"Tina" als digitale Hilfe für ambulante Pflege

10. Juli 2007, 12:15
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Eine neue Handy-Technologie für die mobile Altenpflege ersetzt ab sofort die "Zettelwirtschaft" bei den Wiener Sozialdiensten

"Wir müssen nicht mehr wegen jeder Klitzekleinigkeit in der Zentrale anrufen", beschreibt eine ambulante Heimhelferin der Wiener Sozialdienste einen der Vorteile von "Tina". "Tina" bedeutet Transportable Innovative Arbeitshilfe und begleitet seit 1. Juli rund 700 Mitarbeiter der Wiener Sozialdienste, die im Außendienst für ambulante Pflege und Betreuung zuständig sind. Etwa 2500 Einsätze in ganz Wien werden pro Tag gezählt - was bisher zu einem Papieraufkommen von 70.000 Bögen pro Monat geführt hat.

Kombination

Die "Zettelwirtschaft" bei der Dokumentation und Datenerfassung gehört ab sofort der Vergangenheit an: Sie wird ersetzt durch eine von T-Mobile Austria und dem Softwarespezialisten Ilogs entwickelte Software, über die die gesamte Dienst- und Einsatzplanung und Leistungserfassung abgewickelt wird. Das Programm ist per Handy abrufbar und somit genauso mobil wie die Pfleger und Heimhilfen selbst. "Mit dem Schritt in die digitale Welt schaffen wir mehr Raum für die Betreuung der Menschen", spricht Marianne Hengstberger, Geschäftsführerin des Bereichs Alten- und Pflegedienste bei den Wiener Sozialdiensten, von einem "Meilenstein" bei der häuslichen Pflege.

Informationen

"Tina" gibt nicht nur permanent Auskunft über den Dienstplan, sondern auch über die relevanten Informationen des Klienten - Adresse, Krankengeschichte, Pflegebedarf wie auch Besonderheiten wie Allergien oder bestimmte Vorlieben. "Das ist besonders wichtig, wenn eine Vertretung kommt und nicht weiß, dass etwa der Klient Marillenmarmelade auf seine Semmel haben möchte und nicht die Ribiselmarmelade von der Tochter", illustriert Ilogs-Geschäftsführer Walter Liebhart. Erfasst wird zudem die Einsatzzeit und -dauer sowie eventuelle Änderungen beim Zustand und den Bedürfnissen des Klienten.

Niko

Für diplomiertes Krankenpflegepersonal wurde außerdem das auf "Tina" aufgebaute, aber komplexere System "Niko" entwickelt: In Verbindung mit einem Notebook können Betreuungsverträge vollelektronisch abgeschlossen werden - allein durch Klienten der Wiener Sozialdienste werden 12.000 Verträge pro Jahr unterschrieben.

Schutz

Für den Schutz der hochsensiblen Patientendaten seien höchste Sicherheitsvorkehrungen installiert worden, versichert Liebhart. Langfristig könnte das System als Basis für eine gemeinsame Pflegedokumentation sowohl für ambulante als auch stationäre Behandlung in Krankenhäusern dienen - an den nächsten Schritten wird bereits gearbeitet. (DER STANDARD Printausgabe, 03.07.2007)

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