Neue Chance für Laternen-Skulptur

18. Jänner 2008, 10:17
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Chris Burdens Projekt soll beim Wien-Mitte-Neubau mitgeplant werden

Eines steht fest: „Urban Light“ wird es in Wien nicht geben. Denn die Idee von Chris Burden, gusseiserne Art-déco-Straßenlaternen im Rahmen einer Kunstinstallation im öffentlichen Raum zu arrangieren, wird unter diesem Titel woanders realisiert – nämlich in Los Angeles, dem Ursprungsort der Kandelaber.

Um das Projekt dennoch, wie ursprünglich geplant, in Wien umsetzen zu können, wurde es kurzerhand in „(Vienna) Shining“ umgetauft. Mit dem Bauträger BAI hat MAK-Direktor Peter Noever, der seit 2004 um die Leucht-Kolonnaden kämpft, außerdem einen prominenten Unterstützer gefunden. Die Skulptur, die eine leuchtende Verbindung zwischen Wien-Mitte, MAK und Innenstadt schaffen soll, könnte nun in die Planungen des Bauvorhabens am Bahnhof Wien-Mitte integriert werden, wie Noever am Montag berichtete. „Es wäre eine sinnvolle Kombination, die urbane Intervention als Teil einer baulichen Maßnahme, die so viel Interesse wie Wien-Mitte erregt, zu realisieren“, sagt Noever.

Idee der Klammer

Die Idee einer Klammer zwischen der Innenstadt und der Bahnhofsüberbauung, die bis 2012 fertiggestellt werden soll, erscheint auch BAI-Geschäftsführer Thomas Jakoubek „verfolgenswert“. „Wien-Mitte soll ein bisschen mehr sein als eine Immobilie“, verspricht Jokoubek die Zusammenarbeit mit mehreren Künstlern. Er werde sich jedenfalls für die Verwirklichung von „(Vienna) Shining“ einsetzen – sobald die Kosten geklärt sind (rund 3,5 Millionen Euro), und sofern die Stadt ihren Segen gibt.

Mit der liegt Noever seit Jahren im Clinch: Er warf der Stadtplanung „Geschmacksdiktatur der Bürokraten“ vor, da „Urban Light“ im Dickicht der Magistratsabteilungen zu versinken drohte, postwendend wurde ihm attestiert, nicht zu wissen, welche Genehmigungen einzuholen seien, was „jeder Maronibrater“ könne. Nach einer Standard-Debatte im Mai scheinen die Wogen geglättet: Planungsstadtrat Rudi Schicker (SPÖ) erklärte sich bereit, das Projekt in technischer Hinsicht zu unterstützen.

Große Chance

Die Chancen, dass die Burden-Leuchten tatsächlich in Wien erstrahlen werden, sind also groß. Einziger Wehrmutstropfen für Noever: „Wien hätte Pionier sein können. Wie so oft ist Wien mit zeitgenössischer Kunst zu zögerlich umgegangen, um anderen zu überlassen, wesentliche Impulse aufzugreifen.“ Jetzt sei es an der Stadt, mutigere Schritte zu setzen. (Karin Krichmayr/DER STANDARD-Printausgabe, 03.07.2007)

  • (Vienna) Shining statt Urban Light: MAK-Direktor Peter Noever hofft weiter auf Realisierung der umstrittenen Installation von Chris Burdens Beleuchtungsinstallation.
    renderings: chris burden

    (Vienna) Shining statt Urban Light: MAK-Direktor Peter Noever hofft weiter auf Realisierung der umstrittenen Installation von Chris Burdens Beleuchtungsinstallation.

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