"Die Regierung wird nervös"

von Redaktion  |  23. August 2007, 14:36
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    Nayereh Tohidi bei einem Vortrag in der Wiener TU über die iranische Frauenbewegung.

Tausende Iranerinnen klären ihre Landsfrauen über ihre Rechte auf und rufen Irans größte Frauenbewegung ins Leben - Frauenaktivistin Tohidi im derStandard.at-Interview

Wien - Sie reden sie auf der Straße an, im Bus, in Parks und gehen zu den Leuten nach Hause. Ihr Lockmittel: eine Broschüre und eine Petitionsliste. Sie gehören zu keiner Sekte oder verdeckten Guerilla-Bewegung. Mit der Kampagne "Eine Million Unterschriften für die Änderung diskriminierender Gesetze" fordern iranische Frauen unterschiedlicher Denkschulen, Schichten und Altersgruppen seit August 2006 was ihnen längst zusteht: gleiche Rechte. Die Kampagne zählt zu den größten Frauenkampagnen, die das Land erlebt hat. Zehntausende haben bereits unterschrieben. Zwei Jahre Zeit geben sich die Frauen um die Millionen-Grenze zu erreichen. Anschließend wird die Petition dem Parlament vorgelegt. Zu den prominenten Unterzeichnern gehören Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi sowie die Dichterin Simin Behbahani oder Regisseur und Preisträger zahlreicher Filmfestivals Jafar Panahi. Auch Nayereh Tohidi zählt zu den ersten Unterzeichnern der Kampagne. Die Soziologin, tätig an der California State University, gehört zu den bekanntesten internationalen Sprecherinnen der Kampagne.

derStandard.at: Inwiefern unterscheidet sich diese Kampagne von bisherigen Protest-Aktionen?

Tohidi: Die Aktivisten sind im permanenten Dialog mit normalen Leuten. Sie gehen zu ihnen nach Hause, treffen sie in der Arbeit, im Bus, im Zug, in Parks. Mit der leicht verständlichen Broschüre klären sie die Frauen über ihre Rechte auf und selbst wenn die Leute nicht unterschreiben, sind sie zumindest informiert. Die Bewegung ist sehr transparent. Es ist keine Untergrund-Bewegung, und nicht militant. Sie fordern das Recht heraus ohne dagegen zu verstoßen. Die Regierung wird nervös, weil die Kampagne immer größer wird und Einfluss auf die Leute hat. Deswegen werden die Aktivisten auch verhaftet und man wirft ihnen vor, die nationale Sicherheit zu bedrohen.

derStandard.at: Sie haben bei einem Vortrag zur iranischen Frauenbewegung gesagt, dass es sich bei der Kampagne um eine unabhängige Bewegung handelt, frei von jeglichen Ideologien oder westlicher Schirmherrschaft. Kann sie dadurch mehr in der iranischen Gesellschaft bewirken?

Tohidi: Vielleicht. Weil die Initiative sehr breit gefasst ist. Die Kampagne ist unabhängig von der Regierung, politischen Parteien, aber auch vom Westen. Das heißt nicht, dass die Bewegung nicht informiert ist über die Erfolge des westlichen Feminismus. Aber man hat gelernt nicht nur auf westliche Modelle zu schauen, sondern auch Eigenheiten in der Region zu berücksichtigen.

derStandard.at: Hat so eine Kampagne um Frauenrechte jetzt eine Zukunft, wenn sich die Leute zurzeit mehr Gedanken darüber machen, dass das Benzin rationiert wird oder sich der Iran wegen seiner Atompolitik isoliert?

Tohidi: Die Kampagne muss auch nicht mit diesen Themen mithalten. Wenn Frauen über Forderungen sprechen, heißt es immer: jetzt ist nicht die Zeit für Frauen und es gibt Wichtigeres. Natürlich machen sich mehr Leute Gedanken um ihre Jobs, die steigenden Preise, die Wohnungssituation, etc. Aber diese Bewegung ist etwas Langfristiges. Für Frauen der Mittelschicht sind diese Themen sehr wichtig.

derStandard.at: Inwiefern hat sich die Situation in der Ahmadinejad-Ära für Frauen verändert?

Tohidi: Verbesserungen habe ich keine gesehen. Bei den Frauenagenden gibt es mehr Einschränkungen. Während die Frauen in den letzten vier Jahren der Khatami-Ära Seminare abhalten und sich versammeln durften, ist es unter Ahmadinejad nicht erlaubt sich zu treffen. Es herrscht eine gewisse Paranoia. Jeder ist verdächtig.

derStandard.at: Bezüglich der Frauenagenda: Erst kürzlich hat Innenminister Mostafa Pour Mohammadi vorgeschlagen die Kurzehe (Anm. Mündlicher Vertrag zwischen Mann und Frau. Kann von einer Stunde bis zu mehreren Monaten dauern. Beinhaltet Vereinbarungen z.B. Beischlaf gegen Unterhalt) beliebter zu machen. Versucht man hier nur Prostitution zu legitimieren oder kann man das als Toleranz gegenüber vorehelichen Beziehungen interpretieren?

Tohidi: Das glaube ich nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Regierung für die Kurzehe wirbt. Es gibt derzeit eine regelrechte Ehe-Krise. Es ist teuer zu heiraten und eine eigene Familie zu gründen. Die Regierung sollte wissen, dass die Kurzehe nichts lösen wird, sondern sie damit der Prostitution ihren Sanktus gibt. Die Kurzehe bedroht die Familie. Außerdem ist sie diskriminierend. Alle Männer dürfen eine Kurzehe schließen, während es bei den Frauen nur Singles und Witwen dürfen. Sie verhindert, dass die Leute tatsächlich heiraten. Warum sollten sie auch, wenn sie so viele Kurzehen wie möglich haben können. Aus diesem Grund sind auch einige religiöse Autoritäten dagegen.

derStandard.at: Wie schätzen Sie die Einschüchterungspolitik der Regierung ein, wenn sie laufend IranerInnen, ob JournalistInnen oder UniversitätsdozentInnen wie Haleh Esfandiari mit doppelter Staatsangehörigkeit, unter Hausarrest stellen, nicht ausreisen lassen oder sogar inhaftieren?

Tohidi: Das hat verschiedene Gründe. Einerseits hat man etwas gegen die Amerikaner in der Hand wegen der fünf inhaftieren Iraner – den so genannten "Diplomaten" - in der nordirakischen Stadt Erbil. So kann man Druck auf die Amerikaner ausüben. Andererseits will man jene Iraner, die eine Doppelstaatsbürgerschaft haben, im Ausland leben und pro-demokratische Bewegungen unterstützen, einschüchtern. Man will verhindern, dass sie in den Iran kommen und auch dass Iraner das Land verlassen und Kontakt zu internationalen Organisationen knüpfen.

derStandard.at: Haben Sie vor demnächst in den Iran zu fahren?

Tohidi: Nicht in näherer Zukunft. Das letzte Mal war ich 1994 dort. (Solmaz Khorsand, derStandard.at/3.7.2007)

Zur Person: Nayereh Tohidi lebt seit 28 Jahren in den Vereinigten Staaten. Derzeit ist die Soziologin Leiterin des "Women’Studies Department" der California State University. Tohidi forscht zu Themen wie Gender, Religion und Demokratisierung im Nahen Osten sowie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Außerdem hat sie unter anderem als UN-Beraterin für Projekte der UNICEF und UNDP (United Nation Development Programme) gearbeitet.

Link:"One Million Signatures Demanding Changes to Discriminatory Laws" "

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persian
06.07.2007 12:59
...

wer glaubt, unter so einem regime wie der Islamische Sharia Republik, lässe sich reformen einführen, gar widerstand leisten, der hat nie (bzw. nicht lange genug) im iran gelebt, um zu wissen, dass jede auch so kleine bewegung im keim erstickt werden wird (das wissen die islamischen botschafts-agenten, die hier fleissig posten am besten). ohne gewalt wird in iran nichts passieren, alles andere ist reine illusion. ich hoffe nur, dass iraner selbst zu den knüppeln greifen, bevor das von außen geschiet.

Lisa Risa
16.07.2007 09:00
Eine gewaltfreie Lösung ist sicher die bessere Alternative!

Vor dem Fall der Berliner Mauer hat auch keiner geglaubt, dass sich das Problem mit den autoritären Ostblock-Regimes so lösen würde. Ich verstehe den Frust der Leute im Iran und höre hier in Teheran oft den Wunsch nach einer gewaltsamen Wende. Trotz allem würde ich mir keinen Bürgerkrieg oder eine (versuchte) amerikanische Invasion im Iran wünschen, die Folgen sind unabsehbar. Man sollte vielmehr den Aufbau einer starken Zivilgesellschaft unterstützen, mit kulturellem, wirtschaftlichem und bildungspolitischem Austausch. Je weniger Arme es gibt, desto weniger Extremisten gibt es. Wer ein Leben in Würde und eine Zukunft hat, wird sich nicht "ins Paradies" bomben.

xx Hour1 
07.07.2007 16:55

Was ist der Größte Reform im Letzte 30 Jahre
als der Erfolgreiche Benzin Rationierung ?

niemand Traute sich so was zu machen ausser ahmadi Nejad.

by the way Ständig alias , nickname zu ändern,
ist kein zeichen der bereite Unterstützung.
sondern von Internet Trolling

Ich bin weder ein botschaftes Agent noch ändere ich mein alias

NanotechBrain
05.07.2007 17:06
eine frau und ein mann aus takestan sind zur steinigung verurteilt - für alle wie "zwei und vierzig, cyrus XII und xxxhour, die euch sagen, im iran werde nicht gesteinigt.

ILNA berichtet!
richter in ghazwin behaupete, die entscheidung zur steinigung sei auf basis juristischer wissenschaft gefallen! die ausführung muss jedoch erst durch entsprechende instanzen bestätigt werden.

leider nur in persischer sprache:
http://web.peykeiran.com/vs2005/ir... x?ID=40986

und wann berichten standard und andere westlichen medien von solchen verbrechen gegen die menschlichkeit?

Nari57
05.07.2007 23:21
wenn xx houer spricht !

bitte nemmt xx houer nicht ernst ! als Agent der
IRI ist er verpflichtet das Regime in Iran zu verteidigen .

Elisabeth Jarok
04.07.2007 14:21
Iranische Frauenrechtlerin muss ins Gefängnis

Wegen der Teilnahme an einer Demo für Gleichberechtigung wurde Delaram Ali zu drei Jahren Haft und Auspeitschung verurteilt
Teheran - Die iranische Frauenrechtlerin Delaram Ali ist für ihre Teilnahme an einer Demonstration für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu zehn Peitschenhieben und fast drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Teheraner Gericht habe ihre Mandantin wegen Teilnahme an einer illegalen Versammlung, "Propaganda gegen das System" und "Störung der öffentlichen Ordnung" zur Verantwortung gezogen, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Ilna am Dienstag die Anwältin Nasrin Sotudeh. Sie kündigte Berufung gegen das Urteil an. Rund 70 Menschen hatten im Juni 2006 an der Demonstration teilgenommen.
diestandard.at

oti0
04.07.2007 13:54
also in meinem "fraunbefreiungs-portfolio"...

... wäre saudi-arabien mit abstand die nummer 1.

dort dürfen frauen nur mit engen verwandten im auto mitfahren - geschweige denn selbst fahren. mir ist auch noch gut in erinnerung, dass bei einem brand in einer schule mädchen sterben mussten, weil die religionswächter (die wahabitischen von saudi-arabien) die tore zugesperrt hatten - die mädchen waren nicht ausreichend verschleiert!

nichts gegen aktivitäten (auch wenn sie von außen kommen) im iran. nur leidet die glaubwürdigkeit doch erheblich, wenn man weiß, wie katastrophal die dinge beim us-verbündeten saudi-arabien stehen - und von dort ist leider nichts zu hören obwohl 100.000e saudis in den usa leben.

Bertel Mann
04.07.2007 15:15
Bitte lassen Sie unseren Bastard in Ruhe - es geht hier schliesslich um ideologiefreie Propaganda gegen den Iran

P.S.: Selbstverständlich ist im Iran was Demokratie und Gleichberechtigung betrifft vieles zu verbessern. Aber den Iran zu kritisieren und zur Situation in Saudiarabien zu schweigen zeigt, dass es eben nicht darum, sondern um Stimmungsmache geht.

Peter Illico
04.07.2007 11:49
"...frei von jeglichen Ideologien..."

"...dass es sich bei der Kampagne um eine unabhängige Bewegung handelt, frei von jeglichen Ideologien..."

Da stimmt was nicht, da ist was falsch. Keine Bewegung, Kampagne o. ä., egal wo und von wem, die etwas bewirken, verändern, überzeugen will in einer Gesellschaft ist frei von Ideologien, auch nicht von jeglichen!!....

Martin Schott
04.07.2007 11:22
Lesben und Schwule im Iran

Ein Text zur Situation von Lesben und Schwulen im Iran findet sich hier:
http://www.cafecritique.priv.at/pdf/Regen... ogen07.pdf

mikep13
04.07.2007 10:25
Hoffentlich werden die mutigen Frauen nicht

durch das verknöcherte Mullah-Regime zusammengetrieben und ausgepeitscht, damit wieder "Ordnung" herrscht. Das Regime sollte einer ehrlichen Demokratie weichen, ohne religiöse Einflüsse, Laizismus eben.

p c2
05.07.2007 11:59
Das Regime sollte einer ehrlichen Demokratie weichen

und wo gibt's die sonst?

xx Hour1 
04.07.2007 13:31

Aus Peitschen ist eine Strafe hauptsächlich
für männer.

Zuckerlilly Zuckerlilly 
06.07.2007 00:21
Die ausgepeitschten Frauen werden sich bei Ihnen bedanken.

Wo nehmen Sie solchen Unsinn her?

Fredi1
05.07.2007 01:34

"... klären ihre Landsfrauen über ihre Rechte auf "

Dabei glauben viele bei uns, Frauen hätten gar keine Rechte im Iran! Da sieht man wieder einmal, wie ungebildet die Menschen in Europa sind, wenn es um den Iran geht!

ministry
04.07.2007 20:03

na vielleicht erkennen die auspeitscher ned das es frauen sind??....

Thomas Aicher1
04.07.2007 12:56
Es ist alles halb so schlimm

Ich bin nun schon des öfteren im Iran gewesen und sitze gerade in diesem Augenblick in Tehran.
Klar habe diese eine andere Einstellung als wir in Europa jedoch ist vor ort alles halb so schlimm wie es immer geschrieben wird. Kaum zu glauben aber wahr die Frauen werden nicht so unterdrückt wie das manch einer glaubt.

meiner ansicht nach ist das land uns wirtschaftlich jahre hinter her, kommt zeit kommt rat gebt denen noch einige Jahre dann sieht das ganze schon ganz anderst aus.

Zuckerlilly Zuckerlilly 
06.07.2007 00:59
Man muß schon ein Mann und von vor-vorgestern sein, um so etwas zu behaupten:

http://gatewaypundit.blogspot.com/2007/05/v... eaten.html

Eine Bitte: tun Sie Ihre Meinung doch gegenüber diese Frau kund, ja?

bixente uhudla
04.07.2007 21:01

naja,teheran ist ja auch für iranische verhältnisse eine recht mondäne stadt-aber anhand der verhältnisse in teheran lässt sich nicht die situation im ganzen iran beurteilen-ähnlich der türkei wo ein recht mondänes und hippes istanbul im krassen gegensatz zu anderen, stockkonservativen und traditionellen gebieten steht...

DieBo
04.07.2007 11:01
"...zusammengetrieben und ausgepeitscht, damit wieder "Ordnung" herrscht.." Es geht um den Iran, und nicht um den G8 Gipfel

gerhard maierhofer 
04.07.2007 13:45

wie im iran mit fruqnerechtlerinnen umgegangen wird:

http://diestandard.at/?url=/?id=2945743

bixente uhudla
04.07.2007 13:23

eben...auspeitschen ist im iran von der scharia gedeckt und gängige bestrafungspraxis...

beim g8 gipfel gabs auf der einen seite tränengas und polizeiknüppel,auf der anderen pflastersteine...von peitschen weit und breit keine spur

Timagoras  
04.07.2007 12:53
"Es geht um den Iran"

eben darum:

http://diestandard.at/?url=/?id=2945743

Lemure
04.07.2007 12:51
Wer sagts denn,

den Anfang machen sie schon.

xx Hour1 
04.07.2007 11:01

Was soll das heißen ?

Die auspeuitche Strafe bekommen fast nur Männer.

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