt worden. Mithilfe von OSCURS ist es Ebbesmeyer gelungen, den Weg der kleinen Spielzeugtiere ziemlich genau vorherzusagen. Jedes Mal, wenn ein Fund gemeldet wird, scheint sich das Modell des Forschers erneut zu bestätigen. In den vergangenen 15 Jahren sind die Spielzeugentchen in Indonesien, Australien und in Südamerika angeschwemmt worden. Im Sommer Ende Juli 2004 meldeten Dean Orbison und sein Sohn Tyler den Fund von 111 Plastiktieren in Sitka/Alaska. Nun soll die Reise der Plastiktiere allerdings bald zu einem Ende kommen. Zuvor sagen die Forscher aber noch eine Landung an den Stränden Großbritanniens voraus.

"Erst vor kurzem wurden Funde von dem Spielzeug von der Ostküste der USA gemeldet", berichtet Ebbesmeyer. Nach den Berechnungen von OSCURS werden die ersten Tiere, nachdem sie den Pazifischen Ozean im Uhrzeigersinn umrundet haben und über den Nordpol Richtung Süden in den Atlantik gedriftet sind, demnächst in Cornwall und vor der Südwestküste Englands stranden. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie durch die Atlantikströmungen nach England kommen", so Ebbesmeyer. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Spielzeugtiere so weit gereist sind, denn bereits im Juli 2003 wurde ein Fund in Maine und ein Monat später von Schottland gemeldet.

Ende der Weltreise

Wie lange die kleinen Spielzeugtiere noch unterwegs sein werden, bleibt aber dennoch ein Rätsel, denn Ebbesmeyer und sein Team haben im Fachmagazin der American Geophysical Union darüber berichtet, dass eine Flaschenpost, die 1975 im Golf von Alaska ausgesetzt wurde, nach 31 Jahren nahe des Prince William Sound an der Südküste Alaskas angespült wurde. Es ist also davon auszugehen, dass diese Flasche zehn Mal den nördlichen Pazifik umkreist hat, ehe sie am Strand gefunden wurde. Theoretisch wäre es möglich, dass die Plastiktiere bis 2022 zehn komplette Weltreisen zurücklegen. Ob das Material die lange Reise aushält, ist allerdings nicht bekannt, denn die meisten Entchen sind inzwischen sonnengebleicht und weiß, erkennbar bleiben sie an dem Druck des US-Vetreibers The First Years. (pte)

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    Seit dem 10. Jänner 1992 sind tausende der Entchen an den verschiedenen pazifischen Küsten angeschwemmt worden.

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