Absage in Rio?

8. Juli 2007, 21:52
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Einstweilige Verfügung wegen Sicherheitsbedenken - Organisatoren wollen Rechtsmittel einlegen

Rio de Janeiro/Hamburg - Das für Samstag geplante "Live Earth"- Konzert gegen den Klimawandel in Rio de Janeiro muss möglicherweise abgesagt werden. Eine Richterin der brasilianischen Metropole verbot am Mittwoch aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen das Konzert.

In Hamburg droht das Musikspektakel vor halb leeren Rängen stattzufinden. Laut Veranstalter wurden bis Donnerstag erst 25.000 Karten verkauft. Das Stadion des Fußball-Bundesligisten HSV, in dem das Konzert stattfindet, bietet Platz für 45.000 Zuschauer. Via Live Streaming auf liveearth.msn.de werden die Konzerte im Internet übertragen.

Turbulenzen in Rio

Die Polizei von Rio müsse an diesem Tag noch einige andere Veranstaltungen betreuen und habe daher nicht genügend Beamte, um die Sicherheit der rund 700.000 am Strand von Copacabana erwarteten Konzertbesucher zu garantieren, hieß es. Zudem tragen das Konzert und seine Besucher am kilometerlangen Strand zur Umweltzerstörung und zur Belästigung der Anwohner bei. Das könne nicht im Sinn jener Umweltschützer sein, die die Veranstaltung organisieren, meinte Staatsanwältin Denise Tarin. Die Organisatoren der Veranstaltung und die Tourismusbehörde der Stadt (Riotur) wollen gegen das Verbot Rechtsmittel einlegen.

Mit einer einstweiligen Verfügung gab Richterin Maria Paula Galhardo in Rio der Klage von Staatsanwältin Tarin statt. Es sei unverantwortlich, Hunderttausende Menschen ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zusammenkommen zu lassen, meinte Tarin. Die Polizei müsse sich auf die Panamerikanischen Spiele vom 13. bis 29. Juli in Rio vorbereiten und am Samstag zudem bei einem anderen Freiluft-Konzert und bei vielen Fußballspielen für Sicherheit sorgen. Richterin Galhardo meinte, bei einem Konzert mit 700.000 Menschen handle es sich "um kein kleines Straßenfest".

Die brasilianischen Medien berichteten weiter, dass bereits hunderte von Polizisten in einem Stadtviertel gegen die Drogenmafia im Einsatz seien. Die Armensiedlung "Complexo do Alemão" (Gebiet der Deutschen) im Norden der Stadt wird seit Anfang Mai mit Panzerfahrzeugen belagert. Seitdem sind Schießereien an der Tagesordnung, Dutzende Menschen kamen bereits ums Leben. Auch an der Copacabana patrouillieren täglich Polizisten, um die Touristen vor kriminellen Banden zu schützen.

24 Stunden

Bei weltweit insgesamt acht "Live Earth"-Konzerten nach dem Vorbild von Live Aid und Live 8 wollen am Samstag rund 150 Rock- und Popstars auftreten. Der ehemalige US-Vizepräsident und Umweltaktivist Al Gore und Musikproduzent Kevin Wall sind die Initiatoren, die damit auf die Klimaerwärmung und auf die von Wall gegründete Klimaschutz-Allianz Save Our Selves (SOS) aufmerksam machen wollen.

Den Auftakt des 24 Stunden-Events am 7.7.2007 bildet das Konzert in Sydney. Es folgen rund um den Globus: Tokyo, Shanghai. Johannesburg, London und Hamburg. Rio de Janeiro wäre die vorletzte Station vor New York. Das Konzert in der Stadt am Zuckerhut ist das einzige mit freiem Eintritt. Auftreten sollten dort auf einer 1000-Quadratmeter-Bühne am Strand von Copacabana internationale Stars wie Pharrell Williams, Macy Gray oder Lenny Kravitz sowie mehrere brasilianische Sänger und Bands, darunter auch der Kulturminister und Sänger Gilberto Gil.

Auf Großleinwänden sollte das Publikum in Rio auch Ausschnitte der anderen Konzerte verfolgen können. Die Show in Rio kostet insgesamt 3,8 Millionen Real (etwa 1,5 Mio Euro), von denen 1,5 Mio von der Stadt bereitgestellt werden. Trotz des Verbots wurde der Bau der Bühne am Mittwoch fortgesetzt, berichteten Medien.

Österreichische Musikfans können das Konzert im ORF verfolgen: Von 10 Uhr früh bis 4 Uhr morgens gibt es in Sondersendungen die Highlights des Konzerts zu sehen, die in einen "ORF-Klimatag" eingebunden sind. Am Wiener Rathausplatz werden die Konzerte ab 10 Uhr auf einer großen Leinwand übertragen. (APA/dpa)

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    screenshot: live earth
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