"Verteuerung wird auf die Kunden überwälzt"

23. Juli 2007, 13:34
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Teurerer Sprit, teurere Maut: Für Elmar Wieland, Chef der Spedition Schenker, ist im Interview klar, wer zum Handkuss kommt

Teurerer Sprit, teurere Maut. Seit Sonntag hat sich der Kostenposten von Frächtern und Spediteuren vergrößert. Für Elmar Wieland, Chef von Österreichs größter Spedition Schenker, ist klar, wer zum Handkuss kommt: die Kunden. Mit ihm sprach Günther Strobl. Standard: Der Konjunkturmotor brummt wie schon lange nicht, ein Ende scheint nicht in Sicht. Sehen Sie das auch so?

Wieland: Im Prinzip ja. Es gibt vielleicht da und dort Anzeichen, die auf eine Abschwächung hindeuten. Bisher hat sich das aber nicht bestätigt.

Standard: Den Speditionen als Bindeglied zwischen Produktion und Konsum muss es derzeit hervorragend gehen.

Wieland: Ja und nein. Die steigenden Mengen, die zu bewältigen sind, bereiten auch Probleme. Es gibt Laderaumengpässe bei Straße, Schiene, zu See und in der Luft. Das bringt hohe Aufwendungen mit sich.

Standard: Seit wann gibt es diese Engpässe?

Wieland: Seit etwa einem Jahr. Im Frühjahr und Herbst sind die Transportmengen generell höher, das überrascht nicht.

Standard: Das heißt für Schenker was?

Wieland: Wir haben aus dem Vorjahr gelernt und versucht, uns bestmöglich darauf vorzubereiten. Wir haben mehr Drittfirmen unter Vertrag genommen, in eigenes Equipment investiert. Das ist aber eine riskante Sache, weil wir damit voll ins Risiko gehen.

Standard: Vor der Einführung des Lkw-Road-Pricing haben Sie und ihre Branchenkollegen davon gesprochen, dass Transporte um bis zu einem Viertel teurer werden könnten. Die Auswirkungen im Alltag waren halb so schlimm. War das nur falscher Alarm?

Wieland: Das würde ich nicht sagen, die Transporte haben sich ja tatsächlich verteuert. In der Folge sind auch die Preise verschiedener Waren gestiegen - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Standard: Wer hat den Aufschlag zahlen müssen?

Wieland: Zum überwiegenden Teil die Kunden, ganz eindeutig. Das sind ja Beträge, die kann die Branche nicht einfach so wegstecken, egal ob Frächter oder Spediteure. Optisch sind es nur kleine Beträge, aber in Summe läppert sich ganz schön was zusammen.

Standard: Seit Sonntag ist die neue, höhere Lkw-Maut in Kraft, auch der Diesel hat sich wegen der höheren Mineralölsteuer (MÖSt) kräftig verteuert. Was wird jetzt passieren?

Wieland: Es wird dasselbe Spiel stattfinden wie bei der Mauteinführung. Mittlerweile kassieren ja auch andere Länder Maut - Deutschland etwa oder Tschechien. Anderswo wird über eine Maut nachgedacht. So gesehen ist Road-Pricing nicht mehr ganz so umstritten wie es einmal war, es hat sich eingespielt. Aber letztlich wird es so sein, dass auch die jüngsten Verteuerungen im Endeffekt an die Konsumenten überwälzt werden.

Standard: Was trifft Sie als Spediteur härter: die Erhöhung der Mineralölsteuer oder der Mautaufschlag?

Wieland: Es ist einfacher, die Maut zu überwälzen als die MÖSt. Die Maut ist klar nachvollziehbar. Die Mineralölsteuer hingegen geht im Dieselpreis mit den häufigen Schwankungen, die es da gibt, irgendwie unter.

Standard: Für die Bahnholding werden ein bis zwei zusätzliche Vorstände gesucht mit dem Ziel, die Qualität des Schienenangebots zu verbessern. Freut Sie das?

Wieland: Mich freut im Prinzip jede Verbesserung des Schienenangebots. Das Thema ÖBB ist ein sehr sensibles. Einerseits sind wir Kooperationspartner der Bahn, andererseits erbitterte Wettbewerber. Das ist eine etwas schizophrene Situation, mit der wir seit Langem umgehen. Daher beobachten wir mit Interesse, was sich bei den ÖBB so tut, denn manches hängt auch von den handelnden Personen ab.

Standard: In manchen Branchen jagt eine Konsolidierungswelle die nächste, im Speditionsbereich scheint die Luft draußen zu sein. Trügt das?

Wieland: Ich glaube, das ist nur eine Pause. DHL hat schon viel zugekauft, Schenker ebenfalls. Derzeit sind gar nicht so viele lohnende Objekte am Markt. Die Preise sind so in die Höhe geschossen, dass sich das betriebswirtschaftlich kaum argumentieren lässt.

Standard: Gilt diese Pause auch für Schenker Österreich?

Wieland: Jein. Wir sind bei einigen Projekten dran. Noch ist es aber viel zu früh, den Ausgang vorherzusagen. (DER STANDARD Printausgabe 03.07.2007)

Zur Person: Elmar Wieland (59) ist seit 33 Jahren bei Schenker Österreich und seit 1993 deren Vorstandsvorsitzender. Der gebürtige Halleiner ist nicht nur für das Österreich-Geschäft zuständig, sondern verantwortet auch die Aktivitäten der vor 135 Jahren in Wien gegründeten, inzwischen zur Deutschen Bahn gehörenden Spedition im Länderbogen von Tschechien über Slowakei und Ungarn bis in die Türkei.
  • Für den Chef von Schenker Österreich, Elmar Wieland, ist die Konsolidierung in der Branche noch nicht abgeschlossen, er sieht derzeit aber keine lohnenden Objekte auf dem Markt.
    foto:standard/hendrich

    Für den Chef von Schenker Österreich, Elmar Wieland, ist die Konsolidierung in der Branche noch nicht abgeschlossen, er sieht derzeit aber keine lohnenden Objekte auf dem Markt.

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