Drei Mal sieben Abende Wagner bei Tiroler Festspielen Erl

4. Juli 2007, 10:28
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Kulturveranstaltung geht in die zehnte Auflage - Gerard Mortier wurde eingeladen, die Festrede zu halten

Innsbruck - Vor genau zehn Jahren hat der unternehmungsfreudige Dirigent, Regisseur und Pionier für einen neuen Stil des Musikbetriebs, Gustav Kuhn, im tirolerischen Grenzdorf Erl seine "Tiroler Festspiele" gegründet. Zentrum des künstlerischen Unternehmens war und ist das Erler Passionsspielhaus, das zum Festspielhaus mutierte. Hier läuft vom 5. bis 21. Juli das Programm der Jubiläumssaison ab.

Zur Eröffnung am Donnerstag hat Kuhn wie vor zehn Jahren Gerard Mortier eingeladen, die Festrede zu halten. Eine Lesung des "Wahnmonologs" aus Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" und Anton Bruckners 3. Symphonie, die Richard Wagner gewidmet ist, rundet den festlichen Auftakt im Rahmen des Erler Passionsspielhauses ab.

Es war Kuhns Idee, dem kühnen weißen Bau, den der Architekt Schuler 1959 mutig in die grüne Wiese gestellt hatte, in den passionsspielfreien Jahren eine neue Funktion zu geben und mit der einzigartigen Akustik zur Spielstätte für Oper und Symphonie zu machen. Vor allem Richard Wagners romantische Klangwelt findet in der hölzernen Innenkonstruktion die ideale Resonanz. Der Erfolg gab Kuhn recht: Die Wagnerianer - und nicht nur diese - strömen aus allen Himmelsrichtungen, vor allem auch aus dem nahen Deutschland, in Scharen herbei.

In seiner Jubiläumssaison bringt Kuhn eine große Retrospektive aller hier erarbeiteten Wagner-Opern, die im vierteiligen "Ring des Nibelungen" gipfeln. Aber bei Kuhn hat der "Ring" 2007 sieben Teile, will er doch den Entstehungsprozess des gewaltigen Werkes chronologisch getreu nachvollziehen. Er startet am 6. Juli mit "Rheingold", lässt am 7. Juli "Die Walküre" folgen. Am 8. Juli gelangt "Siegfried" zur Aufführung, doch nur bis zum 2. Akt. Danach hatte Wagner die Arbeit am "Ring" unterbrochen, um "Tristan und Isolde" sowie die "Meistersinger" zu komponieren. Aus den letzteren wird am 8. Juli eine Textlesung dem fragmentarischen "Siegfried" angefügt, dann steht am 9. Juli die Oper "Tristan und Isolde" ins Haus, bevor am 10. Juli der 3. Akt "Siegfried" und abermals eine "Meistersinger"-Lesung folgen. Der 11. Juli gehört der "Götterdämmerung", bevor am 12. Juli "Parsifal" den großen Zyklus beschließt.

Dieses große zyklische Programm wird insgesamt drei Mal durchgespielt. Dazwischen gibt es am 13. und 21. Juli noch zwei Konzerte mit dem Haydn-Orchester Bozen-Trient, das die vier Symphonien von Johannes Brahms spielt, zwischen die Uraufführungen zeitgenössischer Werke von Lampson, Gervasoni und Rihm eingefügt sind. Kuhn steht selbst 24 Abende in Folge am Dirigentenpult; nur für die Uraufführungen hat Tito Ceccherini die Leitung übernommen. (APA)

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    screenshot: tiroler festspiele erl
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